Ein Blick nach Rummelsberg

Wie erleichtert man Menschen mit Behinderung die Kommunikation?

Menschen mit Behinderung fällt es nicht immer leicht, ihre Bedürfnisse zu äußern. Dafür können zum Beispiel auch Karten dienen. (Symbolbild) | Foto: WavebreakMediaMicro2022/08/AdobeStock_288149498-scaled.jpeg

ALTDORF – Die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation 18 plus hilft Bewohnern und Mitarbeitenden der Rummelsberger Behindertenhilfe dabei, verständlich miteinander zu kommunizieren.

Menschen, die sich nicht oder nur wenig lautsprachlich äußern können, drücken sich anders aus. Sie kommunizieren durch Hand-Bewegungen, mit Mimik und Gesten oder mithilfe von Fotos. Auch Bilder, Symbole und Technik können ihnen dabei helfen, gut verstanden zu werden. Das sind zum Beispiel Bildkarten, Computer oder Handys.

Diese Angebote sind Teil der Unterstützten Kommunikation. Seit acht Jahren gibt es die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation (UK) 18 plus der Rummelsberger Diakonie in Altdorf. Das Team kümmert sich um die Anliegen erwachsener Menschen, die von Mitarbeitern der Rummelsberger Behindertenhilfe begleitet und unterstützt werden. Denn von aktuell 1200 Menschen mit Behinderung, die bei dem sozialen Träger wohnen, äußern sich 40 Prozent der Menschen nicht oder nur wenig lautsprachlich. In Sachen Kommunikation bedeutet das eine große Herausforderung.

Das Team der Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation 18 plus (von links): Anna-Lena Deeg, Anja Pudelko und Ulrike Rothlehner. Foto: Stefan Eisele
Das Team der Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation 18 plus (von links): Anna-Lena Deeg, Anja Pudelko und Ulrike Rothlehner. / Foto: Stefan Eisele

Dabei sind die Bedarfe sehr vielfältig, das Ziel ist aber gleich: „Wir unterstützen die Bewohner und Mitarbeiter dabei, das Zusammenleben und das Verständnis füreinander zu verbessern und so die Selbstwirksamkeit des Einzelnen zu stärken“, informiert Leiterin Anja Pudelko. Neben Ergotherapeutin und Kommunikationspädagogin Pudelko gehören Heilpädagogin Anna-Lena Deeg und Heilerziehungspflegerin Ulrike Rothlehner zum Team. Beide haben gerade ihre Weiterbildungen zum UK-Coach abgeschlossen.“Unsere Hauptaufgabe ist es, die Mitarbeitenden in der Unterstützung einer gelingenden Kommunikation anzuleiten“, erklärt Pudelko.

Erst Diagnostik, dann Förderung

Um die Menschen gut fördern zu können, führen die UK-Expertinnen beim ersten Treffen eine Diagnostik durch. „Wir ermitteln dann, welche Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen haben und überlegen, wie diese Kommunikationsmöglichkeiten unterstützt werden können“, erklärt Rothlehner. Denn in der Regel kommen die Mitarbeiter mit Klienten, bei denen die Kommunikation hakt. Zum Beispiel Klaus Werner (Name geändert), der in einer Gärtnerei arbeitet und fit genug ist, Kollegen anzuleiten. Allerdings wird er von den Kollegen nicht verstanden.

„In der UK-Beratung wurde besprochen, dass Klaus eine Sammlung an Symbolen bekommt, die er immer bei sich hat. Diese zeigen, was er benötigt, beziehungsweise was er von andern möchte, zum Beispiel Blumen gießen und Erde holen“, erklärt sie. Das kann aber auch sein, dass ein Bewohner plötzlich kein Marmeladenbrot mehr zum Frühstück möchte, und die Kollegen über die Auswahlmöglichkeit mit Symbolen herausfinden, dass er lieber Müsli mag.

Probleme erkennen

Auch Klienten mit herausforderndem Verhalten können in der UK-Beratung Unterstützung bekommen. So zum Beispiel ein junger Mann mit einer Autismus-Spektrum-Störung, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln selbstständig in eine nahe liegende Werkstatt zur Arbeit fahren durfte. Doch mit der Zeit kam es morgens zunehmend zu Problemen. Der junge Mann wollte den Wohnbereich nicht verlassen und warf sich auf den Boden.

„In der UK-Beratung haben wir dann herausgefunden, dass er mit der Zugfahrt überfordert ist“, erklärt Anna-Lena Deeg. Nachdem das Verhalten verstanden war, haben sie dem Klienten angeboten, in die Förderstätte Vorort zu wechseln, und seitdem geht der junge Mann morgens gerne in die Arbeit.

Bei der Diagnostik hilft den UK-Expertinnen, dass sie verschiedene Methoden und Ansätze einsetzen können, denn durch ihre Schulungen und Weiterbildungen vereinen die drei Kollegen viel Wissen im Bereich der UK und der Diagnostik. Welche Klienten beim UK Team angemeldet werden, entscheiden die Kollegen in den Einrichtungen und Diensten häufig in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst. „Am besten ist, wenn wir eine E-Mail erhalten, in der der Klient kurz vorgestellt und die Situation beschrieben wird“, erklärt Ulrike Rothlehner. Dann melden sich die Kollegen des UK-Teams mit einem Terminvorschlag. Kontakt per Mail: [email protected] db

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