Feuchter Tattoostudio trotzt Corona

Von Impfungen und anderen Nadeln

Trotz aller Beschränkungen und Erschwernisse ein Lächeln im Gesicht. Michael Stolze und Daniela Grießhammer freuen sich, bald wieder Kunden in ihrem neuen Studio begrüßen zu dürfen. | Foto: Johannes Gurguta2021/05/Feucht-NEU-Ganz-Tattoostudio-Stolze-Tattoos.jpg

FEUCHT – Bayern ist das einzige Bundesland, in dem Tattoostudios monatelang nicht aufmachen durften. Das betrifft auch Stolze Tattoos aus Feucht, die eigentlich Anfang Mai ihre neuen Räumlichkeiten mit Starpower der österreichischen Band Seiler und Speer eröffnen wollten.

Kein Staubkorn ist zu sehen, alles ist ordentlich aufgeräumt und ein Hauch Desinfektionsmittel liegt in der Luft. Trotzdem surrt im familiär betriebenen Tattoostudio Stolze Tattoos in der Feuchter Hauptstraße keine Tätowiermaschine. Seit Monaten nicht. „Wir konnten seit Anfang November nur drei Tage öffnen“, erklärt Tätowierer Michael Stolze, der mit seiner Lebensgefährtin Daniela Grießhammer das Studio leitet. Seit 35 Jahren führt er deutschlandweit die Nadel, aber eine solche Situation habe er noch nie erlebt. „Wir sind einfach machtlos und verwirrt von den Regelungen“, erzählt der 51-Jährige. Während in anderen Bundesländern die Tattoostudios schon seit längerem wieder öffnen durften, geht Bayern einen Sonderweg.

Andere körpernahe Dienstleistungen haben auch sehr lange auf Lockerungen warten müssen. Am 1. März durften Friseure unter Auflagen öffnen, Kosmetik- und Nagelstudios zogen bald nach. „Nur die Tätowierer wurden einfach wieder vergessen“, erklärt Daniela Grießhammer, die das Studio mitleitet und für Piercings zuständig ist. Das entkräfte auch das Argument vieler, dass Tattoos während der Pandemie nicht zwingend notwendig sind, weil kosmetische Dienste wie Permanent Make-up oder Maniküre bei den Öffnungen berücksichtigt worden seien. Diese Ungleichbehandlung ihres Handwerks können sie sich einfach nicht erklären.

Anfang Mai kam dann ein erster Lichtblick: die inzidenzabhängigen Lockerungen. Dabei dürfen Studios, ähnlich wie bei der Gastronomie, nach einem fünftägigen Inzidenzwert unter 100 die Pforten öffnen. Sobald dieser Schwellenwert wieder überschritten wird, geht es zurück zum Status quo. Deswegen habe man in den vergangenen Wochen nur drei Tage arbeiten können, dann musste wieder geschlossen werden. „Dieses Hin und Her ist doch keine anständige Perspektive“, sagt Stolze.

Eröffnung mit prominenten Gästen

Von den November- und Dezemberhilfen seien nur bruchteilhafte Abschläge angekommen. Für die restlichen Kosten seien fast die gesamten Ersparnisse dahingeflossen. „Wir sind während der Schließung in neue Räume umgezogen und haben 15 000 Euro hereingesteckt, um alles zu renovieren und schön zu machen“, sagt Stolze. Er ist stolz auf sein neues Studio, er würde es nur gerne nutzen dürfen. Zum 1. Mai sei eine große Eröffnungsparty geplant gewesen, mit Bekannten und Freunden, wie den österreichischen Musikern Seiler und Speer.

Das war jedoch wegen Corona nicht möglich. Das Pärchen hat die Band nicht nur auf einige Konzerte begleitet, sondern ihnen auch ganz persönlich, hinter der Bühne Tattoos zur Tour 2019 gestochen. Diese sind auch auf der Facebook-Seite zu sehen. Ob die Eröffnungsfeier mit Konzert nachgeholt wird, sei noch nicht ganz sicher. „Ich kann nicht verstehen, dass wir Tätowierer so hingehalten werden, obwohl wir auch ohne Corona die strengsten Hygieneregeln unter allen körpernahen Dienstleistungen haben!“ Die meisten Hilfsmittel, die sie zum Tätowieren und Piercen verwenden, seien ohnehin Einweg, und die Instrumente sind zu jeder Zeit steril eingeschweißt gelagert.

Erst die Impf-, dann die Tattoonadel

Auch in Zukunft will Stolze die strikte Hygiene ernst nehmen und darauf achten, dass Kunden nur mit negativem Test und Maske Termine wahrnehmen. Außerdem vertraue er darauf, dass sich niemand mit Krankheitssymptomen stechen lässt. „Ich trage ja die Verantwortung, für uns und für die Kunden“, erklärt er. Zusätzlich sei für Stolze und seine Lebensgefährtin Transparenz essentiell.

Im Laden liegen Hygieneplan, Gewerbeschein, Überprüfung der Sterilisation der Gerätschaften und die AGBs öffentlich aus. Außerdem werden akribisch Listen zur Kontaktnachverfolgung geführt.
Viele Branchenkollegen hätten während der Schließung Schwarzarbeit betrieben, um zumindest ein bisschen Geld zu verdienen. „Das kam und kommt auch in Zukunft bei uns natürlich nicht in Frage“, versichert Stolze. Das ist nicht nur aus steuerrechtlichen und versicherungstechnischen Gründen ein Problem, sondern vor allem aus Sicht des Infektionsschutzes. Kontrollen und Kontaktnachverfolgung lassen sich in privaten Wohnzimmern nicht garantieren.

Zurzeit sinken die Inzidenzen im Landkreis und die beiden planen eine Öffnung in der nächsten Woche.Wir nehmen schon Termine für Tattoos an und zum Piercen kann man sowieso einfach vorbeikommen“, erklärt Grießhammer. Das Paar wünscht sich trotzdem inzidenzunabhängige Öffnungen. „Es ist doch viel sicherer, wenn wir einen Impfpass und einen Negativtest von unseren Gästen erwarten.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren