Bahn soll im süddeutschen Raum Flächen suchen

Pläne Richtung Abstellgleis?

So oder so ähnlich soll ab 2028 an einem Standort in der Region an ICE-Zügen gearbeitet werden: Ein Blick in die über 400 Meter lange Betriebshalle des ICE-Instandhaltungswerks in Köln. | Foto: Berghoff Gruppe2021/05/schwarzenbruck-ICE-Werk-scaled.jpg

SCHWARZENBRUCK – Neue Schwarzenbrucker Bürgerinitiative will den Widerstand gegen ein mögliches ICE-Werk vor Ort bündeln. Der Bund Naturschutz Bayern lehnt alle von der Bahn erwogenen Standorte ab und fordert die Untersuchung geeigneterer Flächen im weiteren süddeutschen Raum.

Schwarzenbrucker, Pfeifferhütter, Lindelburger und Altenthanner wollen es nicht hinnehmen, dass die Bahn ein ICE-Werk im Dürrenhembacher Wald plant und haben sich deshalb zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Wie berichtet ist das 265 Hektar große Gelände im Wald am Alten Kanal einer von neun Standorten, mit denen die Bahn ins Raumordnungsverfahren für ein neues ICE-Instandhaltungswerk gehen will.

Wenn es nach den Schwarzenbrucker Gegnern des Projekts geht, soll es gar nicht so weit kommen. „Kein ICE Werk Schwarzenbruck“ heißt ihre neue BI, die laut Initiatorin Tanja Holl stetig wächst – von zunächst 20 auf gestern bereits fast 50 Mitglieder. Der Standort Schwarzenbruck schließt fast unmittelbar an einen weiteren möglichen ICE-Werksstandort weiter südöstlich bei Ezelsdorf an (wir berichteten).

Vor dem Eingang zum Schwarzenbrucker Rathaus haben Mitglieder der neuen Bürgerinitiative ein Transparent ausgelegt. Foto: privat2021/05/Schwarzenbruck-Transparent.jpg

Deshalb haben die Schwarzenbrucker bereits ihre Fühler in die Nachbarschaft ausgestreckt, um auszuloten, wie man am besten mit den Nachbarn im Widerstand gegen die Pläne der Bahn zusammen arbeiten kann. „In Corona-Zeiten ist das aber alles nicht so einfach“, bedauert Holl im Gespräch mit dem Boten. Eine interkommunale Zusammenarbeit sei aber ideal, betont sie.

Waldschutz im Vordergrund

Dass so viele Menschen in Schwarzenbruck, den Ortsteilen und in der Nachbargemeinde Burgthann gegen das Vorhaben der Bahn sind, hängt in erster Linie damit zusammen, dass riesige Flächen Wald gerodet werden müssten, bei Schwarzenbruck ebenso wie bei Ezelsdorf. Bannwald, wie Holl betont, ökologisch wertvolle Trockenwaldbestände, die im Biotopschutzprogramm des Nürnberger Lands kartiert seien. Außerdem finden im Dürrenhembacher Wald bei Schwarzenbruck Ausgleichsmaßnahmen für Baugebiete in Nürnberg statt – ausgerechnet für jene Gebiete des ehemaligen Rangierbahnhofs in der Noris, den die Bahn verkauft hat und auf dessen Gelände jetzt der neue Stadtteil Lichtenreuth entsteht.

Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände hat man rund tausend Zauneidechsen eingesammelt und sie im Dürrenhembacher Wald in einem eigens geschaffenen Biotop wieder angesiedelt. Das ganze Unterfangen hat mehrere hunderttausend Euro gekostet. Sollen die Eidechsen im Wald nun erneut eingefangen werden, fragen sich jetzt die Mitglieder der Schwarzenbrucker Bürgerinitiative.

Überlastung der B8

Und dann der Verkehr auf der B 8: Die Bundesstraße wird heute bereits von 24 000 Fahrzeugen täglich befahren. Während der Bau- und Betriebszeit werde der Verkehr deutlich zunehmen, befürchtet die neue Bürgerinitiative, durch zunehmenden Berufsverkehr, weil im ICE-Werk 450 Leute arbeiten werden, und durch Lieferverkehr.

Beim Thema B 8-Belastung kann die BI Albtraum B 8 viele Fakten und Details beisteuern. Deshalb, so Holl, soll es auch in diese Richtung unbedingt Kontakte geben. Mit ihrem Protest reihen sich die Schwarzenbrucker ein in die Phalanx der Gegner, die auch in Altenfurt und in Feucht gegen dort mögliche ICE-Standorte mobil machen. In Feucht hat die Bahn zwei Standorte in beziehungsweise südlich der Muna untersucht und will mit den Arealen ins Raumordnungsverfahren.

Mit Altlasten

Beide Gebiete sind bewaldet, aber mit Altlasten aus der ehemaligen Munitionsfabrik belastet. Für den Bund Naturschutz gelten sie gleichwohl als grüne Lunge der Marktgemeinde, auch wenn es für die Areale ein Betretungsverbot gibt, weil hier große Mengen von Munitionsresten im Waldboden liegen. Sollte die Bahn hier bauen, müsste das gesamte Gelände zunächst saniert werden.

Der Bund Naturschutz Bayern lehnt alle von der Bahn in Erwägung gezogenen Standorte ab und fordert stattdessen „im weiteren süddeutschen Raum nach geeigneten Flächen zu suchen“, sagt Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN. Auch große brachliegende Bahnflächen und Industriebrachen wie in Oberfranken und der Oberpfalz sollten laut Geilhufe in die Überlegungen einbezogen werden.

Das Raumordnungsverfahren für das neue ICE-Werk soll bei der zuständigen Regierung von Mittelfranken im Herbst 2021 beginnen. Die Bezirksregierung in Ansbach prüft die vorgeschlagenen Standorte unabhängig und nach festgelegten Kriterien. Während dieser Zeit werden die Pläne in den betreffenden Kommunen öffentlich ausgelegt. Die Bürger können dann Einwände und Änderungsvorschläge einbringen.

Als Ergebnis des Raumordnungsverfahrens könnten im Frühjahr 2022 einer oder mehrere Standorte als dafür geeignet bewertet werden. Dann kann sich die Bahn für einen Vorzugsstandort entscheiden und dafür anschließend das Planfeststellungsverfahren einleiten.

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