24 Stunden, 24 Unternehmen: Bestattungen Blank

Beim Abschied vom Sternenkind zur Seite stehen

Nur für Sternenkinder: Susann Uttrodt und David Blank im liebevoll gestalteten Raum für individuelle Erinnerungsstücke und Särge. Fotos: Bestattungen Blank2021/10/24h_bestattungen-blank_04.jpg

Von wegen, nur New York ist die Stadt, die niemals schläft. Auch hier in dieser Serie stellen wir 24 regionale Betriebe aus unterschiedlichen Branchen vor. Jedes Unternehmen bekommt dabei eine Stunde, und das acht Wochen lang; jede Woche drei Firmen. Die Stunde zwischen 17 und 18 Uhr gehört heute der Bestattungen Blank.

Lauf. 17.23 Uhr, kurz vor Feierabend im freundlichen Besprechungsraum bei Bestattungen Blank in Lauf, ein Anruf aus dem Kreißsaal. Jeder im Team weiß, was das bedeutet, alle halten kurz den Atem an, betroffene Blicke machen die Runde. Jedes Mal nimmt es die von morgens bis abends mit dem Thema Tod und Sterben konfrontierte Belegschaft mit, wenn ein ungeborenes oder gerade zur Welt gekommenes Kind stirbt. „Für die Eltern und die gesamte Familie ist das die größtmögliche Katastrophe“, weiß Susann Uttrodt.

Die erfahrene Hebamme hat vor einem Jahr die Zusatzausbildung zur Sterbeamme erfolgreich abgeschlossen. Nun macht sie sich auf den Weg in die Klinik: „Ich bin in dieser schlimmen Situation Brückenbauerin zum Bestattungsunternehmen und kümmere mich um einen einfühlsamen Erstkontakt. Das wird ganz anders angenommen, als wenn direkt der Bestatter in der Tür steht.“ Wenn schon vor dem Geburtstermin feststeht, dass ein Sternenkind zur Welt kommen wird, kann sich die zertifizierte Sterbeamme noch intensiver und sensibler hilfreich in die Bewältigung der Situation einbringen. „Es baut sich sehr schnell ein Grundvertrauen auf, um den schweren Weg durch Wehen, Geburt und Abschied zu erleichtern.“ Neben dem Beistand durch Familie und Freunde ist die Unterstützung durch die Hebamme und Trauerbegleiterin besonders wichtig. Mütter von Sternenkindern haben einen garantierten Anspruch auf diese professionelle Hilfe, auch im Wochenbett. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

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Die tröstende Wirkung von Erinnerungsstücken
Wie später zu erfahren ist, kommt im aktuellen Fall – das Kind zeigte schon im Bauch der Mutter keine Lebenszeichen mehr – die doppelte Qualifikation Uttrodts besonders zum Tragen. Das Kind wird sanft geboren; begleitet von der Hebamme. In ihrer Funktion als Sterbeamme sorgt sie dafür, dass die Eltern ihr Sternenkind bei sich haben, zu sich nehmen und ungestört von jedweder Betriebsamkeit im Arm halten können. Wenn sie es wünschen, dürfen sie ihr Kind nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in den Räumen des Bestatters besuchen oder sich auch zu Hause von ihm verabschieden. Bis zur Bestattung ist dies möglich und wichtig – nachhaltige Erinnerung schaffen an ein kleines Lebewesen, das ein Teil von ihnen ist, den sie nur begrenzt kennenlernen konnten. „Fotos vom und mit dem Sternenkind sind für viele Menschen sehr wertvolle Erinnerungsstücke, wie auch eine Haarlocke, Hand- und Fußabdrücke auf Papier oder als 3D-Abformung in Gips. Diese greifbaren Spuren eines kurzen Lebens werden von den Eltern gehütet wie ein Schatz und können in der Trauerzeit Trost spenden. Oft werden auch Spielzeug, Schmusetiere oder Kleidungsstücke, die in freudiger Erwartung schon gekauft wurden, dem kleinen Sarg beigelegt“, sagt Trauerberater David Blank. Das Bestattungsunternehmen hat speziell für Sternenkinder einen hellen Raum mit Motiven des kleinen Prinzen eingerichtet, in dem neben kleinen Särgen auch eine Auswahl von liebevoll vorbereiteten Abschiedsboxen für solche Erinnerungsstücke steht. „Eine befreundete Schneiderin gestaltet von Hand individuelle Inlays dieser Boxen, damit die Abdrücke geschützt aufbewahrt werden können.“

