Diepersdorfer Kindergarten „Rappelkiste“ wird in der Krise besonders kreativ

Plötzlich You-Tube-Stars und Osterhasenhelfer

Um für die Kinder präsent zu bleiben, hat sich das Team des Evangelischen Kindergartens in Diepersdorf viel einfallen lassen. Das Gruppenbild (links) entstand noch vor der Pandemie. Der Zaun der „Rappelkiste“ (rechts) ist jetzt mit Bildern geschmückt, am Strauch hängt Osterdekoration, die die Kleinen zu Hause gebastelt haben. | Foto: Privat2020/04/Diepersdorfer-Kindergarten-Corona-Aktionen-privat.jpg

Diepersdorf – Geburtstagsfeiern finden plötzlich virtuell via Gruppenschaltung statt, Kinder drehen sich im eigenen Wohnzimmer nach dem Kommando ihrer Ballettlehrerin per Skype – und auch zahlreiche Kindergärten und -krippen setzen ihrer Phantasie keine Grenzen, um „ihren Kinder“ durch diese außergewöhnliche Zeit zu helfen. Ein Beispiel aus Diepersdorf.

„Ein Brief für mich? Ehrlich?“ Der sechsjährige Kilian und sein dreijähriger Bruder David sind baff, als zwei große braune Umschläge an der Tür lehnen. Es ist erst ein paar Tage her, dass für die 75 Kindergartenkinder der „Rappelkiste“ Diepersdorf wie für alle bayerischen Kinder vorzeitige „Corona-Ferien“ ausgerufen wurden. Und nun das: Zwei Briefe mit Herzchen und ihren Namen darauf. Darin eine Geschichte über „K‘orona“, das klitzekleine Virus, das gerade alle ein wenig durchdrehen lässt. Dazu eine Bastelanleitung für einen flauschig-orangenen Pompon-„K‘orona“, ein Händewaschspiel, eine Anleitung für ein Schmutzexperiment, ein Kuchenrezept für lange Tage, sowie den Verweis auf einen You-Tube-Kanal, in dem die Erzieher Osterlieder singen, Geschichten vorlesen oder einfach ein wenig plaudern.

Der Zaun ist geschmückt

Seither sind über drei Wochen vergangen, Einrichtungsleiterin Heike Schwittay und ihr achtköpfiges Team haben jedem Kind an die fünf Briefe geschickt und bereits so viele Briefe und Bilder zurückbekommen, dass diese nun laminiert den Zaun des Kindergartens schmücken und so auch den Tag aller Vorbeigehenden ein wenig bunter machen. 

„In den Tagen, nachdem die Einrichtung geschlossen hat, hingen wir alle ein wenig in der Luft“, erzählt Schwittay. Trotz keiner sogenannten Notbetreuungskinder sei man täglich in die Arbeit gegangen. Schnell sei dem Team klar gewesen: Nur Administratives erledigen, Puzzle sortieren, putzen und Online-Schulungen absolvieren, das reicht ihnen nicht.

„Wir wollen den Kontakt zu unseren Kindern halten, für sie präsent bleiben und ihnen so nicht nur die Zeit während der Ausgangsbeschränkungen erleichtern, sondern auch vorbeugen, dass besonders die Kleinen zu sehr fremdeln, wenn der Kindergarten irgendwann wieder seine Tür öffnet“, sagt Schwittay. „Als wir das für uns beschlossen hatten,
haben alle nur so gesprudelt vor Ideen.“

Alle paar Tage gibt es Post

Und so wurden aus Erzieherinnen plötzlich You-Tuberinnen und Postbotinnen – alle paar Tage verteilen sie rund um den Moritzberg Briefe mit Ausmalvorlagen, Bastelmaterial, Spielideen, Liedern. Sogar als Osterhasenkuriere waren sie bereits unterwegs, weil der „nur einen leeren Garten vorgefunden hat.“

Neben all den Kinderwohnungen und -häusern haben sie in der vergangenen Woche aber auch Station am Altdorfer Seniorenhof gemacht und eine Kiste mit Bildern abgegeben. Man wolle die Kinder nicht nur bespaßen, sondern ihnen zeigen, dass auch sie ihren kleinen aber wichtigen Beitrag leisten können, damit es anderen jetzt besser geht. Also habe man im letzten Brief die Kleinen gebeten, all jenen eine Freude zu machen, die jetzt alleine sind.

Ganz viele haben mitgemacht, auch Kilian und David. Wie alle anderen vermissen sie ihre Freunde, ihren Kindergarten, aber es geht ihnen gut.  Ganz anders als dem selbstgebasteltem Pompom-„K‘orona“. Der ist der Katze zum Opfer gefallen.

Nicole Netter

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