Kundgebung zum 1. Mai

Als Autor bei der Mörtel-Gewerkschaft

Zwischen Christian Nürnberger (links) und Thomas Beyer Ex-Maurer Eduard Beck. Foto: S. Will2013/05/5_2_1_2_20130503_SPD.jpg

HENFENFELD (sw) – Der 1. Mai gehört den Gewerkschaften. Gute Arbeit, sichere Rente, soziales Europa, unter diesem Motto lud die IG BAU nach Henfenfeld. Hauptredner war der Publizist Christian Nürnberger. Seine Feuertaufe: Er eröffnete damit im Raum Hersbruck seinen Wahlkampf für seine SPD-Bundestagskandidatur.

Rote Polit-Prominente wie Alt-Bürgermeister Wolfgang Plattmeier ergatterten gerade noch einen Platz in der vollen Awo-Begegnungsstätte. Vorne saßen die, die es betrifft: breitschultrige Männer mit vom Wetter gegerbten Gesichtern, wie Eduard Beck. Der war früher Maurer, lange Betriebsrat und ist seit 1971 in der Gewerkschaft. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Rente 67 – Arbeit kann tödlich sein“. An Arbeiter wie ihn richtete sich SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Beyer. In einer packenden Rede setzte er beklatschte Marken: gesetzlicher Mindestlohn, sichere Rente, Altersarmut. Und den Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, man müsse ältere Arbeitskräfte mit 67 eben vom Bau ins Büro stecken, kommentierte er so: „In welcher Welt lebt sie? In einem mittelständischen Dachdeckerunternehmen sollen dann die drei Angestellten vor einen Computer und die Arbeit verwalten, die keiner mehr machen kann?“ Beifall, zustimmendes Jawoll, ein neues Bier.

Ob Nürnberger, der Autor, der Neue in der Politik, der Denker, ob der da anschließen konnte? Ja, konnte er. Leiser und umfangreicher. Mit Stallgeruch konnte er auch die Breitschultrigen auf sich konzentrieren. Denn seit vier Monaten ist er IG BAU-Mitglied, obwohl er schreibt und nicht mörtelt.

Nürnbergers Kernsatz: Er sei ein Glückskind der Weltgeschichte. Ihm sei es vergönnt, ein Menschenleben lang in einem Ausnahmezustand zu leben – nämlich ohne Krieg, Not, Gewalt, Inflation und Barbarei. 65 Jahre Frieden, rund 50 Jahre Wohlstand, Freiheit, soziale Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, Beteiligung an politischen Entscheidungen und die Emanzipation der Frau – Faktoren, die – so Nürnberger – ohne den Kampf der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten so nicht möglich gewesen wären. Stark durch Gemeinschaft, ein Umstand, den Nürnberger angesichts der vielen Jüngeren, in deren Bewusstsein das überhaupt nicht verankert sei, gefährdet sieht. „Deshalb besteht die Gefahr, dass vieles von dem, was erkämpft wurde, wieder verloren geht. Und etliches ist ja bereits verloren gegangen.“

Es folgten Kapitalismus-Schelte („Im Tanker Deutschland sitzen die Finanzmärkte am Ruder“), Bildungs-Kritik („Kindern und Jugendlichen werden jene marktgängigen Fähigkeiten antrainiert, die sie brauchen, um als Soldaten im Krieg um Marktanteile bestehen zu können“) oder ein Hoeneß-Kommentar („Dieses Hoeneß-Patriarchat erscheint auf den ersten Blick ganz sympathisch. Aber wenn die sozialen Wohltaten, mit denen mancher Firmenpatriarch gern prunkt, damit erkauft werden, dass er das Geld dafür durch hinterzogene Steuern wieder hereinholt, dann ist es mir lieber, wenn er ehrlich seine Steuern zahlt und auf soziale Wohltaten verzichtet.“) Viel Beifall für Nürnberger – Feuertaufe bestanden.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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