Greifbare Spuren spenden Trost: kleine Abschiedsbox für Haarlocke, Handplastik oder Schmusetier.2021/10/24h_bestattungen-blank_02.jpg

Hoffnungsschimmer greifbar machen
Die geschulte Sterbeamme wird immer als große Hilfe wahrgenommen. Sie unterstützt die Eltern, die massive emotionale Herausforderung anzunehmen. Werden Paare, die eigentlich guter Hoffnung sind, unerwartet zu Eltern eines Sternenkindes, dann stehen sie vor der großen Aufgabe, wieder zurück ins Leben zu finden. Das bedeutet auch, dass sie sich auf gewisse Art und Weise mit dem Erlebten bewusst auseinandersetzen müssen. „Es geht darum, Trauer zuzulassen, Schuldgefühlen zu begegnen, die Eltern aus ihrer Starre zu holen und dadurch das Gefühl der Hilflosigkeit aufzulösen“, sagt Susann Uttrodt. „Man muss Hoffnungsschimmer greifbar machen und einen guten Umgang mit diesem Ereignis erlernen.“ Sie kann dabei auf ein breites Netzwerk zurückgreifen und hilfreiche Kontakte vermitteln. Zu Trauergruppen, zu Trauercafés, zu Familien mit gleichem oder ähnlichem Schicksal. „Die Eltern dürfen sich trauen, so zu trauern, wie es ihnen guttut.“

Den Abschied liebevoll gestalten – in einer Lebensfeier
„Die Frage, wann, wo und wie das Kind beerdigt werden soll, benötigt oft eine intensive Beratung“, weiß David Blank. „Eine der entscheidenden Fragen ist: Gestalten wir gemeinsam eine Trauerfeier, und wenn ja, in welchem Rahmen und wie öffentlich? Sollen sich nur Familienangehörige oder auch Freunde und Bekannte vom Kind verabschieden dürfen?“ Susann Uttrodt hat festgestellt: „Je mehr Menschen das Baby gesehen haben, umso greifbarer wird es für das Umfeld der Eltern. Selbstverständlich ist gleichzeitig das Bedürfnis nach Privatheit zu respektieren.“ Zu den beeindruckendsten Erlebnissen der Sterbebegleiterin zählt die Bestattung eines Sternenkindes, bei dem die Tante einen liebevollen, lebensbejahenden Brief an das Sternenkind vorlas. „Es war eine Lebensfeier. Eltern und Großeltern hatten mit Fingerfarben ihre Handabdrücke auf dem Sarg hinterlassen, alle Trauergäste legten kleine, selbst beschriftete Trostengel mit berührenden Botschaften ins Grab und dann ließ man gemeinsam Seifenblasen in den Himmel aufsteigen. Das nahm dem Begräbnis symbolisch sehr viel Schwere.“

Es sind solche Erfahrungen, die Hebamme Susann Uttrodt und Bestatter David Blank, die auch privat seit einigen Jahren verbunden sind, immer wieder machen: „Das Zusammenwirken unserer Berufungen innerhalb des Lebenskreises vereint Anfang und Ende – versöhnt Leben und Tod.“

Handgeschriebene Botschaften auf kleinen Trost­engeln sind ein lebensbejahender letzter Gruß.2021/10/24h_bestattungen-blank_03.jpg

FAKTEN & KONTAKT
Gegründet: 2008
Philosophie: Trauer hat viele Farben

Portfolio: 24/7/365 persönliche Beratung, individuelle Gestaltung von Trauerfeiern, emotionale Trauerrituale, grüne
Bestattungen, ganzheitlicher Service, Vorsorgeberatung
Alleinstellungsmerkmal: Zertifizierte Sterbebegleiterin mit Hebammenausbildung
Geschäftsstellen: Lauf, Hersbruck und Schwaig
Mitarbeiter: 8 Festangestellte, 1 Azubi, 15 Aushilfen

Bestattungen Blank e. K.
David Blank
Briver Allee 1–3
91207 Lauf
Tel. 09123 9808778
https://bestattungen-blank.de/

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