Corona-Krise

Aus für den Hersbrucker Bastelladen

Ende Juni oder Ende Juli wird der Bastelladen „Colorful Dreams“ in der Prager Straße aufgrund der Corona-Krise endgültig schließen. | Foto: A. Pitsch2021/05/IMG-20210511-092238.jpg

HERSBRUCK – „Da wird es noch einige treffen“, ist Carola Ziegler-Kochanski überzeugt. Sie weiß, wovon sie spricht, muss sie schließlich ihren Bastelladen „Colorful Dreams“ im Sommer schließen.

„Eigentlich hatte ich mir mindestens zehn oder gar 15 Jahre vorgenommen“, erzählt sie. Im September hätte sie ihr Geschäft nun acht Jahre gehabt. Aber: „Da hat mir jemand einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Und dieser Jemand heißt Corona-Krise.

Das Problem: „Basteln ist ein Saisongeschäft“, erklärt Ziegler-Kochanski. Eigentlich hätte sie in den vergangenen vier Monaten das Geld für die nächsten vier Monate mitverdienen müssen – „aber ich hatte ja fast gar keine Einnahmen“. Denn neben der Laufkundschaft seien zudem die Touristen ausgeblieben. „Oh, da gibt es noch einen Bastelladen“, hätte sie immer wieder von Ausflüglern gehört, die zu ihr kamen. Diesen Rattenschwanz aus Folgen, wie sie es nennt, werden auch noch andere zu spüren bekommen, fürchtet sie.

Zu gut verdient

Denn auch die staatlichen Hilfen hätten nicht wirklich etwas gebracht: „Es war nicht das, was ich gebraucht hätte.“ Und dann kam auch noch Pech dazu, berichtet Ziegler-Kochanski: Im November und Dezember 2019 habe sie „eine ganz schlechte Phase gehabt“ finanziell. Der gleiche Zeitraum 2020 sei aber extrem gut gelaufen, weil sie wieder offen haben durfte „Da habe ich zu gut verdient, um Unterstützung zu erhalten.“

Für die Überbrückungshilfe III habe sie dann schon keinen Antrag mehr gestellt. „Das ist sehr kompliziert und hätte über den Steuerberater gemacht werden müssen, der ja ebenfalls Geld kostet.“ Und außerdem hatte sie bereits eine Ahnung, wo die Reise wohl hingehen werde.

Innerer Kampf

Auch wenn ihre „extrem kulante Vermieterin“ ihr sogar mit der Miete entgegengekommen sei: „Sie hat alles getan, damit ich bleiben kann“, sagt Ziegler-Kochanski voller Dankbarkeit. Unter anderem dieser Einsatz habe aber den inneren Kampf noch verschlimmert: „Ich dachte immer: Ich will nicht aufgeben, aber …“

Sie habe einfach nichts oder kaum etwas tun können, um ihre Situation zu verbessern. Die Stammkunden hätten dieses Bemühen um ihren Laden zu schätzen gewusst, aber die gesamte Lage habe sie letztlich „an meine seelische Belastbarkeit geführt“.

Vor einigen Wochen fiel die Entscheidung: Entweder Ende Juni oder Ende Juli wird es „Colorful Dreams“ in der Prager Straße so nicht mehr geben. Erleichterung brachte Ziegler-Kochanski der Schritt nicht: „Es ist immer noch total schwer.“ Sie hofft nun, dass in den kommenden Wochen in Sachen Verkauf etwas geht, „damit ich nicht alles mitnehmen muss“.

Mit dem Laden wird auch ihr Engagement beim Hersbrucker Altstadtfest wegfallen. „Das zweite Jahr hatte gut geklappt und ich hatte mich schon aufs dritte gefreut.“ Der Anklang habe ihr Auftrieb gegeben gehabt: „Wir wollten an die alten Jackson-Zeiten anknüpfen.“ Das werde auch aufgrund des Gesundheitszustands des Musikers nicht mehr funktionieren.

Qual mit Erfolg

Ganz verschwinden wird Ziegler-Kochanski aus dem Hersbrucker Geschäftsleben aber nicht. Ihr Online-Shop werde bestehen bleiben. „Mit dem habe ich mich jetzt ein Jahr rumgequält“, meint sie schmunzelnd. Anfangs seien die Kunden zögerlich gewesen, nun werde das Angebot aber verstärkt genutzt. „Viele bestellen und holen es dann am Geschäft ab, aber damit verdiene ich kaum etwas.“

Das sieht anders aus, wenn die Miete wegfalle. Ziegler-Kochanski wird nun daheim Platz schaffen und feste Zeitfenster zur Abholung bei ihr anbieten. „Ich wohne ja nicht weit von meinem derzeitigen Laden weg.“ Auch die „Bastelgeschichten für meine Kunden“ wolle sie weiter im Sortiment behalten. „Die kann man dann per Mail oder über den Shop buchen.“

Ist der Gedanke eines eigenen Geschäfts damit endgültig passé? „Nein, aber nicht in fremden Räumlichkeiten.“ Eine Miete bedeute Zusatzkosten. „Das habe ich in der Anfangszeit unterschätzt“, gibt Carola Ziegler-Kochanski unumwunden zu. Sollte man aber das heimische Erdgeschoss in ein Ladengeschäft umwandeln können, dann sei auch ein richtiger Bastelladen wieder denkbar.

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