800 000 Euro werden für Sanierung bereitgestellt

„Raus aus dem Notfallmodus“

Weil dringend saniert werden muss, ist die Kindertagesstätte in der Röderstraße ein Sorgenkind der evangelischen Kirchengemeinde. „Der Kirchenvorstand hätte vor Jahren wohl jubiliert, wenn wir ihm nur annähernd so ein Angebot wie dieses gemacht hätten, stattdessen hat der alte Bürgermeister sowie der damalige Stadtrat mehrheitlich dem Träger nicht nur einmal das Zeichen gesendet, dass man nicht mit der Stadt Altdorf als enger Partner zu rechnen habe“, sagt Altdorfs Bürgermeister Martin Tabor. | Foto: Alex Blinten2021/01/Altdorf-Nikolaus-Hermann-Haus-scaled.jpg

ALTDORF – Altdorf braucht dringend weitere Kindergarten- und Krippenplätze. Der Stadtrat hat deshalb einstimmig die Generalsanierung des Nikolaus-Herman-Hauses in der Röderstraße beschlossen. Eigentümer des Objekts und Träger des Kindergartens ist die evangelische Kirchengemeinde.

Die Stadt Altdorf wird den Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde in der Röderstraße sanieren. Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, dafür 800 000 Euro in den Haushalt für 2021 einzustellen. Viel Geld, aber die Alternative wäre ein Kindergartenneubau, der noch viel teurer für die Stadt wäre. Kindergarten- und Krippenplätze werden in Altdorf dringend gebraucht. Das betont Bürgermeister Martin Tabor immer wieder. „Wir waren im Landkreis das Sorgenkind bei der Kinderbetreuung“, sagt er. „Wir müssen endlich raus aus dem Notfallmodus.

Dazu soll nun die Maßnahme in der Röderstraße beitragen und damit die Gesamtsituation entspannen. Künftig werden in Altdorf nämlich deutlich mehr Kinder leben. Bis Ende 2021 werden in der Stadt rund 130 Wohneinheiten fertig gestellt, dazu kommen weitere Wohngebiete in Außenorten in den kommenden Jahren, Stadt und Bevölkerung wachsen also, dementsprechend müssen Betreuungsplätze für Kinder vorhanden sein.

Guter Lösungsvorschlag

Zwischenzeitlich gab es engen Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde, nachdem der Kirchenvorstand auf die Stadt zugegangen war. Tabor spricht von einem guten Lösungsvorschlag, den der Kirchenvorstand auf den Tisch gelegt habe. Damit werden die bestehenden Kindergarten- und Krippenplätze im Kindergarten Röderstraße langfristig gesichert. Die nötigen Sanierungsarbeiten sollen in diesem Jahr beginnen. Mit der Generalsanierung des Kindergartens gehen auch eine Erweiterung und die Schaffung neuer Plätze einher. Nach dem Umbau werden 77 Kiga-Plätze und 13 Krippenplätze zur Verfügung stehen.

Neubau wäre deutlich teurer

800 000 Euro stellt die Stadt also für die Generalsanierung zur Verfügung. Die Alternative wäre ein Kindergartenneubau gewesen, für den die Altdorfer zuvor ein Grundstück hätten erwerben müssen. Christof Rotkegel, geschäftsführender Beamter im städtischen Rathaus, rechnet vor, dass der Neubau eines viergruppigen Kindergartens plus Grundstückskauf in der Stadtkasse mit rund 6,2 Millionen Euro zu Buche schlagen würde.
Deshalb also die Generalsanierung in der Röderstraße, die die evangelische Kirchengemeinde aber nicht stemmen kann, weil deren Kasse leer ist, wie Stadtpfarrer Bernd Popp den Stadträten erläutert. Die Kirche ist froh, dass die Stadt bei der Sanierung einsteigt, allerdings muss die Altdorfer Kirchengemeinde noch abwarten, ob die Landeskirche in München die vertragliche Vereinbarung mit der Stadt akzeptiert.

Auf Akzeptanz jedenfalls stoßen die Pläne für das Nikolaus-Herman-Haus in Altdorf bei den Stadträten, die sich ausnahmslos positiv äußern. Eckart Paetzold (Grüne) merkt allerdings an, die Stadt solle doch Eigentümer des Objekts in der Röderstraße werden, wenn sie so viel Geld in die Sanierung stecke. Soll sie auch werden, erläutert Bürgermeister Martin Tabor: „Wir werden mit der Kirche in Verhandlungen zum Erwerb des Objekts treten.“ Für die SPD fasst Karin Völkl zusammen, dass das Vorhaben in der Röderstraße für die Stadt nur Vorteile bringe und der Kostenrahmen vertretbar sei.

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„Deutlich verbessertes Verhältnis“

So auch Peter Wack für die FW/UNA Fraktion. Thomas Kramer (CSU) erinnert daran, dass die Stadträte in der Vergangenheit mehrfach nach Lösungen für das Nikolaus-Herman-Haus gesucht haben. Das jetzige Vorgehen unterstützt die CSU. Kramer betont auch, dass sich das Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und Kindergärten unter dem jetzigen Bürgermeister deutlich verbessert habe. Weil in der Vereinbarung mit der Kirche festgeschrieben ist, dass die Stadt den Ausgleich eventuell auftretender Defizite übernimmt, fordert Werner Merkel (CSU), im Vertrag eine Klausel aufzunehmen, die den Kindergarten dazu verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten, „damit kein Defizit entsteht“.

Zum Ende der Diskussion mahnt Ernst Bergmann (SPD), dem Vertragsentwurf zuzustimmen: „Es drängt, wir haben hier ohnehin ein paar Jahre verloren.“ Den Beschluss zur Generalsanierung fasst der Stadtrat am Ende einstimmig. Die Planung wird das im Kindergartenbau sehr erfahrene Architekturbüro Graf aus Oberferrieden übernehmen.

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