Forstbetrieb setzt auf Regionalität

Die Energieholzprognose sieht noch Potenzial

Professor Dr. Andreas Rothe präsentierte das Ergebnis der Studie. Foto: Märtl2015/03/NL_waldbauern_gutachter.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Botschaft des Vorsitzenden der Forstbestriebsgemeinschaft Nürnberger Land, Richard Sperber, ist eindeutig: „Wir empfehlen Energie vom Waldbauern aus der Region, nicht vom Scheich aus Arabien oder dem Zaren aus Russland.“ Schon jetzt vermarktet man für die hier organisierten rund 2250 Waldbesitzer etwa 50.000 Festmeter Holz. Etwa 20 Prozent davon gehen als Hackschnitzel in die thermische Verwertung; zum einen zur Erzeugung von Wärme und seit zwei Jahren zusätzlich zur Erzeugung von elektrischer Energie. Die Tochter ForstServiceGesellschaft betreibt in Eigenregie zwei große Heizkraftwerke in Hersbruck und Altdorf und beliefert etwa 20 weitere Heizwerke mit dem klimaneutralen Brennstoff Holz.

Durch den Ersatz der fossilen Energieträger, so der Vorsitzende, leiste man einen wichtigen Beitrag zur Energiewende im Landkreis, verringere erheblich den CO²-Ausstoß und sorge für eine ausschließlich regionale Wertschöpfung. Mit dem Bau des Holzvergasers am Standort Hersbruck erzeugt man neben Wärme für die Fackelmann-Therme mit einer deutschlandweit einzigartigen und innovativen Technik auch Strom aus Holz.

„Unser Brennstoff kommt nahezu ausschließlich aus den Wäldern unserer Mitglieder, sodass sowohl die Versorgungssicherheit als auch eine gewisse Preisstabilität ständig gewährleistet sind“, meint Sperber.

Holz ist zwar ein nachwachsender, aber kein unendlicher Rohstoff. Verheizen wir unsere Wälder? Ist das nachhaltige Nutzung oder Raubbau? Eine von der FBG in Auftrag gegebene Studie an die Hochschule Weihenstephan/Triesdorf sollte deshalb untersuchen, ob es noch weitere Ausbaumöglichkeiten des Energieholzsektors in der Region gibt oder ob man sich schon am Einschlagslimit bewegt.

Interessant war dies auch deshalb, weil es im Kleinprivatwald, anders als bei den Staatsforsten bzw. den Kommunalwäldern, keine regelmäßigen Waldinventuren bzw. keine Einschlagsplanung gibt. Die Ausgangsdaten mussten deshalb im Rahmen einer Stichprobe von einzelnen Waldbesitzern erfragt werden.

Professor Dr. Andreas Rothe präsentierte nun die Ergebnisse sowohl politischen Entscheidungsträgern im Landkreis als auch den Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft bei deren Hauptversammlung in Hohenstadt.

Der Befragung zufolge nutzten die FBG-Mitglieder im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2013 mit knapp 146.000 Festmetern pro Jahr bereits viel Holz. Auffallend ist dabei ist der relativ hohe Anteil der Energieholznutzung (rund 40 Prozent), sowie bei der Energieholznutzung der hohe Anteil des Eigenverbrauchs für Scheitholz und Hackschnitzel (beinahe 50 Prozent).

Bei Beachtung aller technischen und ökologischen Restriktionen, so Dr. Andreas Rothe, könnte die Nutzung nachhaltig auf der Mitgliedsfläche um rund 24.000 Festmeter pro Jahr (1,3 Festmeter/Hektar) gesteigert werden.

Würde dieses Holz entsprechend des bisherigen Sortierverhaltens der FBG-Mitglieder verwendet, so würden rund 49 Prozent (83.000 Festmeter) Stammholz bereitgestellt. Bei einem Fichten-Stammholzpreis von 100 Euro ergäbe sich daraus ein Jahresumsatz von 8,3 Millionen Euro. Die Nutzung an Energieholz, so das Ergebnis der Studie, könnte um 11.000 Festmeter pro Jahr gesteigert werden.

Eine monetäre Bewertung der potenziellen Energieholzmenge von jährlich 73.000 Festmetern ergibt somit eine jährliche Bruttowertschöpfung von 3,65 Millionen Euro, die im Landkreis erzielt werden kann.

Bezogen auf die gesamte Privat- und Körperschaftswaldfläche des Landkreises von 25.200 Hektar ergibt sich nach vorsichtiger Schätzung ein Einschlagspotential von bis zu 193.000 Festmetern, davon 82.000 Festmeter Energieholz pro Jahr.

Ein Großteil des Energieholzes wird zum Eigengebrauch genutzt, so dass bei der derzeitigen Sortierung lediglich 20 Prozent des Gesamteinschlags für die Vermarktung zur Verfügung stehen. Allerdings, so die Einschätzung von Professor Dr. Andreas Rothe, könnte bereits bei der Nutzung des minimalen Marktpotentials an Energieholz von 44.000 Festmetern pro Jahr oder 110.000 Schüttraummetern pro Jahr im Landkreis eine beachtliche Menge fossiler Energie substituiert werden. So ergibt sich unter der Annahme eines Energiegehalts bei Hackschnitzeln von 0,85 Megawattstunden pro Schüttraummeter (Wassergehalt 35 Prozent) eine potenziell nutzbare Holzenergiemenge von rund 93.500 Megawattstunden pro Jahr. Dies entspricht einer Heizölmenge von 9,3 Millionen Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2000 Liter Heizöl pro Haushalt könnten also 4675 Haushalte pro Jahr mit Wärme versorgt werden. Weiter erhöht werden kann die Energieholzmenge durch die nachhaltige Nutzung von Straßenbegleitgrün, Landschaftsholz und Sägerrestholz. Hier, so der Studienersteller, liege ein hohes Potential in der gleichen Größenordnung wie beim Holz direkt aus dem Wald.

Ob das errechnete Nutzungspotential aber tatsächlich realisiert werden kann, hängt entscheidend von der Lieferbereitschaft der Waldbesitzer ab. Die Befragung im Rahmen der Studie hat zumindest gezeigt, dass immerhin jeder vierte Waldbesitzer bereit wäre, kontinuierliche Lieferverträge mit der FBG abzuschließen. Eine zusätzliche Holzmobilisierung, so die Empfehlung, sollte sich an den standörtlichen Gegebenheiten orientieren und sich vorrangig auf bisher ungenutzte Waldbereiche konzentrieren.

Der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft, Michael Müller, machte deutlich, dass es Ziel sein müsse, die Kleinwaldbesitzer zu mobilisieren. Allerdings habe der Großteil der Mitglieder bereits erkannt, dass eine vernünftige Nutzung dem Wald gut tut. Das sah auch Vorsitzender Richard Sperber so, der im Sinne einer regionalen Wertschöpfung für ein gedeihliches Miteinander warb.

Der Leiter der Abteilung Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth, Harald Gebhardt, unterstrich den Beratungscharakter der Behörde für die Waldbauern und ging mit den Ergebnissen der Studie konform. Trotz der Nutzung sei insgesamt ein moderater Nettozuwachs der Waldfläche festzustellen.

Dies bekräftigte auch der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes und BBV-Kreisobmann im Nürnberger Land, Günther Felßner. Wenn Waldfläche verloren gehe, dann durch Industrie- und Wohnbebauung, aber nicht durch die Landwirtschaft. Was die regionale Wertschöpfung aus dem Wald betrifft, sei langfristiges Denken angesagt. „Die Gesamtstrategie muss nachhaltig sein: Schützen durch Nützen.“

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl