Laufer Kriminalstatistik verzeichnet drei versuchte Morde

Noch immer keine Spur vom Heckenschützen

Im September 2016 untersuchten etliche Polizisten die Staatsstraße 2236 nahe des Schnaittacher Autohofs nach Spuren. Ein Unbekannter hatte auf zwei Autos geschossen. Der Fall ist weiterhin ungeklärt. | Foto: PZ-Archiv/Schuster2016/09/Polizeiaktion-nach-Schussen-in-Grossbellhofen-005.jpg

NÜRNBERGER LAND — War der mysteriöse Heckenschütze von Großbellhofen nicht der einzige, der im Landkreis Autofahrer aufs Korn genommen hat? In der Polizeilichen Kriminalstatistik der Laufer Inspektion finden sich drei versuchte Morde. Alles in allem sind die Straftaten 2017 zurückgegangen.

Da es sich bei der Kriminalstatistik um eine sogenannte Auslaufstatistik handelt, finden sich darin jene Straftaten, die im Jahr 2017 von der Laufer Inspektion an die Staatsanwaltschaft abgegeben oder deren Bearbeitung anderweitig abgeschlossen wurde. Das heißt also, dass das vermutlich Mitte Dezember ermordete Schnaittacher Ehepaar Placzek in der Statistik schon deshalb nicht auftaucht, weil das Kapitalverbrechen erst im Januar dieses Jahres aufgedeckt wurde.

Drei versuchte Morde finden sich aber in dem Zahlenwerk. Es handelt sich dabei in zwei Fällen um Schüsse auf Autofahrer bei Großbellhofen. Im September 2016 meldeten sich zwei Autofahrer bei der Polizei, weil sie auf der Staatsstraße 2236 zwischen Großbellhofen und der Autobahnausfahrt Schnaittach beschossen worden waren. Bei der Schwabacher Kriminalpolizei wurde eine Ermittlungskommission (EKO) mit dem Namen „Polo“ eingerichtet. Ermittelt wird wegen zweifachen versuchten Mordes.

Auch Land Rover beschossen

Erst jetzt, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik in der Laufer Wache, wurde bekannt, dass sich aufgrund der Berichterstattung im Oktober 2016 ein Mann aus dem Landkreis bei der Polizei meldete, der womöglich auch beschossen worden war. Die EKO „Polo“ prüfte, ob es einen Zusammenhang zum Fall bei Großbellhofen gibt. Doch dafür sprach nichts. Der Fahrer eines Land Rover hatte ein Einschussloch an seinem Auto festgestellt, konnte aber nicht sagen, wo und wann die Tat passiert war.

Den Zeitraum gab er mit 2014 bis Januar 2016 an, also viele Monate vor den Schüssen bei Großbellhofen. Womöglich hatte er das Fahrzeug sogar bereits mit dem Einschussloch gekauft. Zudem handelt es sich um ein anderes Kaliber. Bei Großbellhofen wurde ein Kleinkaliber verwendet, den Land Rover traf eine 9 Millimeter-Patrone. Die EKO „Polo“ hat die Arbeit mittlerweile aus Mangel an einer heißen Spur eingestellt, bis sich neue Hinweise auf den Täter ergeben.

Insgesamt ist die Laufer Polizei mit der Entwicklung der Kriminalität im Dienstbereich sehr zufrieden. Dienststellenleiter Günter Losse, der nur noch bis Monatsende die Laufer Inspektion führt und dann in den Ruhestand geht, spricht von einem „deutlichen Rückgang der Gesamtstraftaten. Wir stehen top da“. 256 Fälle oder 10,7 Prozent weniger als im Vorjahr wurden 2017 abgeschlossen. Vor allem im Schnaittachtal ereigneten sich deutlich weniger Straftaten als 2016.

Die Aufklärungsquote der insgesamt 2140 Straftaten war dabei, wie Losse betont, so hoch wie noch nie seit Beginn der polizeiinternen Aufzeichnungen, also seit rund 15 Jahren. Rund sieben von zehn Straftaten, exakt 69,9 Prozent, wurden aufgeklärt.

Bei den Einbrüchen ließ sich Anfang des Jahres 2017 feststellen, dass die Täter besonders gern in Schwaig und im Ortsteil Behringersdorf zuschlagen. Die gute Anbindung an die Autobahn könnte eine Erklärung der Einbruchsserie sein, spekulieren die Polizisten. Auch hier gehen die Beamten laut Losse von Banden aus, die nicht aus der Umgebung stammen. 53 Wohnraumeinbruchsdiebstähle, so der Fachbegriff, wurden 2017 bearbeitet, mit 23 dieser Taten traf es Schwaig, gemessen an den Einwohnerzahlen der Kommunen, extrem häufig. Die meisten dieser Fälle ereigneten sich im Winter 2016/2017.

Zum Vergleich: Im viel größeren Lauf wurde 2017 „nur“ 13 Mal eingebrochen, in Röthenbach viermal, in Schnaittach zweimal. Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen lag rund um Lauf 2017 bei 26,4 Prozent (2016: 23,9).

Die 2014 gegründete „Besondere Aufbauorganisation Wohnraumeinbruchsdiebstahl“ der Polizei Mittelfranken hat sich bewährt, sagt ein Polizeisprecher. Im Bezirk sanken die Fallzahlen beim Wohnungseinbruch von 1239 Fällen im Jahr 2016 auf 1129 Fälle 2017. Die Aufklärungsquote beträgt 26,8 Prozent, ein laut Polizei im bundesweiten Vergleich sehr hoher Wert.

15-Jähriger flüchtet im Auto

Unter den kuriosesten Fällen sind zwei Verfolgungsjagden. Ein 15-jähriger Laufer setzte sich im April mit über einem Promille Atemalkohol ans Steuer des Autos seiner verreisten Eltern. Als er in der Altdorfer Straße Schlangenlinien fuhr, fiel er der Polizei auf. Stoppen konnten ihn die Beamten erst kurz vor Schönberg.

Im September wollte eine Streife eine Frau in Neunkirchen kontrollieren. Die 31-Jährige hielt aber nicht an. Die Beamten blockierten mit drei Streifenwagen die Straße, doch die Frau rammte die Autos. Sie floh auf die A 9 und fuhr teilweise mit Tempo 180. Kurz vor der Ausfahrt Pegnitz hielt sie an. Die geistig verwirrte Frau wurde in eine Fachklinik eingewiesen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer