Rascher Bauvorhaben ist „einzigartiges Pilotprojekt“

Vollverziegelt

Hans-Günther Schwarz plant ein Haus, das rundum aus Ziegeln besteht. | Foto: Architekturbüro Schwarz2021/10/Altdorf-Architekt-Hans-Guenther-Schwarz.jpg

ALTDORF – Der Altdorfer Architekt Hans-Günther Schwarz plant in Rasch ein 60 Quadratmeter kleines Öko-Musterhaus. Das massive Ziegelgebäude soll ohne Anschluss ans öffentliche Stromnetz und ohne Heizung auskommen. Im Stadtrat ist es dennoch umstritten.

Ein Geschoss, 3,5 Meter vom Boden bis zum Giebel, 60 Quadratmeter Wohnfläche: Das sind die Abmessungen des Häuschens, das Hans-Günther Schwarz am Roten Baum in Rasch realisieren möchte. Was diese Zahlen nicht verraten, sind die Eigenschaften des Modellprojekts: barrierefrei, energieautark und keinerlei CO2-Ausstoß. In Schwarz‘ Plänen überzieht eine Photovoltaikanlage das gesamte, 25 Grad steile Satteldach und sorgt für ausreichend Strom. Zwischenspeichern will er diesen in einem Elektroauto sowie in einem kleinen Batteriespeicher.

In Deutschland ist das Nutzen eines E-Autos als Speicher zwar nicht verboten, aber nur dann möglich, wenn kein Anschluss ans öffentliche Netz besteht. Darum plant Schwarz einen solchen gar nicht erst ein. „Es ist noch nicht berechnet und nicht simuliert, aber mit dem Speicher im Haus wird das ausreichen“, ist sich Schwarz sicher. Und sollte doch mal ein sehr, sehr strenger Winter kommen, könne man mit dem E-Auto ja zur nächsten Stromtankstelle fahren und ein wenig Energie nach Hause holen. Große Verbraucher wird es in seinem Haus nicht geben, Schwarz spricht von einem Low-Tech-House. Moderne, technische Elemente sind allein die PV-Anlage auf dem Dach, das E-Auto, die Batterie im Haus und eine kleine Steuereinheit. Was diese steuert, will Schwarz jedoch noch nicht verraten.

„Die Heizung, die bin ich selbst“

Kein Platz ist in dem Modellversuch für Lüftungsanlage, Wärmepumpe und Co. Und auch nicht für einen Kachelofen. „Die Heizung, die bin ich selbst“, meint Schwarz und zählt schmunzelnd noch den Herd in der Küche und die Lampen an der Decke als weitere Wärmequellen auf. Trotz des Verzichts auf eine Heizung ist er überzeugt, dass die Innentemperatur im Winter nicht unter 22 Grad sinken und im Sommer 26 Grad nicht übersteigen wird.

Bewerkstelligen soll das die spezielle Bauweise. Boden, Wände und Dach sind 75 Zentimeter stark und bestehen aus Ziegeln, gefüllt mit Holzfasern. Ein Ganzziegel-Speicherhaus nennt Schwarz sein Vorhaben, „so etwas gibt es in Deutschland noch nicht“. Durch dieses massive Mauerwerk verspricht sich Schwarz nicht nur herausragende Dämmwerte, sondern auch eine hohe Wärmespeicherfähigkeit, die für mehr Behaglichkeit sorgen soll als beispielsweise ein Holzhaus.

Verglichen mit einem herkömmlichen Wohnhaus rechnet Schwarz damit, dass sein Modellvorhaben aufgrund der Menge des Baumaterials und der hochpreisigen Fenster „sicherlich ein Stück teurer“ sein wird. Auf lange Sicht aber lässt das Haus erhebliche Einsparungen bei den Energiekosten erwarten. Schwarz möchte mit dem Haus, in dem er übrigens selbst leben will, das Bauen der Zukunft demonstrieren und untersuchen. „Vielleicht wird man als Antwort auf den Klimawandel bald nur noch so bauen?“, meint er und möchte das Haus nach Fertigstellung auch für Besucher öffnen.

Pilotprojekt versus Öko-Anstrich

Schwarz‘ Idee war auch Thema der jüngsten Stadtratssitzung. Denn bevor das Häuschen gebaut werden kann, muss die Stadt erst einmal ihren geltenden Bebauungsplan ändern. Margit Kiessling (Grüne) sprach zwar von einem „in Deutschland einzigartigen Pilotprojekt“ und Thomas Dietz (FW/UNA) nannte das Haus ein „charmantes und wegweisendes Modellvorhaben“. Dr. Bernd Eckstein (CSU) hingegen sieht durch den Bau das Ortsbild des Rascher Südhangs bedroht und Nachbarn benachteiligt, die in der Vergangenheit hier gebaut und sich an alle Auflagen gehalten haben. „Man muss auf dem Dorf nicht nachverdichten. Auch wenn Nachverdichtung gerade en vogue ist“, meinte er und qualifizierte Schwarz‘ Ideen als „ökologischen Anstrich“ ab.

Ecksteins Meinung nach liegt bereits ein ausgereifter Bebauungsplan vor und das Haus passe eben nicht hinein. Punkt. „Mit dieser Argumentation dürften wir nirgends an einen Bebauungsplan langen“, konterte Dietz. Seine Fraktion und er hätten sich zudem in der Nachbarschaft umgehört. Dort habe niemand etwas an dem Häuschen auszusetzen.
Mit 13:8 Stimmen beschloss der Stadtrat schließlich, den Bebauungsplan zu ändern und den Weg für das 60-Quadratmeter-Haus zu ebnen. Schwarz rechnet damit, dass dies etwa ein Jahr dauern wird. Die Zeit will er nutzen, die Werk- und Detailplanung voranzubringen. Geht alles glatt, könnte der Bau seiner Einschätzung nach im Frühjahr 2023 beginne.

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