Baugebiet Ernhofer Weg: Tabor platzt der Kragen

Überschwängliches Lob und Detail-Kritik

Das Baugebiet Ernhofer Weg ist der nördliche Teil des ehemaligen großen Gebiets Altdorf-Nord. Hier können rund 500 Wohneinheiten entstehen. | Foto: Google Maps2021/06/Altdorf-Altdorf-Nord-Bauabschnitt1.jpg

ALTDORF – Für den Vorentwurf für das über acht Hektar große Baugebiet am Ernhofer Weg gibt es im Stadtrat nur eine knappe Mehrheit.

Altdorf Nord hieß einst das große Baugebiet im Norden der Stadt, das noch unter dem alten Stadtrat geplant wurde, das aber jetzt in kleineren Abschnitten realisiert wird. Für den ersten Abschnitt hat die Stadt den Bebauungsplan Nummer 42 Ernhofer Weg beschlossen, für den nun ein Vorentwurf des Büros Grosser-Seeger vorliegt. Im Stadtrat gehen die Meinungen zu diesem Konzept allerdings weit auseinander. Während es von der einen Seite großes Lob erhält, gibt es von der anderen Seite viele Kritikpunkte. Am Ende stimmt eine knappe Stadtratsmehrheit für die vorgelegten Planungen.

Das Gebiet am Ernhofer Weg ist eins der größten Baugebiete, das die Stadt Altdorf in jüngerer Vergangenheit plant. Es umfasst insgesamt 8,1 Hektar Fläche, 5,4 Hektar davon sind Baufläche. Die Planer von Grosser-Seeger schlagen rund 200 Wohneinheiten für das Gebiet vor, eine Mischung von Einfamilien-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern. So kann hier im Altdorfer Norden Wohnraum für rund 500 Menschen geschaffen werden.

„Bester Bebauungsplan weit und breit“

Für diese Vorplanung gibt es nun überschwängliches Lob von Bürgermeister Martin Tabor:Das ist der ökologisch wertvollste und beste Bebauungsplan, den es weit und breit gibt“, eröffnet der Rathauschef die Diskussion und geht offenbar davon aus, dass die Stadträte den Vorentwurf mit kleinen Anmerkungen durchwinken. Doch es kommt anders. Für die CSU meldet deren Fraktionschef Thomas Kramer Bedenken an: Zunächst einmal gegen die Richtung Bahnhof vorgesehene Bebauung, die mit vier Geschossen aus seiner Sicht hier viel zu massiv ist. Dann verweist Kramer auf mangelnde Parkplätze. Werde die von Grosser-Seeger vorgelegte Planung realisiert, dann gebe es in dem Gebiet große Probleme.

Das prägende Grün im Gebiet am Ernhofer Weg soll erhalten bleiben. Foto: Alex Blinten2021/06/Altdorf-Ernhofer-Weg.jpg

Dieter Pletz sieht ebenfalls Probleme. Er kritisiert für die Grünen einen zu hohen Anteil an Einzel- und Doppelhäusern im neuen Baugebiet und bemängelt die vorgeschlagene Straßenführung. Zum direkten Schlagabtausch kommt es dann zwischen Ernst Bergmann (SPD) und Thomas Kramer, nachdem Bergmann zu bedenken gibt, dass der Entwurf doch in der Vergangenheit schon diskutiert worden sei, so im Oktober vergangenen Jahres im Stadtentwicklungsausschuss. Kramer korrigiert: Die Einzelheiten habe man eben nicht besprochen, hält der CSU-Fraktionssprecher dagegen. Und es sei doch wichtig, sich mit den Details auseinanderzusetzen, nachdem das Gebiet am Ernhofer Weg eins der letzten großen Baugebiete in Altdorf sei, mit dem sich der Stadtrat befassen muss.

An Stellplatzsatzung orientiert

Muss man also einen Schritt zurücktreten und den Vorentwurf noch einmal in einem Ausschuss beraten? Diesen Vorschlag bringt Bernd Eckstein für die CSU in die Debatte. „Immerhin ist das Gebiet von der Größenordnung vergleichbar mit einem mittleren Dorf.“ Außerdem werde das Bauen in diesem Baugebiet nicht billig sein. „Da erwarten die Leute auch, dass sie parken können.“ Hier reagieren die Planer umgehend und verweisen auf die Stellplatzsatzung der Stadt Altdorf, an der man sich orientiert habe. Sollte also die Parkplatzsituation im neuen Baugebiet nicht passen, dann, so die Planerin im Stadtrat, „stimmt was nicht mit Ihrer Satzung.

Als Dieter Pletz sich der Forderung von Eckstein anschließt, den Vorentwurf noch einmal in einem Ausschuss zu beraten, platzt Bürgermeister Tabor der Kragen:Wir kommen seit sechs Jahren nicht weiter und sollen das Ganze jetzt nochmal diskutieren, dabei brauchen wir doch dringend Wohnraum.“ Bevor es in die abschließende Abstimmung geht, haben die Stadträte noch eine Reihe von Fragen. So hakt Werner Merkel nach, was denn eine Dachbegrünung kostet – weil Dachbegrünungen im Bebauungsplan festgesetzt werden. Einer genauen Antwort weichen die Planerinnen aus, verweisen aber darauf, dass begrünte Dächer ein Gewinn für die Gemeinschaft und den einzelnen Hauseigentümer gleichermaßen seien.

Rollstuhlgerechte Wohnungen?

Anni Blüml (Grüne) und Karin Völkl (SPD) fragen nach, ob es im Bebauungsplan Festlegungen für behindertengerechte bzw. rollstuhlgerechte Wohnungen gibt. Deren Anteil ist in der Vorplanung noch nicht erfasst, kann aber in der weiteren Planung berücksichtigt werden. Während Thomas Dietz (FW/UNA) daran erinnert, dass man ein Blockheizkraftwerk im Wohngebiet aufstellen könnte, mahnt Eckart Paetzold (Grüne), bei den Planungen nicht das Auto in den Mittelpunkt zu stellen.

Am Ende billigt eine knappe Mehrheit (13:10) den Vorentwurf für den Ernhofer Weg. Jetzt werden die Träger öffentlicher Belange und die Öffentlichkeit am Verfahren beteiligt.

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