Fahrsicherheitstraining

Senioren über 65 trainierten ihre Reaktion

„Voll in die Eisen“ mussten die Ü 65-Senioren bei der Vollbremsung vor dem Hindernis aus Kartons. | Foto: J. Ruppert2019/10/Fasi1.jpg

HERSBRUCK – „Nicht langsam auf das Pedal drücken, sondern draufschlagen!“ Der Zuruf des Fahrlehrers bei einer sehr zaghaften Vollbremsung galt dem Teilnehmer eines speziellen Sicherheitstrainings. Auf Initiative des Arbeitskreises „Seniorenfreundliches Hersbruck“ war die Generation Ü 65 eingeladen, ihre Kennnisse rund ums Auto aufzufrischen.

„Eben nicht“, nahm Sprecherin Angela Henke die Angst, dass bei dem Kurs der Führerschein in Gefahr geraten könne. Vielmehr gehe es darum, den Älteren noch möglichst viele Stunden hinter dem Lenkrad zu ermöglichen. Im Sinne eines „lebenslangen Lernens“ gelte es nämlich, moderne Technik zu beherrschen und einige verstaubte Kenntnisse rund um die Verkehrsregeln aufzufrischen.

„Gewinnen Sie neue Sicherheit“, ermutigte auch Gerhard Stötzner als Motor der Veranstaltung die bis zu 85 Jahre alten Teilnehmer des Lehrgangs. Bernd Vogel von der örtlichen Verkehrswacht sagte, dass eine Vollbremsung zwar nur selten vorkomme, doch ohne Übung trauten sich die wenigsten, im Ernstfall voll auf den Hebel zu treten.

Als besonderes „Bonbon“ erläuterte Frank Steidl, der derzeitige Chef der Hersbrucker Polizei, einige Verkehrssituationen. „Wer hat an der Kreuzung Pfeiffers Eck vor der Hersbrucker Zeitung Vorfahrt?“, wollte er zum Beispiel wissen. Problem an der Stelle ist die untergeordnete Spielstraße aus Richtung Nürnberger Tor. Ebenfalls spezielle Probleme bietet der Kreisel am Scharfen Eck. Steidl erklärte, wann querende Fußgänger und wann Autos Vorrang haben.

Blinken an der Brücke

Sobald die neue Kuhpegnitzbrücke befahrbar ist, tauchen auch da einige Besonderheiten auf, vom Blinken auf der abbiegenden Hauptstraße bis zu rechts-vor-links für den Untermühlweg gegenüber den Pkw aus dem Wassertor. Frank Steidl nannte weitere praxisnahe Themen: Querungshilfen, E-Scooter, Passieren von haltenden Bussen und mehr.

Dazu gab der Polizeichef Tipps und Infos, darunter der Umtausch von Altführerscheinen, Apps für den Verkehrsalltag oder Verhalten bei Parkremplern. Er mahnte, dass die Senioren „Inspektionen“ – sprich Vorsorgeuntersuchungen – wahrnehmen sollten. Passend 
dazu boten der Hersbrucker Akustiker Hörluchs und das Optikgeschäft Geng gleich kostenlose Tests an.

Problem Schulterblick

Frank Steidl wies auf erhöhte Unfallgefahr durch das Alter hin: „Der Schulterblick geht halt nicht mehr so einfach wie mit 18 Jahren.“ Die Fahrtauglichkeit lasse sich aber länger erhalten mit Sport wie Wandern oder mit Thera-Band, durch Lösen von Kreuzworträtseln, aber auch mit dem Einsatz von Automatik-Schaltungen und Assistenzsystemen wie Rückfahrkamera beim Einparken.

Auf dem Plärrer und dem Rollschuhplatz durften die Kursteilnehmer im eigenen Auto und unter den wachen Augen von Fahrlehrern der Firmen Hegel und Hense Übungen absolvieren. Neben der Vollbremsung standen zum Beispiel Parken und Wenden in einem engen Viereck auf dem Programm. Als Belohnung 
erhielten am Schluss alle Senioren eine Urkunde – teils über 
sechs Jahrzehnte nach der Fahrprüfung.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert