Rummelsberger Diakonie: Hilfe für Sterbende

„Die beste Begleitung am Lebensende“

Das Stephanushaus arbeitet mit eigenen Fachkräften und dem Hospizverein zusammen, um die Sterbenden zu begleiten. | Foto: Fotolia2016/03/Fotolia_96700621_Palliativbegleitung.jpg

RUMMELSBERG – Als erste diakonische Einrichtung in Deutschland wird das Stephanushaus in Rummelsberg für seine Hospiz- und Palliativversorgung mit dem Zertifikat PallExcellence ausgezeichnet. Herbert Kammers, Geschäftsführer der PallCert Europe GmbH, erklärt, was die Einrichtung der Rummelsberger Diakonie so besonders macht.

Herr Kammers, was sagt das Zertifikat PallExcellence über eine Pflegeeinrichtung aus?
Herbert Kammers: In Häusern, die mit dem Zertifikat ausgezeichnet sind, gibt es eine vorbildliche Palliativversorgung. Für Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter ist dies nicht nur eine Orientierungshilfe sondern auch eine Empfehlung. PallExcellence bescheinigt Vorreiterschaft, hohe fachliche Kompetenz und die klare Bereitschaft, sich mit diesem gern tabuisierten Thema auseinanderzusetzen.

Das Stephanushaus ist die erste diakonische Einrichtung sowie dritte Pflegeeinrichtung in Deutschland, die das Zertifikat PallExcellence erhält. Was machen die ausgezeichneten Häuser besser als andere Einrichtungen?
Herbert Kammers:  Diese Pflegeeinrichtungen überzeugen mit ihrer hohen Kompetenz im Bereich der Palliative Care und Hospizarbeit. Sie haben speziell geschulte Fachkräfte für Palliative Care und Schmerztherapie direkt im Haus. Die Mitarbeiter werden für das Thema von Beginn ihrer Beschäftigung an sensibilisiert und auch kontinuierlich weitergebildet. Alle drei Häuser blicken zudem auf eine lange seelsorgerische Tradition zurück.

Welche Kriterien muss eine Einrichtung erfüllen, um das Zertifikat zu erhalten?
Herbert Kammers: PallCert Europe orientiert sich an den Qualitätsvorgaben zur Hospizkultur und Palliativkompetenz des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Um zur Zertifizierung zugelassen zu werden, sollten die Einrichtungen Leitlinien zur Sterbebegleitung vorweisen können. Wir prüfen, ob es im Haus eine Trauerkultur, ein Ethikkomitee sowie eine umfassende Beratung und Begleitung von Sterbenden, deren Angehörigen aber auch der Mitarbeiter gibt. Außerdem sollten die Einrichtungen gut vernetzt sein, zum Beispiel mit Hospizvereinen. Häuser, die das Zertifikat erhalten wollen, brauchen geschulte, ehrenamtliche Mitarbeiter und auch entsprechendes Fachpersonal.

Herbert Kammers, Geschäftsführer der PallCert Europe GmbH.
Herbert Kammers, Geschäftsführer der PallCert Europe GmbH. | Foto: Behrbohm2016/03/Herbert-Kammers.jpg

Wie läuft die Zertifizierung einer Einrichtung ab?
Herbert Kammers:  PallCert Europe beruft ein bis zwei Auditoren, die insgesamt drei Gruppeninterviews führen. Die Teilnehmer der Interviewgruppe werden von der jeweiligen Einrichtungsleitung bestimmt. Wir empfehlen Vertreter der Einrichtungsleitung, Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Fachbereichen – auch Küchen- oder Raumpflegepersonal – Angehörige, Mitglieder des Heimbeirates sowie Hospizhelfer auszuwählen. So können viele verschiedene Standpunkte berücksichtigt werden.

In den Gesprächsrunden berichten die Teilnehmer dann über die Palliativversorgung des Hauses?
Herbert Kammers: Ja, die Befragten beurteilen, ob sie sich gut begleitet und beraten fühlen und in welchen Bereichen sie sich mehr Unterstützung wünschen. Anschließend verfassen die Auditoren einen Bericht und geben eine Empfehlung an den Zertifizierungsausschuss ab. Dieser vergibt dann gegebenenfalls das Gütesiegel.

Wenn Sie sich den Bericht zum Stephanushaus ins Gedächtnis rufen – wo liegen die besonderen Stärken der Rummelsberger Einrichtung?
Herbert Kammers: Ein großer Pluspunkt des Stephanushauses ist die langjährige und enge Zusammenarbeit mit dem Hospizverein der Rummelsberger Diakonie, der direkt mit im Haus ist. Dadurch stehen zusätzlich zu den Fachkräften für Palliative Care in der Belegschaft jederzeit auch erfahrene ehrenamtliche und hauptberufliche Hospizbegleiter bereit. Zudem bietet das Stephanushaus mit seinem beschützenden Bereich auch für demenzkranke Senioren Palliativversorgung an – das ist im Bereich der Palliative Care derzeit noch ein Alleinstellungsmerkmal.

Haben Sie dem Stephanushaus auch irgendwelche Hausaufgaben aufgegeben?
Herbert Kammers: Das Stephanushaus ist in puncto Hospizarbeit und Palliativ Care auf einem ausgezeichneten Weg und sollte diesen auch mit der gleichen Einsatzbereitschaft, Begeisterung und Sorgfalt weitergehen. Dann finden Sterbende und deren Angehörige in Rummelsberg auch künftig die beste Begleitung am Lebensende.

Herr Kammers, vielen Dank für das Gespräch.

Am 18. März wird das Stephanushaus in Rummelsberg durch Herbert Kammers, Geschäftsführer der PallCert Europe GmbH, mit dem Zertifikat PallExcellence ausgezeichnet. Im Vorfeld findet am 10. März in Rummelsberg ein Fachtag zum Thema Sterbe- und Hospizbegleitung statt. Die PallCert Europe GmbH wurde 2014 in enger Zusammenarbeit mit dem bayerischen Hospiz- und Palliativverband e.V. gegründet. Das erste Gütesiegel PallExcellence wurde im November 2014 vergeben. Im Zertifzierungsaussschuss sitzen neben Herbert Kammers auch Dr. Thomas Binsack, Vorsitzender Stiftungsrat Bayerische Stiftung Hospiz, Henriette Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, Vorsitzende Bayerischer Hospiz- und Palliativverband e.V., Frank Kittelberger, Studienleiter für Ethik in Medizin und Gesundheitswesen an der Evangelischen Akademie in Tutzing sowie Universitätsprofessorin Dr. Sabine Pleschberger, Stiftungsprofessur Palliative Care an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg.

 

N-Land Der Bote
Der Bote