Viele Faktoren

Im Sittenbach nimmt der Forellenbestand ab

Gerade in kleinen, seichten Bächen, die sich schnell erwärmen und im Sommer weniger Wasser führen, können Fische wie die Bachforelle nicht lange überleben. | Foto: Marcelo Dufflocq - stock.adobe.com2019/04/AdobeStock_13448943.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ beklagte den Rückgang der Insekten im ganzen Land, doch auch zu Wasser scheint es in manchen Bereichen nicht gut auszusehen.

Sascha Green kann sich noch erinnern, dass der Sittenbach früher ein begehrtes Gewässer bei Hobbyfischern war. Doch schon 2016, als er den Fischerei-Pachtvertrag unterzeichnete, sei er der einzige Bieter gewesen. „Im ersten Jahr haben wir zwei relativ große Forellen aus dem Bach gezogen“, erzählt er. Eine geringe Ausbeute für ein ganzes Jahr. Als er die Tiere ausnahm, staunte er nicht schlecht: Die Fische hatten tote Mäuse im Magen. Green führt das darauf zurück, dass die Forellen nichts anderes zu fressen fanden. „Der Insektenschwund wirkt sich auch auf den Fischbesatz aus. Sie finden einfach weniger Nahrung.“

Hinzu kommt nach Greens Meinung der abnehmende Wasserstand. Gerade Gewässer wie der Sittenbach haben in langen Trockenzeiten wie im vergangenen Jahr wenig Puffer. Auch Ausspülungen, so genannte Gumpen, in denen sich die Fische verstecken, sind Mangelware. Und der Reiher täte als Fischjäger sein Übriges. Der Forellenbesatz sei Richtung Pegnitz abgewandert, wo es noch mehr Lebensraum gebe.

Auch Martin Löder, Gewässerwart des Fischereivereins Hersbruck, führt ähnliche Faktoren als Gründe für das Verschwinden von Forellen in den heimischen Gewässern an. Durch die steigenden Temperaturen sinke nicht nur der Wasserpegel, das Nass erwärmt sich auch mehr und ist dadurch sauerstoffärmer. „Forellen halten es kurzfristig bei 24 Grad Wassertemperatur aus, aber eben nicht jedes Jahr“, so Löder. Und auch Schatten spendende Bäume, die den Bach kühlen, gab es früher mehr.

Gefährlicher Schlamm

Der Wasserwart bringt außerdem die Landwirtschaft ins Spiel. Weil in Bayern ein gewisser Abstand zwischen Feld und Ufer nicht verpflichtend ist, komme es immer wieder vor, dass Gülle oder Dünger in die Gewässer geraten. Durch den intensiven Maisanbau werde zudem aufgelockerter Boden vermehrt in Bach und Fluss geschwemmt. Dort verstopfe der Schlamm Lücken in Kiesbänken, wo die Fische laichen. Der Laich erstickt und auch die dort lebende Nahrung der Fische, wie Fliegenlarven, geht zurück. Für Löder der Hauptauslöser für den Fischschwund.

Karpfen sind da anders

Süßwasserfische wie Forelle und Esche würden über kurz oder lang durch andere, unsensiblere Arten ersetzt. Karpfenartige Fische beispielsweise brauchen keine Kiesbänke zum Laichen, legen viel größere Mengen an Eiern ab und haben dadurch eine höhere Überlebenschance für den Nachwuchs.

Für Löder ist zum einen die Politik in der Pflicht, eine Regel zu Uferrandstreifen gesetzlich zu verankern. Zum anderen können auch die Fischer aktiv werden: Der Fischereiverein Hersbruck hat beispielsweise vor, Kiesbänke zu renaturieren, indem das Sediment gelockert wird und neue Bänke eingebracht werden. Letzteres ist genehmigungspflichtig, Wasserwirtschaftsamt, Eigentümer sowie weitere Interessensverbände müssen einverstanden sein.

Er selbst will in seinem Pachtgebiet zwischen Michelfeld und Neuhaus Kiesbänke einbringen. Hier kämpfen Löder und die Fische noch mit schlammigen „Altlasten“, die aus Grubenabwasser einer ehemaligen Eisenerzgrube stammen.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner