Aufklärung am Schwarzenbrucker Plärrer

„Unvorstellbare Gräueltaten“

Am Freitag machten große Banner am Schwarzenbrucker Plärrer auf die Menschenrechtsverletzungen an Falun Gong-Praktizierenden aufmerksam. | Foto: Daniel Frasch2021/03/Schwarzenbruck-Falun-Gong-Infostand-scaled.jpg

SCHWARZENBRUCK – Bis heute begeht die kommunistische Partei Chinas Folter, Mord und Organraub an Anhängern der Falun Gong-Bewegung. Um auf die Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, versammeln sich Praktizierende am Schwarzenbrucker Plärrer und informieren.

Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht: Das sind die drei Prinzipien, auf denen Falun Gong (oder auch Falun Dafa) basiert. „Eine Mischung aus buddhistischen, daoistischen, konfuzianischen und chinesisch-volksreligiösen Elementen sollen die Menschen und das ganze Universum läutern. Praktizierende integrieren diese Werte in ihren Alltag“, beschreibt die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin die asiatische Lehre, die Anfang der 1990er Jahre stetig an Bedeutung gewann und immer mehr Sympathisanten weltweit fand. Dabei handelt es sich um eine Meditationspraxis für Körper und Geist, deren Ziele die Erlösung eines jeden Wesens sowie spirituelles Wachstum sind. „Ungesunde Angewohnheiten und Anhaftungen loszulassen sowie das Leben an die grundlegenden Eigenschaften des Kosmos (…) anzugleichen“, schreibt der Deutsche Falun Dafa Verein in der Einführung auf seiner Homepage. In Nürnberg lebt mit Sigrid Krammer eine Kontaktperson des Vereins, auch in Ansbach und Gunzenhausen ist er mit Ansprechpartnern vertreten.

Der Unterstützung folgte das Verbot

Am Schwarzenbrucker Plärrer haben vergangenen Freitagnachmittag Praktizierende über Falun Gong informiert. Jedoch weniger über das Erlernen der Techniken, als vielmehr über die Qualen, die Praktizierende in China bis heute erleiden. Nachdem die Kommunistische Partei Chinas die Bewegung anfangs unter anderem aufgrund der gesundheitlichen Vorteile für die Bürger unterstützte, wendete sich das Blatt Mitte der 1990er Jahre.
Millionen Menschen schlossen sich der Bewegung an, sie wurde schlicht zu groß, die stetig wachsende Zahl an frei denkenden und handelnden Menschen versetzte die Partei in Alarmbereitschaft und schürte in Regierungskreisen die Angst vor Kontrollverlust.

Von den chinesischen Sicherheitsbehörden wurde die rasch wachsende Bewegung 1996 als gefährliche Sekte eingestuft, was nach dem Verbot im Juli 1999 mit massiven Repressalien inklusive Folter, Verurteilungen, psychiatrischen Behandlungen und unerklärten Todesfällen einherging“, beschreibt die EWZ die Situation Ende der 1990er Jahre. Während Li Hongzhi, der Gründer des Falun Gong, der 1994 vom Ministerium für Öffentliche Sicherheit noch mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet wurde, zwei Jahre später in die Vereinigten Staaten flüchtete, wurden Falun Gong-Sympathisanten fortan bedroht, verfolgt, in Arbeitslagern inhaftiert und getötet. Überlebende der Lager berichteten in der Folge von psychischer Folter, schwersten körperlichen Misshandlungen wie Genitalverstümmelungen und erzwungenen Organtransplantationen, die bisweilen bei lebendigem Leib durchgeführt worden sein sollen.

Menschenrechtler schalten sich ein

Nicht nur die Verfolgten, auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erhob bereits 2017 schwere Vorwürfe gegen die Kommunistische Partei Chinas. „Die Volksrepublik China unterhält das größte Zwangsarbeitslagersystem der Welt. Aussagen von überlebenden ehemaligen Gefangenen machen deutlich, woher mit großer Wahrscheinlichkeit jedes Jahr tausende „Spender“-Organe stammen. Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass insbesondere in Zwangsarbeitslagern inhaftierte Anhänger der Falun Gong, Angehörige von Minderheiten und andere politische Gefangene gezielt getötet werden. Nicht weil diese Gefangenen ein Verbrechen begangen hätten, sondern ausschließlich, weil sich ihre Organe gewinnbringend verkaufen lassen“, prangerte die IGFM auf ihrer Homepage an.

Am 20. Juli 2019 jährte sich der Jahrestag der Verfolgung von Falun Gong bereits zum 20. Mal. Dr. Bärbel Kofler, die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, erklärte dazu: „Seit 20 Jahren geht die chinesische Regierung mit äußerster Härte gegen die spirituelle Meditationsbewegung Falun Gong vor. Praktizierende werden verfolgt und ohne gerichtliche Verfahren inhaftiert. Es liegen zahlreiche Berichte vor, wonach Betroffene gefoltert wurden oder gar die Haft nicht überlebt haben. Ich appelliere an die chinesische Regierung, auch zu dem seit Jahren erhobenen ernsten Vorwurf, dass inhaftierten Falun Gong-Anhängern systematisch Organe entnommen werden, Stellung zu nehmen.

Bereits 2013 verabschiedete zudem das Europäische Parlament eine Resolution, in der die chinesische Regierung aufgefordert wird, Organentnahme an politischen Gefangenen und Angehörigen religiöser Minderheiten einzustellen.

Der Aufklärungsbedarf ist groß

Andreas Scherb ist einer der Praktizierenden, die die Informationsveranstaltung vergangenen Freitgnachmittag in Schwarzenbruck initiierten. Noch immer sieht der Selbstständige aus Lehrberg nahe Ansbach großen Nachholbedarf, wenn es um die Aufklärung der deutschen Bevölkerung hinsichtlich der Menschenrechtsverletzungen an Falun Gong-Sympathisanten geht. „Deswegen sind wir mittlerweile auch in kleineren Gemeinden wie Schwarzenbruck zu Gast, um auch hier die Menschen über die unvorstellbaren Gräueltaten in China zu informieren und ihnen aufzuzeigen, wie sie ihre Stimme dagegen erheben können“, begründet er den Besuch in der Gemeinde.

Neben Informationsmaterialien liegt auch eine Petition aus, die an die deutsche Bundesregierung gerichtet ist und klare Forderungen stellt. Unter anderem wird darin eine strikte Anwendung des bestehenden Transplantationsgesetzes gefordert, wonach die Vermittlung, der Erwerb sowie der Verkauf von Organen verboten sind. Andreas Scherb und seine Mitstreiter fordern Wahrhaftigkeit. Mit Barmherzigkeit und Nachsicht gegenüber China soll hingegen endlich Schluss sein.

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