Firma Hörluchs

Auszubildende und Young Professionals leiten die Fachgeschäfte

Auch eine audiologische Fallbesprechung mit einem der Betreuer gehörte für die Azubis zum Rollentausch dazu. | Foto: Hörluchs2019/06/DSC_9437.jpeg

HERSBRUCK – Vom Lehrling zum Chef – in nur einem Tag: Diesen Sprung machten sechs Auszubildende der Firma Hörluchs im Rahmen eines Rollentauschs. Für vier Wochen übernahmen sie Verantwortung in den Fachgeschäften.

Da schauten die Kunden, als sie in den Filialen in Nürnberg, Lauf, Hersbruck und Hohenstadt von Jungspunden aus dem zweiten und dritten Lehrjahr sowie von Jungfachkräften bedient wurden.

„Die Idee kam in einer Betriebsleitersitzung auf. Es sollte eine Maßnahme gefunden werden, die vor allem das Verantwortungsbewusstsein, die Selbstständigkeit und die Kundenorientierung Auszubildender und junger Mitarbeiter schult“, erzählt Kathrin Deinhard von Hörluchs.

Was liegt da näher, als die Azubis in den Chefsessel zu setzen, dachten sich die Verantwortlichen. „Sie sollten lernen, was die Tätigkeit eines Betriebsleiters ausmacht und was es heißt, die Existenz eines Fachgeschäftes zu sichern.“ Also bekamen Timo Kliche, Afrodite Karagiaba, Florian Alzer, Julia Belik, Jenny Weigel und Alexander Zippel für vier Wochen eine Filiale übertragen – die eigentlichen Chefs standen ihnen aber jederzeit zur Seite.

Erschreckend schön

Schließlich wartete eine Fülle an Aufgaben: Einteilung der Mitarbeiter, Teamgespräche, Warenwirtschaft, Abrechnungen, Kostenvoranschläge, Unterlagen für Krankenkassen und Ärzte, audiologische Fallbesprechungen, Kundenbetreuung und Event-Management. „Es war etwas erschreckend, wie viel an Verantwortung ein Betriebsleiter hat“, beschreibt Florian Alzer, kaufmännische Fachkraft, seine Erfahrungen. Dennoch fand er es schön, „auch mal zu delegieren und die Führung zu übernehmen“.

Und genau das war das Ziel der Rollentausch-Aktion: „Die Azubis sollten an den neuen Aufgaben wachsen, ihr Fachwissen erweitern, Selbstvertrauen aufbauen, andere Blickwinkel kennenlernen“, erläutert Deinhard. Stress und Respekt waren dabei vorprogrammiert: „Anfangs war’s schon komisch Chefin zu sein. Man fühlt sich unsicher, ob man alles richtig und fachgerecht macht. Aber nur so konnte ich meine Schwächen und Stärken testen“, berichtet Hörakustik-Gesellin Julia Belik.

Gesellen ins Projekt

Alexander Zippel, Auszubildender im Fach Hörakustik, weiß jetzt, „warum es manchmal wichtig ist, sich an bestimmte Abläufe zu halten und nicht zu denken, das wäre nicht so wichtig“. Dass dieses Bewusstsein für die Bedürfnisse „der anderen Partei“ geschärft“ wurde, bestätigen auch Marina Pitterich und Carolyn Jünger, Fachgeschäftsleiterinnen in Nürnberg. Daher soll laut Deinhard das Projekt auch auf die Gesellen ausgeweitet werden.

Ob die dann auch so ein Lob bekommen? „Ich war und bin ich echt beeindruckt, was die Azubis alles in so kurzer Zeit fehlerfrei gewuppt haben“, sagt Alexander Wimar, Ladenleiter in Hersbruck.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch