Stadtrat Hersbruck

Lothar Grimm geht als Stadtbaumeister in den Ruhestand

Robert Ilg überreichte dem Frieder-Sand-Fan Lothar Grimm zum Abschied eine Ansicht der Hersbrucker Spitalkirche des vor einigen Jahren verstorbenen Künstlers. | Foto: J. Ruppert2019/11/Grimm.jpeg

HERSBRUCK – Wenn auf eine Amtszeit der Begriff „Ära“ zutrifft, dann auf die von Lothar Grimm: Ein Vierteljahrhundert lang gestaltete der Stadtbaumeister das Bild Hersbrucks an entscheidender Stelle mit. Ende November räumt er seinen Schreibtisch und geht in den Ruhestand. „Lothar Grimm hat große und sichtbare Spuren hinterlassen“, würdigte Bürgermeister Robert Ilg die Leistungen.

Viele und wichtige Stunden verbrachte der künftige Rentner im Bauausschuss des Hersbrucker Stadtrates, wo die Entscheidungen über große und kleine Bauprojekte fallen. Robert Ilg wählte deshalb eine Sitzung des Gremiums im großen Saal des Stadthauses als würdigen Rahmen für einen Rückblick. Der Stadtbaumeister war planerisch, baurechtlich und vor allem auch künstlerisch mitverantwortlich für viele Meilensteine in den letzten 25 Jahren bis hin zur aktuellen Großbaustelle Kuhpegnitzbrücke.

Arzbergwegunterführung in der Südstadt, Altensittenbacher Feuerwehrhaus, die Außensanierung der Grete-Schickedanz-Schule, Umbau der Altensittenbacher Grundschule und die Pegnitzbrücke bei der TV-Sporthalle sind nur einige Werke unter Lothar Grimms Federführung. „Das Scharfe Eck wurde unter seiner Leitung kreisrund“, sagte Robert Ilg.

Raum für Menschen

Als herausragend bezeichnete der Rathauschef Ideen und Ausführung zum Kinderkompetenzzentrum mit Geru-Halle, Schülerhort, Mensa und Unterrichtsräumen. Auch die Bocksche Scheune als Teil des Hirtenmuseum-Ensembles trägt die Handschrift des Chefs der Bauverwaltung. Mehr als nur Spuren hinterließ er als Architekt bei mehreren Kindertagesstätten. Seine Philosophie lautet: „Man entwirft ein Gebäude nie alleine um der Architektur willen. Im Zentrum aller Überlegungen steht der Mensch. Es ist sein Raum.“ So ergeben zum Beispiel die Fenster in einer Krippe eine Lok.

Lothar Grimm setzte auch besondere Akzente, wie die Wasserrinne in der Martin-Luther-Straße im Zuge der Sanierung der Straßen in der Altstadt.
„Viele kleine Details haben die Stadt Hersbruck lebenswert gemacht“, lobte Stadtrat Norbert Thiel, der Dienstälteste im Bauausschuss, solche Verschönerungen und sagte „Vergelt’s Gott“. Robert Ilg strich zudem den unermüdlichen Einsatz des Rentners in spe heraus: „Er war in aller Frühe im Büro und ist spät gegangen.“

Stück Geschichte

Zweiter Bürgermeister Peter Uschalt beschrieb für die vier Fraktionen im Stadtrat Lothar Grimm als „äußerst verlässlichen, sachlichen, offenen und kommunikativen Gesprächspartner“. Die Mandatsträger hätten auf ihre Fragen nie eine schwammige oder pampige Antwort bekommen. Peter Uschalt anerkannte, dass der Stadtbaumeister ein „Stück Stadtgeschichte geschrieben hat“.

Lothar Grimm sagte, dass ihm alle Aufgabenbereiche, egal ob es um Gebäude, Straßen, Plätze, Wasserrinne, Kläranlage oder sonstiges ging, Spaß gemacht haben. Ihm ging es darum, die Identität der Stadt zu bewahren. Seinem Nachfolger Thomas Beygang hat er in den letzten Monaten mit vielen Interna vertraut gemacht. „Ich gehe mit guten Ideen in die Zukunft“, sagte dieser. Eine Aufgabe ist zum Beispiel die bessere Erschließung der Stadtmauer. Seinen Ruhestand möchte Grimm nutzen: Er strebt ein Kunstgeschichte-Studium an. In seiner Zeit bei der Stadt archivierte er 4000 Werke des Malers Frieder Sand.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert