Monobo Son im Brauhaus Altdorf

Krasser Scheiß

Hände hoch für Monobo Son und Publikum, die den Abschluss der "Geh scheissen"-Tour im Altdorfer Brauhaus feierten. | Foto: Hornung2018/03/Altdorf-Monobo-Son1.jpg

ALTDORF – Wie viel Glück kann man eigentlich haben? Scheiß viel, wie das Konzert von Monobo Son im Brauhaus gezeigt hat. Die Band von LaBrassBanda-Posaunist Manuel Winbeck ist seit ihrem Überraschungsauftritt bei MIA 2016 gern gesehener Gast in Altdorf. Das letzte Konzert der Tour war das erste, das ausverkauft war – innerhalb von nur zwei Tagen. Und auch dieses Mal passierte wieder etwas vollkommen Überraschendes.

Plötzlich ändert sich was am Sound. Irgendetwas stimmt da nicht mehr. Dann funkt und blitzt es am linken Bühnenrand. Von hinten quetscht sich ein Techniker durch die Menge. Severin Rauch bleibt am Schlagzeug sitzen und spielt sein Solo, als ob er der einzige Rauch im Raum wäre. Hinter ihm steigen kleine Qualmschwaden auf und verwirbeln im pinken Scheinwerferlicht. Die Endstufe ist hin.

Das Konzert hätte jetzt aus sein können. Zumindest der verstärkte Teil. Denn wer Monobo Son schon einmal gesehen hat, ahnt, dass sie es sich sicher nicht hätten nehmen lassen, unplugged inmitten der Menge weiter zu spielen. Aber was dann passiert, ist einfach genial! Während Rauch alle Register zieht, Rasseln klackert, Sticks wirbelt und seine Schlägel über die Snare schnurren lässt, rennt Wutschgo Strehl nach draußen zu seinem Auto. Kurz darauf trägt der hiesige Tontechniker einen großen Pappkarton durch den Seiteneingang, packt aus, Schaumfolie fliegt durch die Luft. Severin Rauchs Bass Drum hämmert den Takt für den Umbau, den die ersten Reihen des Publikums jubelnd, klatschend, tanzend verfolgen. Just an diesem Tag hat sich Strehl, freier Tontechniker in der Region und Mischer im Brauhaus, exakt das Gerät angeschafft, das abgeraucht ist. Was für ein glücklicher Zufall!

Manu Winbeck und Wolfi Schlick bei einer gemeinsamen Gesangspassage, Severin Rauch (links) wird später mit seinem 20-minütigen Drum Solo den Umbau begleiten.2018/03/Altdorf-Monobo-Son2.jpg

 

Die Gaudi geht weiter! Die Band hat das Publikum bereits aufs Feinste angeheizt. Monobo Son, das sind Sänger und Posaunist Manuel Winbeck, sein Bruder Johannes Winbeck an der Tuba, Wolfi Schlick an Querflöte und Saxophon, Fabian in Vertretung für Benedikt Dorn an der Gitarre und Severin Rauch am Schlagzeug. Mit ihrem ersten Album „Jambo“ sind sie bereits zweimal in Altdorf aufgetreten. Dieses Mal haben die Jungs aus München Songs ihrer neuen EP mit dem deftigen Namen „Scheissen“ im Gepäck. „Scheissen“ ist laut Winbeck „einfach so komma“. Hinter dem provokanten Titel steckt die simple Erkenntnis, dass auf dem Häusl alle gleich sind – egal ob jung oder alt, arm oder reich. Vor der Titel gebenden, wiegenden Ohrwurm-Nummer „Scheissen“ steigen Monobo Son mit dem selbstironischen Kopfnicker-Song „Komisch“ ins Programm ein und geben einige ihrer alten Hits zum Besten.

Von Humpa bis Hip Hop

Leichtfüßig bedienen sich die studierten Musiker verschiedenster Genres und ihrer Musikinstrumente-Sammlung, vereinen bayerische Texte und Humpa-Humpa-Haltung mit Gipsy, Jazz, Soul, Hip Hop und technischer Raffinesse. Frontmann Manuel Winbeck erklärt nach dem ersten Song, gesundheitlich etwas angeschlagen zu sein. Das hält ihn aber nicht davon ab, nach dem zweiten Lied „Vollgas“ und das Ende des gemütlichen Teils zu verkünden. Auf die Bühne zu steigen und bloß zu singen und zu spielen, käme für Winbeck wohl nicht in Frage. Er bezieht das Publikum mit ein, kitzelt und krault es, lobt und fordert es heraus. Mitsingen ist Muss.

Für den Jambo-Hit „König von der Strass“ lässt er Männer und Frauen getrennt gegeneinander antreten und erklärt, der Song müsse mit der Lautstärke der Männer und der Präzision der Frauen gesungen werden. Kein Problem, die Altdorfer legen sich ins Zeug und meistern nicht nur den „König“ mit Inbrunst.

Kurz nachdem dann die Panne mit der Endstufe gerichtet ist, kündigt Winbeck das Ende des Konzerts an. Aber Monobo Son wären nicht Monobo Son, wenn sie dann nicht noch fünf Zugaben gespielt hätten, bevor sie mit einem lauten „Tourabschluss“-Schrei unter frenetischem Applaus die Bühne in Richtung Bar und Merch verlassen.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung