Vorsicht vor zusätzlichen Stromkosten

So viel kostet das Homeoffice

Homeoffice und Homeschooling bedeuten gleichzeitig einen höheren Stromverbrauch. Um böse Überraschungen zu vermeiden, raten die Experten zum Energiesparen. | Foto: len44ik/stock.adobe.com2021/02/NL-Homeoffice-Strom-Adobe-Stock-scaled.jpeg

FEUCHT / ALTDORF – Trotz Homeoffice und Homeschooling steigt der Stromverbrauch von Privatkunden bislang nur leicht an. Weil ein Arbeitstag zuhause bis zu einen Euro mehr kostet, gewinnen energiesparende Maßnahmen an Bedeutung.

Sars-Cov-2 hat die Arbeits- und Schulwelt verändert. Nach einer im zweiten Quartal 2020 durchgeführten Personalleiterbefragung hatten vor der Corona-Krise rund 40 Prozent der Belegschaften in Unternehmen von zuhause aus gearbeitet. Während der Pandemie hat sich dieser Anteil auf rund 60 Prozent gesteigert (Quelle: Statista Research Department). Das Virus hat die Digitalisierung im Land vorangetrieben und dabei auch Schwachstellen offengelegt. Das bestätigt Raimund Vollbrecht, Geschäftsführer der Feuchter Gemeindewerke. „Deutliche Auswirkungen erkennen wir im Bereich unserer Breitbandversorgung in Feucht und Moosbach. Hier mussten bereits in der ersten Lockdown-Phase deutlich höhere Bandbreiten für unsere über 1000 Kunden beschafft werden“, nennt er die Folgen einer vermehrten Internetnutzung in den Privathaushalten. Allgemein wurde aufgrund von Homeoffice und Homeschooling auch von einem spürbar steigenden Stromverbrauch ausgegangen. Doch der fällt geringer aus als gedacht.

„Anstieg von zwei bis vier Prozent“

Bei den Stadtwerken Altdorf ist der Stromverbrauch im Haushalts- und Privatkundensegment nicht signifikant durch Homeschooling, Homeoffice oder die Ausgangssperre gestiegen. Nach einer ersten Auswertung ist der Verbrauch hier um zwei bis vier Prozent gestiegen. Eine sichtbarere Veränderung haben wir jedoch beim Stromabsatz von Gewerbe- und Industriekunden registriert, wo die Verbrauchsmengen um bis zu zehn Prozent rückläufig waren“, stellt Florian Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Altdorf, fest.

Florian Müller ist noch bis 31. März 2021 Geschäftsführer der Stadtwerke Altdorf. Foto: Stadtwerke Altdorf2021/02/NEU-Altdorf-Stadtwerke-Florian-Mueller.jpg

Zahlen, die auch Raimund Vollbrecht bestätigen kann: „Die bislang vorliegenden Werte zeigen einen Anstieg des Stromverbrauchs bei den Haushaltskunden gegenüber dem Vorjahr von rund vier bis fünf Prozent. Erkennbar vor allem in den Monaten Oktober bis Dezember 2020.

Viele Angestellte im Homeoffice fragen sich dennoch, wie viel sie aufgrund des höheren Stromverbrauchs wohl werden zahlen müssen. Folgt man einem Rechenexempel des Vergleichsportals Verivox, kann ein Tag im Homeoffice zusätzliche Stromkosten von bis zu einem Euro verursachen. Für die Rechnung zieht Verivox einen Laptop (15 Cent pro Tag), einen Desktop-PC (50 Cent), ein Smartphone (1 Cent) sowie einen Backofen oder Herd (bis zu 50 Cent) heran. Denn im Homeoffice würden nicht nur mehr technische Geräte genutzt, auch müssten Speisen zubereitet werden.

Wie realistisch sind diese Zahlen? „Ob diese Angaben rechnerisch richtig sind, können wir nicht beurteilen, da uns die zugrunde gelegten Parameter nicht vollständig bekannt sind. Das ist auch abhängig von der individuellen Situation und den Bedingungen. Für Laptop und Router könnte man schon 20 bis 25 Cent pro Tag annehmen. Wenn weitere Geräte, wie ein Drucker oder Scanner, verwendet werden, kann sich das erhöhen auf rund 30 Cent. Insgesamt und unter Berücksichtigung der Mehrnutzung von Herd, Kaffeemaschine et cetera kann der genannte Wert durchaus realistisch sein“, schätzt Müller von den Stadtwerken Altdorf.

Steuererleichterung für Homeoffice

Geld, auf dem die Verbraucher jedoch nicht sitzen bleiben müssen. „Der Bundestag hat hierzu Steuererleichterungen beschlossen. Nach meinem Kenntnisstand sollen Arbeitnehmer 2020 und 2021 bis zu fünf Euro pro Tag von der Steuer absetzen können, um die Mehrbelastungen durch das Arbeiten zu Hause auszugleichen. Maximal soll dies für 120 Tage gelten, insgesamt also bis zu 600 Euro“, erklärt Vollbrecht.

Raimund Vollbrecht ist seit 2011 Geschäftsführer der Feuchter Gemeindewerke. Foto: Feuchter Gemeindewerke2021/02/Feucht-Raimund-Vollbrecht-GW-Feucht.jpg

Energiesparende Maßnahmen sind in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling noch bedeutender. „Hier gelten genau die gleichen Regeln, wie wir sie auch unabhängig der besonderen Umstände empfehlen: nicht benötigte Geräte oder Licht ausschalten, bei anstehenden Neuanschaffungen stromsparende beziehungsweise effiziente Geräte anschaffen oder Lichtquellen auf LED umrüsten“, empfiehlt Müller.

Angst, bestehende Stromtarife würden aufgrund des höheren Energieverbrauchs nicht mehr optimal passen, brauchen Privatkunden in Feucht und Schwarzenbruck nicht haben. „Die Gemeindewerke vollziehen im Bereich der Haushaltskunden schon immer eine sogenannte Bestabrechnung. Das bedeutet, dass unsere Kunden in den privaten Sondertarifen automatisch in der für sie günstigsten Preisstufe abgerechnet werden“, beruhigt Vollbrecht. Und Müller ergänzt: „Die Stadtwerke bieten verschiedene Stromtarife an und ein Wechsel innerhalb der Tarife ist grundsätzlich jederzeit möglich. Einen speziellen Tarif aufgrund Homeoffice gibt es jedoch nicht.

Mischung aus Homeoffice und Präsenzarbeit

Doch auch nach überstandener Pandemie werden viele Arbeitnehmer weiterhin auf die Möglichkeit des Homeoffice zurückgreifen wollen. Nicht zuletzt aufgrund der flexibleren Arbeitszeit sowie der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das bestätigten unter anderem Dr. Jennifer Sell, Geschäftsführerin des Unternehmens E-T-A, und Oğuz Tekin, Geschäftsführer von Suspa, vor zwei Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung. Beide rechnen künftig mit einer Mischform aus Homeoffice und Präsenzarbeit. So könne auch der Nachteil der fehlenden sozialen Kontakte im Homeoffice kompensiert werden.

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