Amtsgericht Hersbruck

Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung

Nach einer Schlägerei in Altdorf stand ein 21-Jähriger vor Gericht. | Foto: olly - stock.adobe.com2019/08/AdobeStock_92351991.jpeg

HERSBRUCK – Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich ein 21-jähriger Altdorfer vor dem Hersbrucker Amtsgericht verantworten. Der Mann soll eine Frau eine Treppe hinuntergeschubst und ihren Sohn verprügelt haben. Oder doch nicht?

Auf einmal flogen die Fäuste: Geplant war eigentlich ein gemütlicher Kneipenabend, doch am Ende gab es Verletzte. Aber wer wen geschlagen hat, bleibt unklar.

Der Staatsanwalt legt dem Angeklagten jedenfalls zur Last, dass er seinen Widersacher gemeinsam mit zwei weiteren jungen Männern mehrfach mit der Faust geschlagen haben soll. Als die Mutter des Opfers einschreiten wollte, soll er sie eine Treppe hinuntergeworfen haben.

Keine Schläge, kein Stoß

Eine Rangelei habe er an diesem Abend mitbekommen, sagt der Beschuldigte aus, zu der er auch laute verbale Auseinandersetzungen zählt. Dass jedoch jemand geschlagen wurde, habe er nicht gesehen. Auch nicht, dass eine Frau die Treppe hinuntergestoßen wurde. Selbst wenn, sei er es nicht gewesen.

Das Opfer hat im Zeugenstand keine sonderlich große Lust auszusagen: „Ich habe meine Aussage schon bei der Polizei abgegeben“, grummelt der 17-Jährige. Auf Nachfragen verrät er Richter Waldemar Müller, dass er nur kurz da gewesen sei und „dann stürmen vier Leute hinter mir her“. Wie es dazu gekommen sei? Der Teenager berichtet von der Vorgeschichte: Zwei Wochen vor dem Vorfall in der Kneipe war er es, der ausgeteilt hatte. Er habe den Angeklagten geschlagen, weil dieser eine Frau belästigt haben soll oder zumindest an der Belästigung beteiligt gewesen sein soll.

Vor der Kneipe in Altdorf habe er dann die Retourkutsche bekommen, nach ein paar Schlägen vor der Tür habe er wieder in den Wirtshauskeller rennen wollen. Auf der Treppe habe sich dann seine Mutter eingemischt, woraufhin sie jemand die Treppe hinuntergezogen habe. Wer das war, könne er nicht sagen, der Angeklagte sei es jedenfalls nicht gewesen.

Das bestätigt auch die Mutter des Opfers, die an besagtem Abend ebenfalls in der Kneipe war. Sie habe aus dem Augenwinkel gesehen, wie drei Leute aufsprangen und hinausstürmten. Als ihr Sohn wieder hereinkam, habe er gesagt: „Mama, die wollen mich verprügeln!“, woraufhin sie sich ins Gerangel gemischt habe. Fäuste habe sie keine fliegen sehen, auch sei sie vom Angeklagten zwar angeschrien, aber nicht die Treppe hinuntergeschubst worden.

Nur Geschrei

Ähnlich schwammig geben sich auch die weiteren Zeugen: Die Begleiterin der Mutter sagt aus, dass der Beschuldigte „sehr aggressiv“ gewesen sei und sie Geschrei mitbekommen habe, Schläge aber nicht. Ein weiterer Beteiligter bestätigt das. Der letzte Zeuge will sogar fünf Angreifer gesehen haben. Ob jedoch der Angeklagte, der in der Gruppe stand, selbst zugeschlagen hat, kann auch er nicht sagen.

Dem Staatsanwalt reichen die Angaben der Opfer, um eine Verurteilung zu beantragen. Eine Woche Dauerarrest soll es sein, schließlich habe der Geschädigte mehrere Schläge kassiert und Schmerzen gehabt. Seine Mutter hatte sich darüber hinaus am Finger verletzt, als sie auf der Treppe schlichten wollte.

Der Verteidiger plädiert dagegen auf Freispruch. Zu wacklig sind ihm die Aussagen der Zeugen, die sich nicht einig waren, wie viele Leute denn nun wirklich an dem Gerangel beteiligt waren. Für ihn habe sich bestätigt, dass sein nicht vorbestrafter Mandant nicht zugeschlagen, sondern nur herumgeschrien habe, was keine Straftat sei.

Richter Waldemar Müller teilt diese Ansicht und spricht den Angeklagten frei. Er könne nicht wissen, was tatsächlich passiert ist, außerdem seien laut Zeugen mal einer, mal drei bis vier und schließlich fünf Leute im Gerangel dabei gewesen, so dass sich die Schuld des Angeklagten unmöglich nachweisen lasse.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki