Wohnhäuser statt Geldautomat

Herpersdorf künftig ohne Bank

Seit Jahren gibt es in Herpersdorf nur noch einen Geldautomaten sowie einen Kontoauszugsdrucker. Doch nun schließt die Raiffeisen Spar- und Kreditbank den Standort. | Foto: Krieger2018/12/Raiffeisenbank-Herpersdorf-Foto-Krieger.jpg

HERPERSDORF – Geld abheben, Kontoauszüge holen — das ist im Eckentaler Ortsteil Herpersdorf in Zukunft nicht mehr möglich: Die Raiffeisen Spar- und Kreditbank Lauf schließt ihren Geldautomatenstandort zum Ende des Monats Dezember. Auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung heißt es bei der Bank, der Automat habe nur noch eine Auslastung von etwa 15 Prozent und sei damit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

Nach einer schriftlichen Auskunft der Raiffeisen Spar- und Kreditbank Lauf wurden die Mitglieder der Genossenschaftsbank Ende November über die bevorstehende Schließung des Herpersdorfer Standortes informiert. Die gewählten Vertreter seien bereits zuvor über die Schließung in Kenntnis gesetzt worden. Weitere Auskünfte zur Schließung des Stanortes erteilt die Raiffeisen Spar- und Kreditbank nicht. Trotz telefonischer und schriftlicher Nachfrage der Pegnitz-Zeitung ist weder zu erfahren, wie viele Kunden von der Schließung in Herpersdorf betroffen sind, noch was konkret eine Auslastung von 15 Prozent bedeutet. Man könne dazu „aus Wettbewerbsgründen“ keine Auskunft geben, lautet die Auskunft der Bank.

An der Filiale selbst hängt ein Zettel, der auf die Schließung hinweist. Dürr sind die Informationen auch auf der Homepage. Dort wirbt die Genossenschaftsbank mit dem Slogan „Stark vor Ort 4.0“. Unter „Nachrichten“ ist die Information über die Schließung schon wieder verschwunden. Immerhin können Kunden googeln, wo sich die nächsten Geldautomaten befinden. Die sind in Neunhof, Schnaittach und Lauf. Neunhof allerdings gehört zu den vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg, Forchheim, Eschenau und Heroldsberg.

Möglicherweise führt aber nicht nur eine zu geringe Auslastung zur Schließung des Herpersdorfer Automaten-Standortes. Im Juli 2018 stellte die Raiffeisen Spar- und Kreditbank Lauf eine Bauanfrage für das Grundstück Färberstraße bei der Marktgemeinde Eckental. Darin ist protokolliert, dass das Raiffeisengebäude abgebrochen und das Grundstück mit Reihenhäusern sowie einem Doppelhaus bebaut werden soll. Der Bauausschuss stimmte einstimmig zu. Ein konkreter Bauantrag ging bislang bei der Gemeinde Eckental nicht ein. Seitens der Bank heißt es dazu auf Nachfrage, man gebe zu internen Vorgängen keine Auskunft.

In Herpersdorf wird die Nachricht von der Schließung des Standortes von den Bürgern kritisch aufgenommen. „Jetzt haben wir hier gar nichts mehr“, sagt ein älterer Herpersdorfer, der Kunde der Bank ist. „Herpersdorf stirbt immer mehr aus.“ Eine jüngere Herpersdorferin, ebenfalls Kundin, kritisiert die Geschäftspolitik der Genossenschaftsbank: „Die werben um den Nachwuchs und dass sie vor Ort sind. Meine Kinder haben ihren Konten bei der Raiffeisenbank Lauf. Bislang konnten sie ihre Kontoauszüge hier holen oder auch mal Geld abheben. Jetzt muss ich mit ihnen bis Schnaittach oder Lauf fahren.“

Kritik an der Entscheidung kommt auch von der CSU Eckental. Deren stellvertretender Fraktionschef Martin Hofmann wandete sich Ende November mit einem Schreiben an den Vorstand der Raiffeisen Spar- und Kreditbank.
„Die Schließung betrifft ja nicht nur die Herpersdorfer , sondern auch die Bürger in Bullach, Illhof, Oedhof“, so Marktgemeinderat Hofmann gegenüber der PZ. „Wenn den Bürgern nun angeboten wird, ihre Bankgeschäfte künftig in Lauf oder in Schnaittach zu erledigen, dann halte ich das schlichtweg für nicht in Ordnung. Gerade für ältere Bürger geht das in Richtung Zumutung.“ Hofmann bittet die Geschäftsführung in dem Schreiben, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

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