Außengastro kann am Montag noch nicht öffnen

Das Schäufele wird daheim gegessen

Ein Bild, das es so noch etwas länger geben wird: abgesperrte, zusammengerückte Tische und Stühle vor den Lokalen am Laufer Marktplatz. | Foto: Fischer2021/05/marktplatz-lauf-aussengastronomie-fi.jpg

Nürnberger Land – Es wird (noch) nichts mit dem Schweinebraten und dem Cappuccino auf der Restaurant-Terrasse oder im Biergarten: Zwar darf in Bayern die Außengastronomie theoretisch am Montag wieder öffnen, in der Praxis ist es allerdings deutlich komplizierter. Für die Wirte im Landkreis eine Hängepartie.


„Eine Inzidenz von unter 100 ist leider kein Automatismus für die Öffnung“, erklärt Karina Pawlik vom Sachgebiet „Rechtsfragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes“ im Landratsamt. Denn nicht nur, dass die Inzidenz stabil, also fünf Tage lang unter 100 liegen muss, was im Landkreis am morgigen Sonntag so weit sein könnte. Die Landratsämter müssen diesmal zusätzlich beurteilen, ob der Wert „stabil“ ist und eine positive Prognose abgeben. Über die Regierung von Mittelfranken muss dann das „Einvernehmen“ des Gesundheitsministeriums angefordert werden. Erst wenn dieses vorliegt, darf die Außengastronomie aufmachen.


„Wir hoffen, dass es zügig geht und beim Ministerium bis dahin entsprechende Mechanismen greifen. Aber vor Ende der Woche rechne ich nicht mit Öffnungen in der Gastronomie“, bedauert Pawlik. Sollte die Inzidenz zwischenzeitig wieder über 100 klettern, müssten Tische und Stühle ohnehin abgesperrt bleiben.


„Zu vage und zu kurzfristig“


Für die Wirte ist die Situation nicht planbar. „Die Vorgaben sind viel zu vage, ohne Konzept und zu kurzfristig. Man wirft uns einfach Brocken hin“, schimpft Siegfried Bachmann vom Restaurant „Zwinger Melber“ in Lauf. Er wird seinen Biergarten deshalb frühestens am Freitag öffnen. Erst einmal muss er seinen Getränkevorrat austauschen, denn das meiste sei abgelaufen. Wie er dann genau kontrollieren soll, wer von seinen Gästen geimpft, genesen oder getestet ist, weiß er nicht. „Das ist alles noch nicht raus.“ Trotz allem versucht er, entspannt zu bleiben.


„Das mit den Kontrollen wird sich irgendwie einpendeln müssen“, sagt Laura Oed vom „Weißen Lamm“ am Marktplatz. Bisher hätten die Wirte dazu auch vom eigenen Verband keine Infos erhalten. „Wir sind daran, alles hochzufahren, aber vor Freitag oder eher Anfang der Woche darauf werden wir nicht aufmachen“, sagt sie. Vor allem die Warenbestellung sei zurzeit schwierig, Lieferketten müssten sich erst wieder einspielen, Personal zurückgeholt werden. Laura Oed freut sich allerdings, dass schon viele Gäste anrufen und reservieren wollen. Die Leute seien auch bereit, extra einen Test zu machen.

„Wir brauchen jeden Cent“


„Wir machen draußen sofort auf, wenn wir das Okay haben“, betont Volker Birkel, Chef vom „Birkels“ gleich gegenüber. Da man eine große „To-go-Karte“ habe, brauche man keinen so langen Vorlauf wie vielleicht andere. Schwieriger sei die Koordination beispielsweise für die Kneipe „Flaschenkind“, die auch zu ihm gehört und die seit einem halben Jahr komplett geschlossen ist. „Aber wir sind froh, wenn überhaupt was passiert, wir brauchen jeden Cent“, sagt Birkel.


„Wir haben mit der Planung angefangen und am Donnerstag die ersten Lieferungen bekommen, aber es ist sehr schwer, zu kalkulieren, auch wegen des Wetters“, berichtet Antonio Lo Po vom „Padelle d´Italia“ am Marktplatz. Man verarbeite viele frische Lebensmittel, die man wegwerfen müsse, wenn man doch nicht aufmachen dürfe. Für das Personal werde die Kontrolle der Gäste eine Herausforderung. „Es gibt Menschen, die da locker reagieren und andere, die skeptisch sind.“ Trotzdem sind er und sein Team froh, wenn es zumindest draußen wieder losgeht, denn das To-go-Angebot sei sehr unterschiedlich angenommen worden.

Bier zum Mitnehmen


Vorerst nicht öffnen wird der Biergarten am Kunigundenberg. Wirt Jürgen Eichenmüller möchte ab diesem Wochenende aber zumindest mit einem To-go-Angebot in die Saison starten. Doch auch hier ist die Rechtslage kompliziert. Denn wo seine Gäste das Bier oder den Obazdn verzehren dürfen, sei nicht klar, schildert Eichenmüller. Direkt im Biergarten natürlich nicht, doch ob sie sich damit auf die Stufen am Reigenplatz setzen dürfen oder nur auf die Wiesen drum herum, stehe noch nicht fest.

„Wir werden natürlich aufpassen, dass sich keine Menschentrauben bilden“, betont der Biergarten-Betreiber. Doch warum Menschen sich an der Tankstelle ein Six-Pack Bier kaufen und sich damit auf die Stufen am Reigenplatz setzen dürfen, seine Gäste aber möglicherweise nicht, das erschließt sich ihm nicht.


„Was ist denn bitte ein stabiler Wert“, fragt Klaus Böhm von der Waldschänke „Brückkanal“ in Feucht, einem beliebten Ausflugsziel. „Mit diesen Ansagen seitens der Politik können wir Gastronomen nicht planen.“ Bei seinem Biergarten treffe man keine Vorbereitungen für eine Öffnung, zumindest vorerst. Das Risiko eines plötzlichen Anstiegs der Inzidenz und einer daraus resultierenden erneuten Schließung sei zu groß. „Ich musste schon so viele Lebensmittel wegschmeißen, das will ich einfach nicht mehr.“


„Alle Gastronomen im Landkreis stehen vor dem gleichen Problem“, erklärt Peter Bauer, Kreisvorsitzender der DEHOGA Bayern für das Nürnberger Land. Bei einer Inzidenz um die 50 wäre eine Planung denkbar, zurzeit aber unmöglich. Wie solle man bei Regen handeln? „Schicken wir dann alle Gäste nach Hause und werfen das Essen weg?“, fragt er.


Stefanie Buchner-Freiberger/ Johannes Gurguta

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren