Umweltminister zu Gast

Lob für Kletterkonzepte in der Hersbrucker Schweiz

Stippvisite am „Roten Fels“ bei Rupprechtstegen: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (2. von rechts) zeigte sich vom Kletterkonzept begeistert. | Foto: K. Bub2019/11/DSC_1746.jpeg

RUPPRECHTSTEGEN – Für Uhu und Wanderfalke ist ein Felsen Brut- und Lebensraum, für den Kletterer ist es ein Sportparadies. Was sich zunächst nach einem unüberwindbaren Interessenkonflikt anhört, muss aber gar keiner sein. Das zeigen die Kletterkonzepte in der Hersbrucker und der Fränkischen Schweiz, die nun sogar Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ins Obere Pegnitztal lockten.

Anlass für den Besuch des Ministers am „Roten Fels“ bei Rupprechtstegen war genau genommen der 40. Geburtstag der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. Die hat die Erhaltung wild lebender, heimischer Vogelarten zum Inhalt. Von Uhu und Wanderfalke zum Beispiel. Die beiden nutzen hauptsächlich Felsen als Brutplatz und sind sehr empfindlich, was Störungen anbelangt. Wie also die Tiere schützen, wenn es im Frühjahr und Sommer die Kletterer ebenfalls hinaus an den Fels zieht?

Eines der ersten

Um Naturschutz und Klettersport unter einen Hut zu bringen, setzten sich Naturschutzverbände, Behörden sowie Kletterverbände hier schon vor Jahrzehnten an einen Tisch und entwickelten sogenannte Kletterkonzepte. Eines der ersten war das für die Hersbrucker Alb (1995/96).

Kletterkonzepte sind im Grunde schnell erklärt. Sie teilen die Felsen in verschiedene Zonen ein: In Zone 1 ist Klettern überhaupt nicht erlaubt. Zone 2 lässt Kletterer nur auf bestehenden Routen zu. Und in Zone 3 hat der Kletterer freie Bahn und darf sogar neue Routen erkunden. Neben der Zonierung sind auch befristete Komplettsperrungen von Felsen möglich, in der empfindlichen Brut- und Aufzuchtzeit von Uhu und Wanderfalke etwa. Die jeweiligen Zonen sind am Fels mit Schildern kenntlich gemacht, ebenso die vorübergehenden Sperrungen.

Während in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg das Klettern an Felsen aus Naturschutzgründen grundsätzlich nicht gestattet ist, ermöglichen die Kletterkonzepte in der Hersbrucker und der Fränkischen Schweiz den Sportlern, ihr Hobby in der freien Natur auszuüben. Und die freiwillige Selbstbeschränkung des Klettersports funktioniert. „Ein Beispiel, von dem man andernorts lernen kann“, freute sich LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer.

„Die Region ist mittlerweile ein Hotspot für Uhu und Wanderfalke“, lobt Ulrich Lanz, stellvertretender Leiter vom Artenschutzreferat beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Knapp 60 Uhu- und 25 Wanderfalkenpaare gebe es derzeit in der Hersbrucker und der Fränkischen Schweiz. Am „Roten Fels“ in Rupprechtstegen brüte auch ein Wanderfalkenpaar. Das ließ sich an diesem Vormittag natürlich nicht blicken. „Und für den nachtaktiven Uhu sind wir zwölf Stunden zu spät oder zu früh dran“, scherzte Lanz. Ministerbesuch hin oder her.

Dranbleiben ist nötig

Damit die Kletterkonzepte auf Dauer funktionieren, sei ein stetiges Einholen von Informationen nötig: Wo lassen sich gerade welche Vogelarten nieder? Wo wird gebrütet? Wo ist gerade deshalb vielleicht eine vorübergehende Komplettsperre nötig? Das alles erfordert viel Engagement. Zwar gibt das Umweltministerium finanzielle Unterstützung – ins Artenhilfsprogramm „Felsbrüter“ flossen seit 2011 insgesamt etwa 700 000 Euro. Dennoch: „Das ist bei weitem nicht das, was Sie ehrenamtlich leisten“, lobte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber die an den Kletterkonzepten beteiligten Organisationen: IG Klettern, DAV und LBV.

Auch Guido Köstermeyer, Vize-Präsident des DAV, stellte die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten heraus. Der sei es letztendlich zu verdanken, dass ein komplettes Kletterverbot hier vom Tisch sei – in einem Gebiet, das mit seinen unzähligen Routen bis in höchste Schwierigkeitsgrade von weltweiter Bedeutung sei.

Mit Vorbildcharakter

Dass die Kletterkonzepte so greifen, liege vor allem aber auch an den Kletterern. „Sie haben einen hohen Bezug zur Natur“, sagte Thorsten Glauber. Das konnte Hartensteins Bürgermeister Werner Wolter nur bestätigen. Und auch Sven König, der die Internetseite www.frankenjura.com betreibt und dort nicht nur Kletterfelsen und -routen verzeichnet, sondern auch auf aktuelle Sperrungen hinweist, meinte: „Viele Hinweise, wo welche Vögel brüten, gehen auch direkt von den Kletterern selbst ein.“ Die freiwillige Selbstverpflichtung – sie greift.

N-Land Katja Bub
Katja Bub