BRK bezeichnet Schritt als „überfällig“

„Nicht mehr zeitgemäß“

NÜRNBERGER LAND – Die Bundesärztekammer will die Einschränkung für homosexuelle Männer bei der Blutspende aufheben. Friseur Marcel Schneider ist ebenso erleichtert wie Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes.

Mit einem Beschluss aus dem Jahr 1993 wurden in Deutschland Männer, die Sexualverkehr mit Männern (MSM) haben, von einer Blutspende ausgeschlossen. Im November 2017 sind dann Lockerungen in Kraft getreteten und die Hämotherapierichtlinien wurden aktualisiert. Darin wurde „für Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt, eine Rückstellungsfrist von der Blutspende für zwölf Monate“ festgelegt. Damit waren MSM nicht mehr dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen und konnten zwölf Monate nach ihrem letzten Sexualverkehr zur Spende zugelassen werden.

Nun, rund vier Jahre später, wird homosexuellen Männern die Blutspende spürbar erleichtert: Bis Mitte September will die Bundesärztekammer die Einschränkung bei der Blutspende nun aufweichen. In einem veröffentlichten Schreiben einer Arbeitsgruppe, dem auch Vertreter des Robert-Koch-Instituts angehören, heißt es: „Bei Sexualverkehr ausschließlich innerhalb einer auf Dauer angelegten Paarbeziehung (schließt beide Partner ein) von nicht infizierten Partnern/Partnerinnen könne per se von keinem erhöhten Risiko für durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten ausgegangen werden. Ein erhöhtes Risiko ergebe sich erst aus einem zeitlich aktuellen Sexualkontakt mit Personen, deren Verhalten ein hohes Risiko für durch Blut übertragbare Infektionskrankheiten berge.

„Als ob wir wild rummachen“

Das bedeutet: Der Fragebogen für potenzielle Blutspender ändert sich. Bisher seien homosexuelle Männer automatisch angesehen worden, „als ob wir wild in der Gegend rummachen“, ärgert sich Marcel Schneider. Der bekannte Friseurmeister aus Rednitzhembach, der unter anderem in Altenfurt einen Salon betreibt und als stellvertretender SPD-Bezirksvorsitzender fungiert, setzt sich als bekennender Homosexueller seit vielen Jahren dafür ein, dass auch Schwule Blut spenden dürfen. Bereits in einem Bericht 2015 hatte sich Schneider gegenüber dieser Zeitung zum Thema Blutspende-Einschränkung für Homosexuelle geäußert und darin moniert: „Homosexuelle werden unter den Generalverdacht der Promiskuität gestellt, ihnen werden automatisch Krankheiten unterstellt. Man soll es nicht glauben, aber auch wir Schwule haben schon von Verhütung gehört.

Mit seinem Mann Heinz Röttenbacher ist Friseur Marcel Schneider (rechts) bereits seit elf Jahren verheiratet. Foto: privat2021/07/NL-Blutspende-Homosuell-Marcel-Schneider.jpg

Seit 28 Jahren ein Partner

Bis zur Bundesärztekammer habe er sich deshalb diskutiert und gestritten. Aber obwohl er seit 28 Jahren mit seinem Partner zusammen und seit elf Jahren mit ihm verheiratet sei, obwohl er angeboten habe, sechs Wochen lang HIV-Tests zu machen, durfte er nicht Blut oder Plasma spenden. „Ein Hohn“, ärgert sich Schneider, zumal es bei Organspenden diese Beschränkung nicht gebe. „In der kurzen Zeit von acht Stunden bis zu einer Herztransplantation ist ein HIV-Test aber gar nicht möglich.

Blut ist ein Lebenselixier“, stellt er klar, gerade jetzt sei es so wichtig, dass viele Menschen zum Spenden bereit sind. Dass das Verbot für Homosexuelle nun kippt, macht ihn „einerseits glücklich“, er werde sich trotz seiner Spritzenangst auf jeden Fall anmelden. „Andererseits macht es mich traurig“, denn jeder Blutspender tue das doch sehr verantwortlich. Ein lockeres Sexualleben gebe es sowohl bei Hetero- als auch bei Homosexuellen. „Der Ehemann, der zur Prostituierten geht, erzählt seiner Frau vielleicht nicht davon“, sagt er.

Ausschluss „nicht mehr zeitgemäß“

Das Rote Kreuz organisiert und führt das Blutspenden durch. Was hält man dort von der Aufweichung? „Überfällig“, sagt Rainer Braun, der Geschäftsführer im BRK-Kreisverband Südfranken. Der Ausschluss sei „nicht mehr zeitgemäß“, stellt er klar und ergänzt: „Wenn man jeden Tag einen anderen Partner hat, ist das bei Heterosexuellen genauso gefährlich.Patric Nohe, Pressesprecher des BRK Bayern, freut sich „über jeden, der zur Blutspende bereit ist, solange deren Sicherheit gewährleistet ist“. Und wenn aus dem Fragebogen zum Blutspenden, der sowieso regelmäßig aktualisiert werde, im September die Klausel der zwölfmonatigen Enthaltsamkeit für homosexuelle Männer herausfalle, „setzen wir das um“.

Bedarf an Blut steigt unplanbar

Aber im Moment sind wir damit beschäftigt, überhaupt genügend Spenden zu bekommen“, betont Nohe. Zwar sei es auch in der Krisenzeit gelungen, die Notversorgung mit Blutreserven aufrechtzuerhalten. „Doch das ist alles andere als selbstverständlich.“ Denn derzeit holen Kliniken die wegen Corona verschobenen Operationen nach. „Die nutzen den Zeitkorridor, von dem man nicht weiß, wie lang er ist. Also operieren sie auf höchstem Niveau.“ Die Folge: Der Bedarf steigt unplanbar – genau in einer Zeit, in der Urlaub und Freizeit im Vordergrund stehen. Wie die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren gezeigt haben, denken in dieser Jahreszeit weit weniger Menschen an das Blutspenden.

Info:
Die nächsten Termine zur Blutspende:
12. August: Gemeinde und Gesundheitszentrum Leinburg
(17.30 bis 20.30 Uhr).
13. August: Mittelschule Burgthann (17.30 Uhr bis 20.30 Uhr)
24. August: Grundschule Feucht (17 bis 20.30 Uhr).

Von Daniel Frasch und Carola Scherbel

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