Corona-Lockerungen

Der Einzelhandel hat wieder offen

Shoppen mit Mundschutz – daran scheinen sich die Kunden rasch gewöhnt zu haben und schauten rege bei den Hersbrucker Einzelhändlern vorbei. | Foto: A. Pitsch2020/04/IMG-7708.jpg

HERSBRUCK – „Die gute Stimmung, das tut uns als Einzelhändlern gut“, findet Uli Böhler. Die Chefin der „Galleria“ ist mit den ersten Tagen nach der Ladenöffnung wie die meisten der Kollegen zufrieden.

Klar sei, dass man den Verlust der vergangenen Wochen nicht mehr aufholen könne. „Wir müssen jetzt halt schauen, dass wir die Leute in die Läden holen“, sagt sie. Und die kamen ihres Eindrucks nach gerne: „Die Kunden waren glücklich, dass man sich wieder gesehen hat und miteinander reden konnte. Denn sie kommen ja gerade wegen der Beratung zum Einzelhandel.“

Von einigen habe sie sogar gehört, dass sie extra nicht online gekauft haben, sondern auf die Wiedereröffnung gewartet haben. Gedränge gab und gibt es in ihrem Laden aber nicht, der sei groß genug und fülle sich mit neuer Ware, die laufend ankomme. „Wir haben viel zu tun.“

Auch das mit der Maskenpflicht laufe super: „Die Kunden sind sehr verständnisvoll.“ Für sie und ihr Team sei es schon schwieriger, weil sie den Schutz den ganzen Tag tragen müssen: „Da schnappt man schon mal nach Luft“, gibt sie zu. Wenn sie näher an eine Person ranmüsse, um etwas abzustecken, dann spreche man das einfach ab. Und noch in einem anderen Aspekt hat Böhler Veränderungen bemerkt. „Es ist eine andere Art einzukaufen“, weil Kleidung für Festivitäten und Business nicht gebraucht würden.

Sich etwas gönnen

Trotzdem merke man, so Karin Kelenz von der Boutique „Starlight“, dass sich die Menschen in der Zeit mal wieder etwas gönnen möchten – und sei es nur das Durchschauen des Angebots. Zögern oder gar Angst beim Anprobieren der Stücke habe sie bislang nicht feststellen können. „Den Abstand einzuhalten, das ist schwieriger, aber wir kriegen das schon hin.“

Entsprechend ausgestattet ist der Modeladen, den acht Personen zugleich betreten dürften, mit Hinweisschildern, Pfeilen für Laufwege und einer Glasscheibe an der Theke. Das alles einzurichten, sei kein Problem gewesen, so Kelenz. Und die Kunden hätten ihre Masken pflichtbewusst auf. „Es läuft schon ganz gut“, analysiert sie zufrieden. In Anfangseuphorie will sie dennoch nicht verfallen: „Der Start war gut, aber jetzt müssen wir hoffen, dass es so weitergeht.“

Ab zum Sport

Ähnlich sieht das Holger Bayer vom Elektroland Franken: „Der Anfang war wirklich gut.“ Nun hofft er auf weitere Lockerungen, um das Geschäft anzukurbeln. Auch in der Zeit der Schließung hielten die Kunden dem Elektrofachhandel die Stange. „Wir durften ja ausliefern und Reparaturen durchführen.“ Dass der Laden wieder geöffnet hat, nutzten die Leute vor allem am Montag rege, so Bayer. Und alle hatten Masken auf und hielten Abstand: „Wir mussten keinen Mundschutz ausgeben.“

Das sei wohl schon zur Gewohnheit geworden“, mutmaßt Jochen Zimmermann vom Pfersdorf. Denn auch dort hielten sich die Kunden an die Hygieneregeln. Die Glasscheibe an der Kasse habe man einfach selbst gebastelt, verrät er. Auch ihm ist in den ersten Tagen ein „überdurchschnittlicher Besuch“ aufgefallen. Besonders gefragt waren Laufschuhe und weitere Utensilien für Freizeitaktivitäten, erzählt Zimmermann.

Diesen Kunden-Trend kann Harald Rösel vom gleichnamigen Uhren- und Schmuckgeschäft dagegen nicht bestätigen: „Der Andrang hielt sich in Grenzen.“ Einige Leute holten ihre Reparaturen ab.

Von wegen Hilfe

Und noch eine negative Erfahrung musste er machen: Obwohl er umgehend Soforthilfe beantragt hatte, habe er bis zum heutigen Tag nicht einmal eine Rückmeldung dazu bekommen: „Eine Entschädigung für den entgangenen Umsatz hätte gut getan, denn Lieferanten warten ja auf Geld.“ Für ihn ist die Soforthilfe daher eine „Sankt-Nimmerleins-Hilfe“, eine „gewaltige Lüge“, echauffiert er sich.

In seinen Unmut mischt sich aber trotzdem Zuversicht: „Ich denke, unsere Branche wird mittelfristig profitieren, weil die Leute ihr Geld nicht für Reisen oder Konzerte ausgeben können.“ Das könnten sie ja dann in Uhren und Schmuck investieren, hofft er.

Wesentlich mehr positive Stimmung ist bei Bianca Zimmermann von „Schön verspielt“ zu spüren. „Alle tragen ihre Masken und schauen, ob sie in den Laden kommen können oder ob zu viele drin sind oder fragen nach.“ Falls jemand seinen Schutz vergessen sollte, hätten sie Masken da. An die kamen sie ebenso problemlos wie an Desinfektionsmittel, berichtet Zimmermann.

Ungewohnt sei das mit den Masken aber schon: „Man sieht nur die Augen, kein Gesicht und vor allem kein Lachen“, bedauert sie. Dennoch bekommt sie mit, dass sich die Kunden freuen, dass das Geschäft wieder offen hat – „und wir tun das auch“.

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N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch