Schlachtbetrieb gibt Preisdruck durch Großbetriebe als Grund an

Nach über 100 Jahren: Aus für den Schlachthof in Lauf

Auf dem Schlachthofareal in Lauf wird weiter Fleisch zerlegt und verkauft. Der Betrieb lässt künftig aber in Fürth oder Erlangen schlachten. | Foto: Sichelstiel2018/06/schlachthof-lauf-.jpg

LAUF — Nach 19 Jahren ist Schluss. Man sehe sich dazu gezwungen, das eigene Schlachten aufzugeben, heißt es in einer Pressemitteilung des Schlachtbetriebs Lauf, ohne konkrete Gründe zu nennen. Laut der zuständigen Behörde hat der Betrieb in den vergangenen Monaten Probleme gehabt, hygienerechtliche Vorschriften einzuhalten. Ein großer Einschnitt ist das für die Metzger in der Umgebung: Sie müssen nun zum Schlachten nach Fürth oder Erlangen fahren.

Die Entscheidung, nicht mehr selbst zu schlachten, hat die Geschäftsleitung am Mittwoch gefällt, heißt es in der Pressemitteilung. Die Zerlegung und Produktion fränkischer Fleisch- und Wurstwaren fänden weiterhin am Betriebsstandort in Lauf statt. Großhandel und Werksverkauf blieben unverändert bestehen.

Zunehmender Preisdruck

„Durch die aktuellen Entwicklungen sehen wir uns dazu gezwungen, das Schlachten aufzugeben“, werden die beiden Geschäftsführer, die Metzgermeister Klaus Pürner und Thomas Bührer, zitiert. Konkret benennen sie den zunehmenden Preisdruck durch Großschlachtereien wie den Marktführer Tönnies. Zudem habe es immer weniger Fachkräfte gegeben. Auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung wollten sich die Geschäftsführer nicht persönlich äußern.
Unklar ist, wie weit Hygienemängel des Betriebs zur Entscheidung führten. Seit Januar 2018 ist nicht mehr das Amt für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz am Landratsamt, sondern die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) in Kulmbach für die Überprüfung des Betriebs zuständig. Auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung heißt es seitens der Behörde, seit Januar sei der Betrieb achtmal kontrolliert worden, zuletzt am Montag. „Einige dieser Kontrollen wurden durchgeführt, um die Umsetzung zuvor angeordneter Maßnahmen zu überprüfen“, so die Behörde in einer Stellungnahme.

„Im Rahmen von Betriebskon­trollen hat die KBLV Verstöße gegen tierschutz- sowie hygienerechtliche Vorschriften festgestellt. Vor dem Hintergrund laufender Verfahren bitten wir um Verständnis, dass wir zu bestimmten Detailfragen momentan keine Auskunft geben können.“ Der Betrieb informierte die Behörde am Mittwoch, dass er die Schlachtung eingestellt hat.

Der Schlachtbetrieb Lauf war 1999 von den Metzgermeistern Pürner und Bührer gegründet worden. Sechs Jahre zuvor war der Städtische Schlachthof geschlossen und teilweise abgebrochen worden. Zuletzt beschäftigte der Laufer Schlachtbetrieb nach eigenen Angaben 25 Mitarbeiter. Nun verlieren zehn davon ihre Arbeitsstelle, weitere zwei werden in die Produktion übernommen, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Rund 150 Schweine und 20 Rinder wurden pro Woche geschlachtet, entweder für den Eigenbedarf des Unternehmens oder als Dienstleistung für Metzger und Bauern aus der Region. Der Betrieb lässt künftig in Fürth oder Erlangen schlachten. „Um dem Versprechen nach regionaler und verbrauchernaher Fleischerzeugung auch zukünftig nachzukommen, werden die Tiere weiterhin von heimischen Bauern bezogen“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Regionalität stirbt aus“

Für die Stadt Lauf und Umgebung sei es ein großer Einschnitt, dass es keinen Schlachthof mehr gibt, sagt Metzgermeister Manfred Weber von der gleichnamigen Laufer Metzgerei. „Die Regionalität stirbt in Lauf aus“, beklagt der CSU-Stadtrat. Er ließ bis vergangene Woche in Lauf schlachten und muss jetzt nach Fürth fahren. Sechs Stunden zusätzlich pro Woche kostet Weber das, rechnet er vor. Dreimal die Woche fährt er bis zu 15 Schweine oder Rinder von regionalen Bauern oder vom eigenen Hof nach Fürth und holt die Schweine- und Rinderhälften in Kühlautos nach Lauf tags darauf oder zwei Tage später wieder ab. Hinzu kommen höhere Benzin- und Personalkosten. „Das ist ein schwerer Einschnitt“, klagt Weber.

Nach Erlangen oder Fürth

Rund 15 bis 20 Metzger aus dem Nürnberger Land und darüber hinaus ließen zuletzt noch in Schlachtbetrieb Lauf schlachten, so der Metzgermeister. Sie alle müssen sich nun entscheiden, ob sie zu den Betrieben nach Fürth oder Erlangen fahren, oder ob sie sich künftig von Großhändlern beliefern lassen. Letzteres lehnt Weber ab, auch wenn es viel arbeitsintensiver ist, die Tiere selbst vom Bauern zu holen, in die Schlachterei zu fahren und die Tierhälften wieder abzuholen. Aber das sei „eine Image-Sache“, so weiterzumachen, sagt Weber.
Abgesehen von der viel längeren Anfahrt schwärmt der 50-Jährige allerdings vom Fürther Schlachthof. „Dort wird handwerklich gearbeitet. Wir haben uns nicht verschlechtert.“

In den 1990er Jahren schlachtete Weber noch selbst. Doch durch die hohen Auflagen gebe es in der Region immer weniger Metzgereien, die selbst schlachten, so Weber, darunter Willy Regler in Hüttenbach und weitere im Schnaittachtal.

Wird es in naher oder ferner Zukunft wieder einen Schlachtbetrieb in Lauf geben? Manfred Weber glaubt nicht daran. „Die Branche ist am Aussterben.“ Die Auflagen seien zu groß, es seien zu große Investitionen nötig. Auch die Zahl der Metzger geht zurück, beklagt der Stadtrat. „Keiner will mehr unseren Beruf machen. Das finde ich total traurig.“

Mit dem Aus des Schlachtbetriebs Lauf endet eine über 100-jährige Geschichte dieses Handwerks in der Kreisstadt. 1912 war an gleicher Stelle der städtische Schlachthof eröffnet worden. Hintergrund war damals, dass die hygienischen Verhältnisse beim Schlachten verbessert werden sollten, nachdem es zunehmend Trichinellose-Erkrankungen gab, wie der frühere Stadtarchivar Ewald Glückert in einem Aufsatz zur Geschichte des Schlachthofs 1994 schrieb.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer