Moosbacherin schildert skurrile Fälle auf ihrem Grundstück

Was tun, wenn’s klingelt?

Höfliches Betteln ist nicht strafbar. Laminierte Zettel aber deutet die Polizei als Indiz für organisierte Strukturen. | Foto: blende11.photo/stock.adobe.com2021/12/Nuernberger-Land-Betteln-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Im Landkreis häufen sich derzeit Beschwerden über Bettler, die von Haus zu Haus ziehen. Was ihre Maschen sind und ob das überhaupt erlaubt ist, erklärt die Polizei.

Es klingelt an der Haustür. Die Moosbacherin Simone Zettel öffnet und ein Mann steht davor. Er fragt sie in gebrochenem Deutsch nach Geld. Sie schickt ihn weg, „für mich spendet ja auch niemand“, erklärt sie ihm. Seit Ende September trete das bei ihr vermehrt auf: „An manchen Tagen hat es vier- bis fünfmal geläutet.“ Im Herbst spitzt sich die Situation zu. „Ich bin irgendwann nach Hause gekommen und mein ganzer Hof war vom Laub befreit“, erklärt sie. Ihr erster Gedanke war, dass ihr Freund geräumt hat – Fehlanzeige. Auch die Nachbarn hatten nichts mit der vermeintlichen Wohltat zu tun. Es handelt sich um ein eingezäuntes, aber nicht abgesperrtes Grundstück.

Einige Zeit später ein weiterer mysteriöser Zwischenfall: „Ich komme nach Hause und der Schnee in meiner Einfahrt ist geschippt“, erzählt sie. Wieder will es weder Freund noch Nachbar gewesen sein. Kurze Zeit später klingelt es an der Tür. Ein junger Mann gibt sich als Laubentferner zu erkennen und verlangt 50 Euro für seine getane Arbeit. „Ich habe ihn zum Teufel gejagt“, erzählt die Bewohnerin. Eine Stunde später klingelt dann ein älterer Herr und erklärt Simone Zettel, dass sie ihm 50 Euro schulde. „Ich hab auch ihn verjagt, weil ich keinen Auftrag gegeben habe.

Organisiertes Vorgehen?

Zettel will beobachtet haben, dass es sich um vier Männer und Frauen handelte, weswegen sie von organisiertem Vorgehen ausgeht. Die Polizei hat sie nicht informiert, auch wenn sie schon von vielen Seiten gehört hat, dass das ratsam wäre. „Ich bin nicht überängstlich und außerdem habe ich einen Schäferhund für den Fall“, sagt Zettel. Als aggressiv würde sie das Verhalten der Bettler nicht bezeichnen, eher als penetrant. „Es ist ja auch ein fremdes und eingezäuntes Grundstück, also begehen sie eigentlich Hausfriedensbruch.“ Dass Bettler gerade vermehrt auftreten, ist für sie abhängig von der Jahreszeit: „Es ist gerade zur Weihnachtszeit eine Landplage.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Von einer derartigen Masche hat Reimund Mihatsch, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Altdorf, bislang noch nicht gehört – trotzdem kennt er das Problem. „Betteln als solches ist eine Art der Kommunikation und dadurch in erster Linie nichts Anstößiges“, erklärt er. Es komme jedoch auf die Art und Weise an. „Es gibt Betteln aus Gründen, wie zum Beispiel Hunger, das anständig kommuniziert wird, aber auch aggressives und organisiertes Betteln“, sagt Mihatsch. Aggressives Verhalten lässt sich durch Druck oder Nachdruck, den ein Bettelnder auf eine Person ausübt, beschreiben. Die organisierte Form wiederum könne man oftmals anhand einer ganz bestimmten Masche erkennen: „Erfahrungsgemäß sind organisierte Bettler meistens mit in Tesafilm eingeschweißten Zetteln unterwegs.“ Mit diesem Muster werde die Polizei auch am öftesten konfrontiert.

Betteln ist keine Straftat

Weil es sich beim Betteln in erster Linie nicht um eine Straftat handelt, ist der Handlungsspielraum der Polizei begrenzt. Wenn sie von einem Bürger informiert wird, versucht die zuständige Streife, die Person anzutreffen, um die Personalien und die Identität zu prüfen. Außerdem werde die Person registriert, damit Verhaltensweisen, Muster, Personen oder Personengruppen recherchierbar sind. „Sofern bei der Überprüfung kein Haftbefehl oder Ähnliches vorliegt, bleibt es meistens bei einem Platzverweis“, erklärt der Dienststellenleiter. Einzig bei erneutem Verstoß gegen diese Belehrung und den Platzverweis, bei Hausfriedensbruch oder bei Nötigung könne die Polizei weitere Schritte einleiten. „Wir müssen bei jedem Einzelfall prüfen, ob das Verhalten sozial adäquat ist“, führt er weiter aus.

Eine Aufgabe der ehrenamtlichen Sicherheitswacht, wie sie seit kurzem in Feucht existiert (wir berichteten), ist dieses Problem übrigens nicht. In solchen Fällen fungiere die Sicherheitswacht als „Notrufsäule auf Beinen“ und informiert die Polizei telefonisch oder über Funk. Mihatsch rät der Bevölkerung, sich bei Belästigung durch Bettler direkt an die Altdorfer Polizeidienststelle zu wenden. Übermäßig viele Fälle registrieren seine Kollegen und er in der Region übrigens nicht. Doch „es kommt wellenmäßig vor“, sagt der Polizei-Chef, „vermehrt vor Weihnachten“.

 

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren