Amtsgericht Hersbruck

Vater und Sohn in heftigem Streit

So zivilisiert wie auf dem Symbolbild gingen die Streitereien des Angeklagten mit seinem Vater nicht zu. | Foto: K.- P. Adler - stock.adobe.com2019/07/AdobeStock_25068255.jpeg

HERSBRUCK – Wegen Bedrohung musste sich ein 22-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Das letzte scharfe Wort hatte jedoch der Richter.

Viel schlimmer könnte es für Franz Kugler (Name geändert) eigentlich nicht mehr kommen. Denn als er den Gerichtssaal betritt, trägt er bereits Handschellen. „Die bleiben dran, weil er beim letzten Mal schon ein Klo kaputt gemacht hat“, meint Richter André Gläßl noch vor der Verhandlung.

Im vergangenen November soll der junge Mann seinen Adoptivvater bedroht haben. Dieser hatte mitten in der Nacht bei der Polizei Anzeige gegen seinen Sohn erstatten wollen, weil der zu wild im Haus gefeiert haben soll. Während die Beamten den Fall aufgenommen hatten, telefonierte er mit Franz Kugler über den Lautsprecher seines Handys. Dabei soll der Angeklagte „Ich erschlage dich“ zu seinem Vater gesagt haben, auch hörbar für die Polizei.

Keine Aussage

Diesen Satz räumt der Angeklagte zwar nicht ein, schließt ihn aber auch nicht explizit aus. Das Verhältnis zu seinem Adoptivvater sei sehr angespannt: „Er ruft mich öfter nachts an, bedroht und beleidigt mich.“

Der Polizist, der die Drohung gehört haben soll, sagt aus, dass es in der Familie schon länger drunter und drüber geht. Immer wieder sollen sich Vater und Sohn in der Vergangenheit gestritten haben, wer sich in dem Anwesen in der Türkenbundstraße aufhalten dürfe. Dabei gingen etwa Briefkästen zu Bruch, regelmäßig komme es zu gegenseitigen Anzeigen. So auch in besagter Novembernacht, als der Vater um 3.50 Uhr morgens in die Dienststelle gekommen sei und sich kaum beruhigen lassen habe. „Auffällig aufbrausend“ sei der Mann laut dem Beamten schon immer gewesen, zudem seien wohl erste Zeichen von Demenz bei ihm bekannt, so dass Richter Gläßl zweifelt, ob eine Vernehmung überhaupt Sinn macht.

Der Vorsitzende entscheidet sich dafür, sieht den Prozess jedoch kurze Zeit später unerwünscht abdriften: Anfangs erzählt der Vater, dass er Franz Kugler lediglich gebeten habe, samt seiner Freunde das Haus in der Türkenbundstraße zu verlassen. Die Begleiter des 22-Jährigen hätten dort Drogen konsumiert und seien nicht erwünscht gewesen. In der Folge entwickelt sich im Saal ein heftiges Streitgespräch zwischen Elternteil und Kind, das immer weiter von der eigentlichen Anklage wegführt. „Weißt du, dass das Haus nicht dir gehört?“ wirft der Sohn dem Vater und „Ich zahle mit meinen Steuern deine Krankenversicherung“, der Vater dem Sohn an den Kopf.

Erwachsen vor Gericht

Kopfschüttelnd entlässt Gläßl den Vater mangels verwertbarer Aussage aus dem Zeugenstand und stellt das Verfahren ein. Franz Kugler sitzt ohnehin schon im Gefängnis, verbüßt seine letzte Jugendstrafe. Für ihn gilt fortan das Erwachsenenstrafrecht, Gläßls Metier. Der Richter mahnt ihn mit Blick auf dessen kriminelle Karriere: „Mit mir werden Sie keine Freude haben.“

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki