Digitalisierung im Zeidelmuseum schreitet voran

Museum der Zukunft

Frank Landsgesell (links) und Ralph Reiwe präsentieren stolz die erste Medien-Stele des Zeidel-Pfads zum Thema Wildbienen vor dem Zeidelmuseum. | Foto: Johannes Gurguta2021/05/Feucht-NEU-Zeidelpfad-Reiwe-Landsgesell-scaled.jpg

Das Zeidelmuseum hat viele ambitionierte Pläne für die Zukunft. Seit einiger Zeit wendet sich der Verein hin zur Digitalisierung, jetzt kommt auch ein moderner, interaktiver Zeidel-Pfad in Feucht dazu.

Das Zeidelwesen ist seit Jahrhunderten eng mit dem Markt Feucht verknüpft. Kein Wunder, denn seit dem Mittelalter ist die Region bekannt für ihre Liebe zu Bienen, zum Honig und zum Handwerk. Das alles lässt sich im hiesigen Zeidelmuseum bestaunen. Jetzt will der leitende Verein in die Zukunft blicken und baut schon seit einigen Jahren das digitale Angebot aus. Nun kommt noch ein Lehrpfad in Form von digitalen und interaktiven Medien-Stelen zu den Themen Bienen, Zeidelwesen und Gesundheit.

Die Gesellschaft ist im Wandel und das wird ein absolutes Novum, das aber gleichzeitig generationsübergreifend bedient werden kann“, erklärt Ralph Reiwe, der erste Vorsitzende des Zeidelmuseums. Wichtig sei neben der neuen Technik auch deren leichte Bedienung. Die Stelen verfügen über einen Touchscreen, um die klar strukturierte Benutzeroberfläche zu steuern. Darauf befinden sich verschiedene Symbole, die beim Anklicken Informationen öffnen, ohne dabei unübersichtlich zu werden. Darin eingebettet sind Bilder und Videos, eine interaktive Karte informiert über den Standort der anderen Stelen, Besucher können beim Stations-Quiz ihr gerade angeeignetes Wissen testen.

Kinderleichte Bedienung

Wir haben alles so aufgebaut, dass es für die Interessenten, egal welchen Alters, kinderleicht zu durchschauen ist“, sagt Frank Landsgesell, zweiter Vorsitzender und gleichzeitig Programmierer der Software. Lediglich für einige Arbeitsschritte arbeite das Museum mit einer Designermannschaft zusammen. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die Inhalte der Stelen umprogrammieren lassen. „Damit gewährleisten wir einerseits Abwechslung, andererseits können wir beispielsweise für Schulen individuelle Projekte hochladen“, ergänzt er. Zurzeit kann der Zeidel-Pfad in den Sprachen Deutsch, Englisch und Rumänisch absolviert werden, ein Ausbau sei in Planung.

Die erste Stele steht direkt am Museumseingang, die anderen zwei sollen bis Ende Juni entlang des Gauchsbachs installiert werden. Das Projekt sei zu 95 Prozent fertig. „Die Hardwarekosten pro Stele sind 12 000 Euro, die Software haben wir selbst konzipiert und programmiert“, erzählt Reiwe. Die Kosten hat der Bildungsfond des Landkreises Nürnberger Land übernommen. Zusätzlich unterstützt die Raiffeisenbank kommende Projekte. „Die Gemeinde hat sich um die Fundamente gekümmert und den Strom gelegt, jetzt müssen wir die Stelen nur noch aufstellen und etwas Feintuning betreiben.

Die Stelen sind behindertengerecht aufgestellt und frei zugänglich, lediglich spät abends werden sie für einige Stunden abgeschaltet, um Strom zu sparen und Lichtverschmutzung zu vermeiden. „Außerdem sind die Bildschirme dank Panzerglas vandalismussicher, zumindest solange niemand mit einer Axt kommt“, versichert Reiwe.

„Besuchergruppen entzerren“

Die Medien-Stelen seien in vielerlei Hinsicht vorteilhaft. „Uns war ein benutzerfreundliches System wichtig, und so können wir große Besuchergruppen entzerren“, sagt Reiwe. Das sei schon vor Corona ein Problem gewesen, weil das Zeidelmuseum wegen des Alters des Gebäudes nur begrenzt Platz hat. Die Medien-Stelen sind nur ein Schritt auf dem Weg zum Museum der Zukunft. „Wir wollen neue Wege gehen und sind gerade dabei, Exponate zu digitalisieren“, sagt Reiwe. Dieses Projekt nennt der Verein Museum 3.0 und hat das Ziel, den Besuch erlebbarer zu gestalten. In jedem Raum wurden Touchscreens angebracht, um Informationen zu Ausstellungsstücken und der Geschichte des Zeidelwesens schnell und praktisch digital darzustellen.

Das funktioniert anhand von QR-Codes. Diese leiten den Nutzer auf den Zeidel-Assistenten weiter, eine Seite, die Texte, Bilder und Videos zum Thema liefert. „Das ist alles ohne eine App möglich, man muss sich lediglich in unser Intranet einloggen“, erklärt Landsgesell stolz. Bevor die Modernisierung vollzogen werden kann, ist es wichtig, Platz zu schaffen. Aus diesem Grund hat die Gemeinde das Nachbargebäude gekauft und dem Zeidelmuseum zur Verfügung gestellt. „Das wird etwas richtig Großes, wir werden Räume für Vorträge und Ausstellungen und eine Zeidel-Bibliothek einrichten“, erzählt Reiwe. Europäische Fördermittel sind dank des detaillierten Konzepts zugesprochen.

Trotz der Digitalisierung sollen das Museum und die Exponate weiter im Vordergrund stehen. Neue Kunden sind wichtig, Traditionen aber auch. Daher setzt das Museum stark auf den Ausbau des angrenzenden Hauses. Außerdem erweitert das Museum sein Angebot um vier zusätzliche, analoge Stationen. Diese behandeln unter anderem regionale Blühpflanzen und einen überarbeiteten Lehrbienenstand. Ein gesunder Mittelweg zwischen Tradition und Moderne sei wichtig, um generationsübergreifend und überregional bekannt zu werden. „Ein stetiger Prozess, für den wir bereit sind!“, betont Reiwe.

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