Brennstoffzelle aus Altdorf

Mit Wasserstoff in die Pole Position

Der Wasserstoff als Energieträger für die Mobilität: In Altdorf entwickelt ZSI Technology seit dem vergangenen Jahr einen Antrieb für Pkw, Kleintransporter und Gabelstapler. Ein Netzwerk von Unternehmen soll die Wasserstoff-Technologie in der Region verankern. | Foto: Stock 57/stock.adobe.com2021/06/Altdorf-Wasserstoffantrieb-scaled.jpg

ALTDORF/LINDELBURG – Das Altdorfer Unternehmen ZSI Technology entwickelt einen H2-Antrieb. Ein Netzwerk soll die alternative Energie in der Region voranbringen.

Wasserstoff ist der große Hoffnungsträger für den Fall, dass sich der alleinige Fokus auf die Elektromobilität als Irrweg erweist. Die Wasserstoff-Technologie steht zwar noch am Anfang, kommt aber in großen Sprüngen voran. Ein Netzwerk von Unternehmern und Ingenieuren will nun alles daransetzen, Firmen aus der Region bei der neuen Technologie in eine Pole Position zu bringen, mit dabei auch Angela Werbik, Geschäftsführerin von ZSI Technology in Altdorf, wo derzeit mit Hochdruck an der Entwicklung eines Wasserstoffantriebs gearbeitet wird.

Angela Werbik von ZSI Technology. Foto: privat2021/06/Altdorf-Angela-Werbik.jpg

Das mittelständische Unternehmen mit Sitz im Unterwellitzleithener Gewerbegebiet an der A 6 entwickelt und produziert mit 140 Mitarbeitern Bauteile und Komponenten für die Automobil- und Luftfahrtindustrie. Schon früh standen bei ZSI angesichts des Hypes um die E-Mobilität Fragen im Raum. Woher kommen die riesigen Strommengen, die benötigt werden? Und wie gelingt ein funktionierendes Batterie-Recycling? Elektro-Mobilität ist möglicherweise nicht das einzige Pferd, auf das Politik und Wirtschaft auf dem Weg weg vom Verbrennungsmotor setzen sollten.

Bei der Wasserstoff-Technologie konzentrieren sich die Entwickler weltweit auf große Fahrzeuge, auf Schiffe und Flugzeuge, weil der Einsatz von Batterie-Technik hier schwierig ist. Die Sparte der kleineren Fahrzeuge – vom Kleintransporter über den Pkw bis zum Gabelstapler – wurde aber vernachlässigt. Genau für diesen Bereich arbeiten die Altdorfer an einer einsatzfähigen Brennstoffzellentechnik.

Brennstoffzelle für Pkw

Im vergangenen Jahr ist ZSI Technology in die Entwicklung eingestiegen. Angela Werbik ist zuversichtlich, dass noch im Verlauf der kommenden zwölf Monate eine Brennstoffzelle für den Einsatz in Pkw oder anderen Fahrzeugen zur Verfügung steht. Die Wasserstoff-Technik setzt zwar unter anderen auch Toyota schon ein, den Fahrzeugen fehlt aber jegliche Dynamik. Mit der Altdorfer Brennstoffzelle könnte laut Werbik dieses Manko überwunden werden.

Wolfgang Schmid, Unternehmensberater und Innovations-Experte aus Lindelburg, weist auf die schwierige Lage der Unternehmen hin, die als Zulieferer direkt den Umbruch in der Automobilindustrie zu spüren bekommen. Der wichtigste deutsche Industriezweig hatte bereits vor Corona massive Probleme. Zum Wechsel vom Verbrenner zum E-Antrieb gesellten sich härter gewordene Wettbewerbe mit den USA und zusätzlich auch mit China. Das Ganze schlägt auch durch auf die zahlreichen Zulieferfirmen in der Region. „Viele Arbeitsplätze sind in Gefahr“, warnt Schmid.

Innovations-Experte Wolfgang Schmid. Foto: privat2021/06/Lindelburg-Wolfgang-Schmid.jpg

Schlechte Perspektiven für Zulieferer

Er beobachtet, dass die Unternehmen derzeit nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten suchen, um Arbeitsplätze zu retten und profitabel zu bleiben. E-Mobilität versprach eine Zeit lang die Rettung. Allerdings sind die Perspektiven für Zulieferer im Automobilbereich hier eher schlecht. „Ein E-Auto benötigt ja nur den Bruchteil der Bauteile eines Verbrenners, und diese Teile kommen heute schon zu günstigeren Preisen aus China“, resümiert Schmid.

Wenn sich die Zulieferer also voll und ganz auf die E-Mobilität konzentrieren, sieht die Zukunft für sie düster aus. Der Innovationsberater aus Lindelburg befürchtet dann den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Region. Hier kommt die Wasserstoff-Technologie ins Spiel, die für Schmid und seine Kollegen im Innovationsnetzwerk den „vielversprechenden Ausweg“ darstellt. „Hier ist alles noch offen, die Karten werden neu gemischt“, betont Schmid. Eine traumhafte Situation für Unternehmer also, die Neues wagen wollen.

Verschiedene Anwendungsbereiche

Das Innovationsnetzwerk bezeichnet die Chancen für die Wasserstoff-Technologie in der Region jedenfalls als ausgezeichnet. Deren Anwendungsmöglichkeiten sind bekanntermaßen zahlreich: Sie reichen von der Antriebstechnologie über die CO2-neutrale Versorgung mit Heizenergie bis zum Betrieb von Kleinkraftwerken. Wofür die Wasserstoff-Technologie künftig überwiegend eingesetzt wird, ist noch offen. „Klar ist aber, dass die Unternehmen der Metropolregion schon heute ganz vorn dabei sein sollen“, ist Schmid überzeugt.

Gemeinsam mit Schmid arbeitet ein Experten-Team daran, hiesige Firmen in Sachen Wasserstoff-Technologie auf dem Laufenden zu halten. Kollegen von Schmid im Netzwerk sind der Altdorfer Projektmanager für künstliche Intelligenz, Franz-Josef Herchenbach, von ZSI Technology Altdorf ist Angela Werbik dabei, zuständig für Forschung und Entwicklung. Stefan Grosse vom gleichnamigen Ingenieurbüro übernimmt die Fördermittelberatung. Die Netzwerk-Mitglieder sind überaus optimistisch, was die Verankerung der neuen Technologie in der Region angeht.

Info:
Das Projekt ist gerade erst an den Start gegangen. Über die zahlreichen Initiativen, die sich unterschiedlichen Aspekten der Wasserstofftechnologie widmen und diese nutzbar machen, informiert die Webseite https://cbnetwork.de/h2-projekt.

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