Unglaubwürdige Nebenklägerin

Rosenkrieg landete durch Zufall am Hersbrucker Amtsgericht

Ein Tuchenbacher soll seine Freundin im Streit verletzt haben. | Foto: Dan Race - stock.adobe.com2019/05/AdobeStock_62555760.jpeg

HERSBRUCK – Betrug, körperliche Misshandlung und Raub hat die Staatsanwaltschaft einem 28-Jährigen aus Tuchenbach zur Last gelegt. Im Gerichtssaal saß ihm gegenüber eine alte Bekannte als Nebenklägerin – seine Ex-Freundin.

Jonas Rieger (alle Namen geändert) soll im Juli 2018 seine Partnerin im Streit mit dem Kopf gegen die Garderobe der gemeinsamen Wohnung gestoßen haben. Anschließend soll er ihr die Geldbörse samt 60 Euro und EC-Karte abgenommen und 1000 Euro vom Konto abgehoben haben. So steht es in der Anklageschrift.

Dass er das Geld per EC-Karte abgehoben hat, gibt Rieger zu. Das war es dann aber auch. „Das besagte Konto nutzen wir schon länger im beiderseitigen Einvernehmen gemeinsam, die meisten Geldeingänge kommen von meiner Seite“, so der Tuchenbacher. Verbale Auseinandersetzungen gab es zwischen den beiden wohl schon seit geraumer Zeit.

Gewalt am Geburtstag

An ihrem Geburtstag soll der Zwist dann eskaliert sein: der Angeklagte berichtet, er wollte seine Sachen packen, ausziehen und das Verhältnis beenden. Nach seiner Darstellung hätte sie ihn aber daran gehindert zu gehen. „Sie wollte mich hierbehalten, ich schubste sie weg, der Geldbeutel samt EC-Karte lag auf dem Tisch. Sie sagte mir sogar noch die PIN, die ich vergessen hatte.“ Dann nahm er die Karte, hob Geld ab und brachte sie sofort wieder zurück, führt er aus. Anschließend fuhr er mit Sack und Pack zu seiner Oma. Dort erfuhr er durch die Polizei, dass eine Anzeige und ein Haftbefehl gegen ihn vorlagen.

Die Geschädigte berichtet den Ablauf des Streits anders. Demnach hätte er ihr Handtasche und EC-Karte gewaltsam abgenommen, sie beim Weggehen in die Garderobe gestoßen und dabei verletzt. Doch passen ihre Aussagen der polizeilichen und der heutigen Vernehmung nicht zusammen. Auf Nachfragen von Verteidigung und Gericht kann sie sich an einiges nicht mehr erinnern.

Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass sie vor einiger Zeit noch als Oberwachtmeisterin bei der Justiz in Neustadt/Aisch tätig war, ihr dort aber gekündigt wurde, was für eine aktiv im Dienst befindliche junge Beamtin recht ungewöhnlich ist. Die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit bekommt eine immer größere Bedeutung.

Nach einem Rechtsgespräch stellt Richter André Gläßl einen Täter-Opfer-Ausgleich in den Raum. Dafür müsste der Angeklagte die Tat allerdings gestehen. Rieger lehnt dies vehement ab. Er bestreitet weiter, seine Ex-Freundin angegriffen zu haben. Da er derzeit noch unter Bewährung steht, hätte für ihn eine neuerliche Verurteilung gravierende Folgen. Drei weitere Zeugen sollen in der nächsten Sitzung Klarheit bringen.

In der berichtet ein Polizeibeamter, dass ihm die damaligen Aussagen der Geschädigten durchaus plausibel erschienen waren. Als nächster Zeuge wird der Vorgängerfreund, mit dem die Geschädigte vor Jonas Rieger zusammen war, gerufen. Aus seiner Aussage ergibt sich, dass auch in dieser Beziehung das Vertrauen durch unwahre Darstellungen der Nebenklägerin gestört war und deshalb in die Brüche ging. Auch ihn hatte sie damals angezeigt, weil er sie geschlagen haben soll. Die Sache wurde eingestellt.

Lüge oder Wahrheit?

Die dritte Zeugin, eine ehemalige Freundin der Nebenklägerin, attestiert der jungen Frau: „Sie konnte auf Knopfdruck heulen“ und weiter: „Ob Lüge oder Wahrheit war oft nicht auseinanderzuhalten.“ Die Glaubwürdigkeit der Geschädigten war zu diesem Zeitpunkt nun doch erheblich beschädigt. Dennoch hält die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer den Vorwurf des Raubes für bestätigt. Zu den Widersprüchen und den Zeugenaussagen meint sie: „Auf mich wirkte die Geschädigte glaubwürdig.“ Sie fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren. Auch der Anwalt der Nebenklägerin hält seine Mandantin für vertrauenswürdig.

Die Verteidigerin verweist vehement auf abweichende Aussagen der Geschädigten und listet eine Reihe von Widersprüchen auf. „Wenn eine Zeugin wie im vorliegenden Fall unglaubwürdig ist, kann keine Verurteilung erfolgen“, so die Anwältin.

Nach Beratung mit den Schöffinnen spricht Richter Gläßl den Angeklagten frei. Jonas Rieger weint vor Erleichterung.

N-Land Helmut Neitz
Helmut Neitz