Einfluss auf Sitzmöbelhersteller Dauphin

Bauhaus feiert 100 Jahre

Steffen Reim kennt sich mit dem Thema Bauhaus aus. | Foto: A. Pitsch2019/05/SteffenReim.jpeg

OFFENHAUSEN – Alle Kunst- und Designinteressierten wissen es: In diesem Jahr wird 100 Jahre Bauhaus gefeiert. Die Schule war von 1919 bis in die 1940er in Weimar, Dessau und Berlin beheimatet. Wer nun denkt, das Jubiläum berühre die Region nicht, der irrt. Denn diese avantgardistische Art der Gestaltung findet sich beispielsweise bei Möbeln der Dauphin-Firmengruppe wieder, genauer gesagt bei „Bosse“, wie Brandmanager Steffen Reim erklärt.

100 Jahre Bauhaus – 50 Jahre Dauphin. Wo liegen die Verbindungen?
Steffen Reim: Da von Verbindungen zu sprechen, ist vermessen. Dauphin gilt in der Branche als Ergonomie-Spezialist mit einem aktuellen, weniger klassischen Designanspruch. Genauer gesagt spiegelt sich der Bauhaus-Stil nicht bei Dauphin wider, sondern der Firmentochter „Bosse“ und dort im System „modul space“.

Das heißt, …
… dass Bauhaus-Elemente in unsere Gestaltung eingeflossen sind – wie das Stahlrohrknotensystem und austauschbare, farbige Paneele. Die Stahlrohrmöbel waren prägend für das Möbeldesign in der Bauhaus-Zeit. So etwas gab es vorher nicht.

Wie muss man sich dieses System vorstellen?
Jeder kennt doch das Atomium in Brüssel: Dort sind Streben mit großen Kugeln verbunden. So in etwa funktionierte auch die Idee von Poul Cadovius bei „Abstracta“: Rohre und Knoten hatte er zu einem dreidimensionalen Möbel zusammengebaut und auf der Brüsseler Weltausstellung 1962 präsentiert. Verkaufen wollte er sein Patent dafür nicht. Also ließen sich Fritz Haller, ein Schweizer Architekt und Designer, und Ingenieur Paul Schärer von Atomium und Cadovius zu ihren eigenen USM-Möbeln inspirieren. Rund 20 Jahre später entwickelten zwei Kölner Ingenieure das heutige Modul Space-Programm mit geschlossenen Knoten, stärkeren Rohren und Paneelen aus Holz. Aber ebenfalls basierend auf dieser Stahlrohrmöbelidee. Der Mensch denkt eben assoziativ, verbindet Gelerntes mit neuen Ideen und schafft so innovative Weiterentwicklungen.

Weniger ist mehr

Was ist das Besondere am Bauhaus-Stil?
Damals wurde erstmals interdisziplinär gearbeitet. Es ging um einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz, und das Motto lautete „less is more”, also weniger ist mehr, was Architekt Mies van der Rohe geprägt hat. Ziel war es, moderne industrielle Gebrauchsgegenstände fürs Volk zu erschaffen, Architektur und Kunsthandwerk zu verbinden, nicht Ornamente zu schaffen, sondern funktionale Lösungen.

In welchen Möbelsparten ist der Einfluss daher besonders spürbar?
Bauhausdesign ist in vielen Möbelsparten zu Hause. Bei den Stühlen von Mart Stamm, den Sesseln von Le Corbusier und Marcel Breuer und eben den Stahlrohrmöbeln von uns. Diese werden in den Bereichen Rezeption und Empfang, in kleinen designorientierten Büros, in Sachen Raumgliederung und mittlerweile sogar auch in der Ausstattung von Designhotels eingesetzt. Unsere von der Bauhaus-Zeit inspirierten Möbelstücke eignen sich zudem für Business-Appartements.

Warum erfuhr die Cadovuis‘sche Erfindung in den 80ern so einen Aufschwung?
Die Zeit war geprägt von postmoderner Architektur, aber dennoch wurden die Klassiker für die Leute wieder interessant. Vorher führten Möbel dieser Art eher ein Schattendasein in Banken, sie waren keine beliebten Designelemente für zu Hause oder große Büros. Das änderte sich.

Marke mit Gültigkeit

Warum kamen Designer nie um den Bauhaus-Stil herum?
Er ist einfach zeitlos und klassisch, sprich er stört das Auge nicht. Selbst der Internationalisierung des Geschmacks hält er stand beziehungsweise kann sich leichter anpassen. Und Bauhaus hat einen Namen; wer das mit seiner Marke verbindet, schafft Gültigkeit. Denn die Menschen wollen keine bewussten Entscheidungen treffen; Marken geben ihnen da Sicherheit.

Wird das Bauhaus-Design jemals verschwinden?
Das bestverkaufte Möbel in Europa ist ein unspektakuläres Sofa. Warum? Weil Menschen eine bestimmte Vorstellung von einem Sofa haben. Wenn es besonders spektakulär aussieht, schränkt das den Käuferkreis extrem ein. Das gilt auch für Schränke. Außerdem leben wir in einer Zeit, in der viele in die Städte ziehen, es viele Singles gibt, wenig Platz und Mobilität sowie Nachhaltigkeit wichtige Themen sind. Was ist da also besser geeignet als ein System, das kompakt, schlicht, veränder- und erweiterbar, mobil und nahezu unkaputtbar ist? Um den Stahlrohrrahmen zu zerstören, bräuchte es schon einen Bagger …

Der Clou am Bauhaus ist also:
Demografische Trends wurden in die Gestaltung integriert. Was braucht der Mensch? Wie entwickelt sich die Zeit? Diesen Fragen weiter nachzugehen, das ist unsere Aufgabe.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch