Sparkasse Nürnberg baut Zahl der Geschäftsstellen im Landkreis ab

Bürgermeister reagieren auf Schließung von Filialen

Die Filiale auf der Hersbrucker Ostbahn stand ursprünglich auf der Streichliste der Sparkasse. Nach der letzten Sitzung darf sie aber nun doch bleiben. Foto: L. Hufnagl2015/12/6903570.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Enttäuschung, Wut, Unverständnis: Das sind die Gefühle, die bei den Bürgermeistern herrschen, deren Sparkassen-Geschäftsstellen vor dem endgültigen Aus bzw. der Umwandlung stehen. Der Verwaltungsrat hat einstimmig beschlossen, dass Pommelsbrunn geschlossen, Engelthal, Offenhausen, Kirchensittenbach und Vorra in SB-Standorte verwandelt werden. Und wo bleibt da die von Bank, Politik und Wirtschaft so gerne propagierte Stärkung des ländlichen Raums?

„Einfach nur traurig“, findet Offenhausens Bürgermeister Georg Rauh die Tatsache, dass das Personal der Filiale abgezogen wird. Der Gemeinderat hatte sich mit dem Thema befasst und ein Schreiben an die Sparkasse verfasst, in dem der Plan klar beanstandet wurde – ohne Erfolg. „Ich dachte immer, die Bank ist auf Kommunen und Städte bedacht“, sagt Rauh hörbar enttäuscht. Diese Einsparungsmaßnahme und die allerorts geforderte Stärkung des ländlichen Raums passen für ihn nicht zusammen.

Genauso geht es Günter Rögner. Der Bürgermeister von Engelthal hat im Oktober aus der Presse von der geplanten Schließung erfahren. „Das ist ein herber Schlag und ein Einschnitt in die Grundversorgung der Bürger“, kritisiert er deutlich die „ganz schlechte Entwicklung“, die er in der großen Werbekampagne des Geldinstituts für Online-Banking kommen sah. Gerade Ältere wünschen eben den persönlichen Kontakt.

Richtig enttäuscht ist Rögner auch von der Politik: „Wir können doch nicht allein vom Tourismus leben. Gerade unsere kleine Gemeinde braucht etwas Industrie und Gewerbe.“ Und dafür sind Finanzexperten vor Ort wichtig. „Wenn schon die Banken sich nicht am ländlichen Raum orientieren, wer dann?“, ist er ratlos.

Dabei hatten Rögner und seine Gemeinderäte ebenfalls in einem Schreiben an die Sparkasse sogar Ideen eingebracht, um wenigstens Geldautomat und Kontoauszugsdrucker behalten zu können. Standorte in der Raiffeisenbank oder der Frankenalb-Klinik wurden vorgeschlagen – mit Erfolg. In Engelthal, Offenhausen, Kirchensittenbach und Vorra bleiben die Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker.

Ähnlichen Einsatz zeigte auch Klaus Albrecht, Bürgermeister von Kirchensittenbach: „Mich haben Bürger angerufen mit der Bitte, den Plänen entgegenzuwirken.“ Beim Besuch von Dr. Jonathan Daniel, Vorstandmitglied der Sparkasse, schlug er zum Beispiel vor, dass die Filiale nur stundenweise mit einer Person besetzt ist. Auch er, der sich über die Geheimhaltung der Bank ärgert, hatte keinen Erfolg: „Die Schließung ist für das Tal sehr schade“ – trotz SB-Terminal. „Damit müssen wir leben.“

Dr. Daniel schaute im Vorfeld der Entscheidung auch bei Jörg Fritsch vorbei und gab dem Pommelsbrunner Bürgermeister den Hinweis, die Leute können ja ins PEZ zur Bank gehen. „Das kann ich aber nicht ganz akzeptieren, vor allem nicht für die ältere Bevölkerung.“ Die Geschäftsstellen-Schließung am zentralen Dorfplatz, wo auch eine Raiffeisenbank angesiedelt ist, „ist ein Verlust“. Fritsch sieht die Sparkasse als Dienstleister, zu dem auch der Kundenkontakt gehört: „Nicht alle machen Online-Banking.“ Nicht einmal Geldautomat und Drucker wird es in Pommelsbrunn geben: Dort erstattet die Sparkasse den Kunden anfallende Gebühren bei der Nutzung des Geldautomaten der Raiffeisenbank vor Ort.

Etwas anders sieht das Volker Herzog. Der Bürgermeister von Vorra, der von der entscheidenden Sitzung nicht mal etwas wusste, bedauert die Schließung zwar sehr, kann die Entscheidung aber nachvollziehen: „Die meisten brauchen Geldautomat und Kontoauszugsdrucker. Das ist wichtig, dass das nun wirklich bleibt. Die jungen Leute machen halt Online-Banking.“ Früher oder später habe er eh mit dieser Entwicklung gerechnet.

Trotz der Einsparung von Mitarbeitern an zwölf Standorten im Nürnberger Land, die laut Sparkasse dem veränderten Kundenverhalten, der zunehmenden Digitalisierung sowie den Auswirkungen der Niedrigzinsphase geschuldet ist und deren Umsetzung von Anfang 2016 und bis 2018 dauern soll, sagt Dr. Matthias Everding, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Nürnberg, „dass die Geschäftsstellen eine wesentliche Säule unseres Geschäftsmodells bleiben“. Die Angestellten werden übrigens über den Weg normaler Fluktuation abgebaut, so das Unternehmen in seiner Pressemitteilung.

Der Vorstandsvorsitzende spricht dennoch von einer „Stärkung des ländlichen Raums“: Die Bank wird künftig eine mobile Beratung in den Gemeinden anbieten, die keine mitarbeiterbesetzte Filiale mehr haben. „Beratung und Service sind dann je nach örtlichen Gegebenheiten zu festen Beratungszeiten möglich.“ Außerdem soll ein mobiler Geldautomat zum Beispiel bei Kirchweihen, Fes-
ten und Gewerbeschauen zum Einsatz kommen.

Einzig Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg hat gut lachen. Die Filiale an der Ostbahn darf bleiben und die Hersbrucker Hauptstelle wird neben Lauf und Altdorf zum Beratungszentrum, welches das komplette Leistungspaket wochentags durchgängig von neun bis 18 Uhr anbietet, Er freut sich, dass es dank weiterer Gespräche gelungen ist, gemeinsam mit dem Vorstand der Sparkasse den ländlichen Raum gut versorgt zu wissen: „Das ist ein guter Kompromiss zwischen wirtschaftlichem Druck und Versorgung der Bevölkerung im Nürnberger Land.“

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N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch