Traditionsbetrieb musste nach 160 Jahren Insolvenz anmelden

Aus für die Bäckerei Schöllmann in Rückersdorf

Die Auslagen in der Bäckerei Schöllmann in der Rückersdorfer Schlossgasse bleiben seit Anfang der Woche leer. Nach 160 Jahren musste der Traditionsbetrieb Insolvenz anmelden. Foto: Chemnitz2014/07/85151_baeckereischoellmanngeschlossenrueckersdorf_New_1404484564.jpg

RÜCKERSDORF — Sie war eine echte Institution in Rückersdorf: die Bäckerei Schöllmann in der Schlossgasse 16. Nach rund 160 Jahren bleibt seit dieser Woche der Backofen kalt. Am 1. Juli hat der Traditionsbetrieb Insolvenz angemeldet.

160 Jahre lang holten sich die Rü­ckersdorfer ihr Brot, ihre Semmeln, Brezen oder Kuchen „beim Schöllmann“. Nun ist Schluss. Seit Anfang der Woche bleiben die Auslagen im Verkaufsraum leer, kein Duft nach frischem Brot dringt aus der Backstube, an der Tür verkündet ein einfaches handgeschriebenes Schild: „Ab sofort ist dieser Betrieb geschlossen“.

Für viele Rückersdorfer war diese Nachricht ein kleiner Schock. Die Bäckerei gehörte zum Ortsleben fest dazu. Schließlich holen dort viele schon seit der Kindheit jeden Tag ihre Frühstückssemmeln. „Einige Kunden standen bei mir vor der Tür und haben sogar geweint“, sagt Herbert Schöllmann, dem man anmerkt, dass auch er mit einer gehörigen Portion Wehmut in den Ruhestand geht.

55 Jahre lang stand der heute 65-Jährige mit in der Backstube. Das Handwerk hat in der Familie eine lange Tradition. Der Großvater hatte die Rückersdorfer Bäckerei einst gegründet und später an seinen Sohn übergeben. Vor 35 Jahren übernahm dann Enkel Herbert die Leitung.

Die Bäckerei war über die Grenzen Rückersdorfs hinaus bekannt für ihr frisches Brot, die guten Brezen und die hervorragenden Kuchen und Torten. Sogar vom „Feinschmecker“ wurde sie mehrere Male ausgezeichnet. Neben dem Geschäft in Rückersdorf belieferte Schöllmann zuletzt unter anderem den Dorfladen in Simonshofen und einige Gastronomiebetriebe. Vor zwei Jahren übernahm er die Bäckereifiliale am Hersbrucker Tor in Lauf.

Doch das Geschäft lief immer schlechter. Die großen Filialbäcker machten dem Einzelkämpfer Schöllmann Konkurrenz. Als dann sein Bruder, der sich um die Finanzen gekümmert hatte, gesundheitsbedingt aus dem Betrieb ausscheiden musste, suchte sich Schöllmann einen neuen Partner und gründete eine GmbH. Doch die Zusammenarbeit lief laut Schöllmann nicht gut. Irgendwann wurden die Löhne nicht mehr pünktlich gezahlt, die Schulden stiegen, bis es schließlich nicht mehr weiterging.

Als dann noch gesundheitliche Beschwerden bei dem Bäcker hinzukamen und einer der in die Jahre gekommenen Backöfen den Geist aufgab, musste Schöllmann endgültig das Handtuch werfen.

Nun stehen die zuletzt 18 Mitarbeiter der Bäckerei auf der Straße. Ein Punkt, der Schöllmann zu schaffen macht. Für sich selbst sei er irgendwie aber auch froh, dass es nun ein Ende hat. „Ich glaube, ich habe mir die Rente verdient“, zieht er sein Fazit. Nie sei er krank gewesen, Tag für Tag sei er um Mitternacht aufgestanden, damit die Bäckerei von Montag bis Samstag pünktlich um 5.30 Uhr öffnen konnte. 15-Stunden-Tage waren die Regel, geschlafen habe er dann am Nachmittag.

Einen Nachfolger für die Bäckerei gibt es nicht. Zwar ist der Sohn der Familientradition gefolgt und ebenfalls in die Bäckerbranche gegangen, doch er arbeitet in einem großen Betrieb in Haßfurt und will das Rü­ckersdorfer Geschäft nicht übernehmen.

Einmal mindestens will Herbert Schöllmann die Bäckerschürze aber auf jeden Fall noch anziehen, um die Holzofenbrote und Zwiebelkuchen für das Backofenfest vorzubereiten, das die Freiwillige Feuerwehr Rückersdorf am Samstag, 2. August, von 15 bis 20 Uhr wieder im Schmidtbauernhof veranstaltet.

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