Polizisten am Straßenrand

Premiere für Motorradkontrollgruppe

Die Mitglieder der Kontrollgruppe wissen, wo sie genauer hinschauen müssen. | Foto: S. Fuchs2019/04/Motorradkontrollgruppe-05.jpg

VORRA/ARTELSHOFEN – Es ist Ostermontagnachmittag, wolkenloser Himmel bei sonnigen 23 Grad – ideales Wetter für einen ersten Motorradausflug. An einem Parkplatz an der Straße zwischen Vorra und Artelshofen nahm die neue Motorradkontrollgruppe des Polizeipräsidiums Mittelfranken die Biker unter die Lupe.

Mit dem Start in die Motorradsaison wurde eine rund 20 Beamte starke Gruppe für die schwerpunktmäßige Kontrolle und Überwachung des motorisierten Zweiradverkehrs eingerichtet, erläuterte Polizeidirektor Werner Meier. „Unser vorrangiges Ziel ist es, über die Gefahren des Zweiradfahrens aufzuklären und die Kradfahrer entsprechend zu sensibilisieren.“

Denn diese Verkehrsteilnehmer seien, verglichen mit dem gesamten Verkehrsaufkommen, überproportional an Unfällen beteiligt – häufig schuldlos. Die Polizeibeamten kommen aus allen mittelfränkischen Dienststellen, an diesem Montag sind es mit dem Leiter, Dirk Klinke, acht Beamte, die rund fünf Stunden die zufällig ausgewählte Kontrollstelle besetzen.

Am Ende hatten sie rund 140 Kradfahrer kontrolliert; bei 37 von ihnen gab es Beanstandungen, meist kleinere Mängel am fahrbaren Untersatz oder ein vergessener Führerschein. So kam mancher mit einer mündlichen Ermahnung oder Verwarnung davon oder er erhielt sogar, wie eine Bikerin aus der Laufer Gegend, eine vom ADAC gesponserte gelbe Warnweste, damit sie wegen ihrer dunklen Kluft von anderen Verkehrsteilnehmern zukünftig besser gesehen werden kann.

Lenker aus dem Netz

Schwerwiegender waren die elf Anzeigen, etwa wegen eines aus dem Internet bestellten und nicht zugelassenen Lenkers oder eines Bremshebels, wegen Reifen ohne oder mit mangelnder Profiltiefe oder Änderungen am Auspuff. Die Beamten hatten sogar ein Messgerät dabei, um den vom Krad erzeugten Lärm festzustellen: Bei 100 Phon wurde es schon „grenzwertig“.

Insgesamt mussten drei Biker ihr Fahrzeug vor Ort stehen lassen, wobei es einem gelang, sich den Originalauspuff von zu Hause bringen zu lassen – schnell montiert, war die Verkehrstüchtigkeit wieder hergestellt und er durfte weiterfahren. Allerdings kostete ihn dieser Austausch 180 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Das gleiche schaffte ein weiterer Biker, bei dem eine offene Kupplungsscheibe beanstandet wurde. Auch hier konnte das rasch herbeigebrachte Teil, eine Abdeckung, zu seiner Weiterfahrt helfen.

Auf Augenhöhe

Alle Gespräche, so betonte Klinge, verliefen in ausgesprochen ruhiger Atmosphäre. Wohl auch, weil die Polizeibeamten alle selbst Kradfahrer und begeisterte Techniker sind. Und die Motorradfahrer hatten durchwegs Verständnis, würde doch ein nicht unerheblicher Beitrag zur Verkehrssicherheit aller geleistet werden.

Polizeidirektor Werner Meier wies am Ende des Tages besonders auf den hohen Anteil bei den Benutzern von Krafträdern an den Unfalltoten hin. 2018 waren es 16, 2017 sogar 20 Motorradfahrer, die auf Mittelfrankens Straßen ihr Leben lassen mussten. Deshalb müsse das Ziel sein, „gelassener zu fahren und dafür gesund anzukommen“.

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs