Einzelhandel Hersbruck

Bald ist „Christel’s Kinderlädle“ Geschichte

Josta Schmidt (links) und Uschi Schnellinger (rechts) halfen Christine Dollack in den vergangenen Jahren im Kinderladen | Foto: A. Pitsch2020/04/IMG-7588.jpg

HERSBRUCK – „Ich habe das mit Herzblut gemacht, aber nun ist es Zeit, dass Schluss ist“, sagt Christine Dollack. Insgesamt 42 Jahre hat sie in Hersbruck ihr „Christel’s Kinderlädle“ geführt. Ende Mai geht sie in Rente – und die Stadt verliert einen weiteren Laden.

Das wird das „schlechte Image von Hersbruck“, das Dollack in den vergangenen Jahren häufig widergespiegelt bekam, nicht besser machen. „Es wäre toll gewesen, wenn es hier weitergegangen wäre, ich habe ja die ganze Ware.“ Aber trotz intensiver Suche habe sie niemanden gefunden, sagt die Reichenschwanderin. Leer bleiben wird das Geschäft am Pfeiffers Eck, das sie dort 30 Jahre betrieben hat, nicht: Sie hat es an den Friseur in der Nachbarschaft verkauft. Bei einem Mietverhältnis hätte sie sich trotzdem irgendwie kümmern müssen und das wollte die fast 66-Jährige nicht.

Als sie im Juni 1978 angefangen hatte, da sei die Situation noch ganz anders gewesen. „Da war so viel los in Hersbruck, da hat man schauen müssen, dass man überhaupt Räume zur Miete bekommt.“ Das gelang ihr in der Schulgasse; später zog sie an den Unteren Markt. Der Kauf des Eckladens sei dann ein „großer Schritt“ gewesen.

Entstanden ist die Geschäftsidee eigentlich aus Langeweile. Gelernt hat Dollack im Modehaus Wagner. „Da war ich zuletzt in der Kinderabteilung, und das hat mir am besten gefallen.“ Dollack gründete eine Familie und stellte fest: „Das ist mir zu wenig.“ Gepaart mit ihrem Faible fürs Einkleiden der Kleinen reifte der Plan, ein Kindergeschäft aufzumachen – mittlerweile mit einem „riesigen Angebot“ von Größe 50 bis 176, dazu festliche Kleidung, Unterwäsche, Socken und mehr. „Bei mir gab es alles, was man für Kinder braucht.“

Vom Block in die Kasse

Und in der großen Auswahl findet sie auch meist das Gesuchte oder Gewünschte. Sie wuselt zwischen den Regalen und Ständern herum, klettert notfalls ins Schaufenster, um Hose und Co. zeigen zu können. Daneben hat sie immer ein liebes Wort für die Kinder, die mit den Mamas kommen und sich in der Spielecke vergnügen können. Hat der Kunde etwas gefunden, verpackt es Dollack – wenn nötig – liebevoll als Geschenk und notiert die Preise auf ihrem Quittungsblock, bevor die Kasse beim Eingeben rattert.

Dabei unterstützen sie mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen. Als Dollack 1980 Kind Nummer zwei auf die Welt brachte, war sie gezwungen, jemanden ganztags anzustellen: „Ich konnte ja nach der kurzen Zeit nicht aufhören.“ Und das hätte sie in den vergangenen Jahrzehnten auch nie gewollt – obwohl sich viele Dinge nicht nur positiv verändert hätten.

„Früher sind halt die Omas gekommen und haben eingekauft, das hat sich gewandelt.“ Ein großes Problem sei natürlich das Internet. Die Kundenfrequenz sei „spürbar zurückgegangen“; manche störe, dass die Geschäfte alle unterschiedlich auf haben. Auch Dollack habe ihre Öffnungszeiten immer wieder an die Kundenbedürfnisse angepasst.

Wachsende Auswahl

Und auch deren Wünsche seien immer vielfältiger geworden. „Bei dem enorm großen Angebot bei den Firmen ist es schwierig geworden, die richtige Auswahl zu treffen.“ Dazu sei sie früher sogar auf Messen gefahren.

Auch die Zusammenarbeit mit den Lieferanten habe sich verändert: „Früher gab es viel mehr Familienunternehmen und da war der Kontakt ganz anders.“ Jetzt muss Dollack ein halbes Jahr im Voraus ordern, bestimmte Mengen abnehmen und sich mit Reklamationen herumschlagen. Trotzdem betont sie: „Ich werde viele schöne Erinnerungen mitnehmen.“

Besonders den Kontakt mit den Kunden werde sie vermissen: „Meine Stammkunden waren schockiert, weil es dann in Hersbruck gar nichts mehr für Kinder gibt.“ Besonders Spaß habe ihr das Verkaufen und Beraten gemacht: „Mit der Zeit kriegt man raus, wie welche Teile ausfallen.“ Und was gerade so im Trend liegt. „Die Sachen für die Jungs wurden modischer und heute kauft man lieber Zwei-Teiler statt Strampler, weil man die länger anziehen kann.“

Überhaupt war Dollacks Rat bei Babygrößen stets sehr gefragt – egal ob Kleidung, Mützchen, Strümpfe oder Unterwäsche. Bei Letzterem fiel ihr auf, dass die Leute wegen spezieller Marken kamen: „Da wussten sie, dass das mehr Kinder tragen können, weil es so gute Qualität ist.“

Doch mit Verkaufen und Beraten war Dollacks Tag nie beendet. Daheim wartete die Büroarbeit. „Das ist mir jetzt schon langsam zu viel geworden“, gibt sie zu. Zeit für Freunde oder Hobbys hatte sie kaum. „Mir wird das Geschäft sicher fehlen, sobald hier Schluss ist.“ Aber dann freut sie sich, den Ruhestand gemeinsam mit ihrem Mann, der sie gerade beim Start ins Geschäftsleben sehr unterstützt hatte, zu genießen.

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