Keine Analogtechnik mehr im Landkreis

Jetzt funken die Feuerwehren digital

Diese Oedenberger Feuerwehrmänner zeigen es: Die bisherigen Handfunkgeräte (rechts) waren klobig und zuletzt kaum noch zu reparieren. Manche von ihnen waren immerhin schon 40 Jahre alt. Die neue Technik (links) ist deutlich handlicher, sie bietet unter anderem eine bessere Sprachqualität und weniger Funklöcher. | Foto: Sichelstiel2018/04/digitalfunk-feuerwehr-oedenberg.jpg

NÜRNBERGER LAND — Was die Politik eigentlich schon für die WM 2006 versprochen hatte, ist im Nürnberger Land seit Samstag Realität: Die Feuerwehren funken nun komplett digital. Das Aus für die alte Analogtechnik bringt laut Kreisbrandinspektion viele Vorteile. Dazu gehören weniger Funklöcher, bessere Sprachqualität und Abhörsicherheit.

Für die kleine Oedenberger Feuerwehr beginnt eine neue Ära. Erstmals müssen die Ehrenamtlichen aus dem Laufer Ortsteil nicht mehr aufs Telefon zurückgreifen, wenn sie mit der Leitstelle reden wollen. Um nach der Alarmierung per Funkmelder zurückzufunken, fehlte es den Ehrenamtlichen nämlich schlicht an Ausrüstung. Sie sind nur mit einem Feuerwehranhänger ausgestattet, der an einen Traktor gehängt wird, und dieser Anhänger hat keinen eigenen Fahrzeugfunk. „Also mussten wir halt das Handy nehmen“, sagt Thomas Fiedler, stellvertretender Kommandant.

Das ist jetzt vorbei: Die zwei fast schon historischen Analogfunkgeräte der Oedenberger werden durch moderne Digitalgeräte ersetzt. Damit können sich die gerade einmal neun Aktiven nicht mehr nur untereinander, sondern auch mit der Leitstelle verständigen. „Für uns ist das schon echt gut“, sagt Fiedler.

Landkreisweit stellen 127 Feuerwehren mit dem heutigen Tag die sogenannte übergeordnete Kommunikation – also den Fahrzeugfunk und die Kommunikation mit der Leitstelle in Nürnberg – von analog auf digital um. Der Funk an der Einsatzstelle läuft laut dem zuständigen Kreisbrandinspektor Bernd Haslinger bereits seit zwei Jahren digital.

Mit der vollständigen Umstellung endet eine jahrelange Planungsphase. Ursprünglich sollte die Digitaltechnik, die alle Behörden und Organisationen miteinander verbindet, bereits bei der WM 2006 eingesetzt werden. Doch Bund und Länder stritten sich über die Finanzierung. In Bayern erfolgt die Einführung nun schrittweise, „wir sind einer der letzten Landkreise“, sagt Haslinger.

Er und seine Helfer in den einzelnen Feuerwehren – alle ehrenamtlich tätig – sind seit 2013 mit der Mammutaufgabe befasst. Die komplexe Technik, sagt der Kreisbrand­inspektor, erfordere einen hohen Ausbildungsaufwand. Viele Schulungen seien bis zum heutigen Tag notwendig gewesen. Hinzu kam die Beschaffung und der anschließende Einbau der Geräte. Darum musste sich jede Kommune im Nürnberger Land selbst kümmern. Ein Rahmenvertrag mit einem Hersteller sorgte allerdings wegen der insgesamt hohen Stückzahlen für günstige Preise. Insgesamt sind 1300 Geräte im Einsatz (siehe Kasten).

Zu geringe Datenmengen?

Die von der Gewerkschaft der Polizei geäußerte Kritik an dem neuen Digitalfunk teilt Haslinger aus Feuerwehrsicht nicht. Die Beamten beklagen sich unter anderem darüber, dass größere Datenmengen nicht übertragen werden können. Bilder oder Videos von einer Einsatzstelle verschicken die Polizisten deshalb über Diensthandys, obwohl die Industrie genau diese Funktionen beim Digitalfunk versprochen hatte. Haslinger: „Für uns ist die Sprache wichtig, bei Bildern haben wir momentan keinen Bedarf.“ In Sachen Sprachübertragung gibt es viele Pluspunkte – allen voran die bessere Funkversorgung in Randlagen des Landkreises. „Man kann jetzt fast überall im Nürnberger Land direkt mit der Leitstelle sprechen“, so der Kreisbrandinspektor, der aus Schwarzenbruck kommt. Funklöcher waren vor allem im Hersbrucker Raum ein Problem, auch die Oedenberger können ein Lied davon singen.

Bei großen Einsätzen können die Feuerwehren nun nicht nur untereinander funken, egal aus welchem Ort sie kommen, sie können sich auch mit der Polizei, dem Rettungsdienst oder dem THW verständigen. Bayernweit 500 000 Einsatzkräfte seien auf diese Weise zumindest in der Theorie vernetzt, schätzt die „Autorisierte Stelle Bayern Digitalfunk“ beim Landes­kriminalamt.

Bei Großübungen haben die Landkreisfeuerwehren den Einsatz der neuen Geräte schon geübt, nun müssen diese sich in der Praxis bewähren. Die nächste Aufgabe ist auch schon klar: die Umstellung der Alarmierung über Funkmelder und Sirenen. Auch hier ist Digitalisierung angesagt.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel