Verbindung von Kultur und Integration

Kult bei Vollmond

Gaukler, Musik und Kostüme: Der erste Schwarzenbrucker Mondscheinmarkt im Jahr 2011 war ein voller Erfolg. | Foto: Alex Blinten2021/06/Schwarzenbruck-Mondscheinmarkt-Jubilaeum-scaled.jpg

Nach 2020 droht der Mondscheinmarkt in Schwarzenbruck auch in diesem Jahr auszufallen.

Es wird geplaudert, gelacht, gegessen und getrunken. Der Mondscheinmarkt am Plärrer in Schwarzenbruck ist eine beliebte Institution. Er findet zwischen April und Oktober immer zum kalendarischen Vollmond statt. Im vergangenen Jahr musste er jedoch ausfallen. „Das war wirklich traurig“, sagt Fritz Schneider, Mitbegründer vom KulturNetzwerk Schwarzenbruck und des Markts. Der Verein gründete sich 2009 mit dem Ziel, ehrenamtlich kulturelle Veranstaltungen aller Art zu organisieren, Schneider arbeitete acht Jahre lang intensiv mit.

Mit dem ersten Mondscheinmarkt nach dem Vorbild mittelalterlicher Märkte hatte man das Ziel, den damals sehr umstrittenen Plärrer zu beleben. „Der Plärrer war eine ewige Baustelle, es wurde geplant, wieder verworfen und viele Schwarzenbrucker stellten sich gegen das Bauprojekt“, erklärt er. So wurde der erste Markt noch vor Fertigstellung auf der Baustelle abgehalten.

Ein riesiger Ansturm

Anfangs waren die Schwarzenbrucker Kulturschaffenden noch skeptisch, ob sich das ausgearbeitete Konzept rentieren würde. Eine Bühne wurde aufgebaut, mehrere Stände aufgestellt, bei denen es Essen und Getränke für die Besucher gab. Geholfen habe dem Verein unter anderem die Gemeinde, die Bierbänke bereitstellte, die Feuerwehr, die am Bierausschank stand, und der TSV, der die hungrigen Gäste mit Bratwürsten versorgte.
Im Juni 2011 war es dann soweit. Man rechnete mit höchstens 150 Gästen, am Ende kamen 500.

Der erste Mondscheinmarkt sei binnen einer halben Stunde voll gewesen. „Wir wurden an diesem Tag überrannt“, erzählt Schneider rückblickend. Selbst Bier, Wein und Bratwürste gingen zur Neige, was viele Schwarzenbrucker veranlasst habe, die eigenen Vorräte an den Plärrer zu bringen. Seitdem findet der Markt sechs- bis achtmal im Jahr statt. Der Eintritt ist immer frei, mit den Einnahmen der Buden werden Bands und Musiker finanziert und die Nebenkosten gedeckt. „Das hat immer super funktioniert.“ Meist seien regionale Musiker aufgetreten, manchmal aber auch Bands aus den USA, die in Deutschland auf Tour waren. „Bis jetzt waren schon über 60 Musiker zu Gast“, erzählt er.

Das Besondere am Mondscheinmarkt sei aber das ständig wechselnde Motto. „Dieses haben wir meistens dem Zeitgeschehen angepasst.“ In einem Jahr hieß es zum Beispiel Europa. „Da haben die Stände ein jeweiliges Land repräsentiert und auch ihr Angebot danach ausgerichtet“, erinnert sich Schneider. Andere Mottos waren beispielsweise Fußball, verschiedene Jahrzehnte und Märchenland, was sich auf Spiel und Spaß für Kinder ausrichtete. Es sei eine Abkehr von Smartphones und Tablets hin zu klassischem Vergnügen, betont Schneider.

Jeder packt mit an

Eine weitere Besonderheit: jeder hilft mit, egal aus welcher Gesellschaftsschicht. In einem Jahr seien viele Asylbewerber aus Rummelsberg zur Unterstützung gekommen. „Es ist ein kommunikatives Treffen, das Kultur und Integration verbindet, quasi ein Fest der Liebe“, erklärt Schneider. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass der Mondscheinmarkt keinen finanziellen Ansporn hat. „Der Fokus liegt auf Spaß und einer guten Zeit und nicht auf dem Verkauf von Produkten“, stellt er klar. Das mache den Markt auch so beliebt, sowohl bei Schwarzenbruckern als auch bei Auswärtigen. „Er hat Schwarzenbruck verändert, zur Kulturstadt gemacht und ist für mich einfach Kult.

Doch auch 2021 werden die Bürger auf ihren Markt wohl verzichten müssen: Wie Bürgermeister Markus Holzammer mitteilt, werde es tendenziell eher keinen Mondscheinmarkt geben. „Wir müssen die Entwicklung des Infektionsgeschehens abwarten“, erklärt er. „Wenn überhaupt“, führt er aus, „wird er erst im September oder Oktober möglich sein.

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