„Trautmann“ feierte Vorpremiere im Eckentaler Kino

Es geht um viel mehr als nur um Fußball

David Kross spielt Bert Trautmann, den legendären deutschen Torhüter von Manchester City (Filmszene). | Foto: SquareOne Entertainment2019/03/Trautmann-Film-Strand-Fussball-Kino-Eckental.jpg

ESCHENAU — Ein junger deutscher Kriegsgefangener wird nach dem Zweiten Weltkrieg zum umjubelten Torhüter von Manchester City. Die Geschichte, die Regisseur Marcus H. Rosenmüller in „Trautmann“ erzählt, ist bester Kinostoff. Der Oberbayer hofft damit auf seinen internationalen Durchbruch.

„Rosi“, wie sich der Regisseur vorstellt, ist extra früher nach Eschenau angereist, um vor der Vorpremiere im Kino Lichtspiele in Eckental am Montagabend mit Fans und Pressevertretern sprechen zu können. Der 45-Jährige wirkt jünger, als er ist, lässt sich gern duzen, ist nahbar und gut gelaunt. Er schwärmt vom „Casino Lichtspiele“, von der Atmosphäre. Hier spüre man die Seele des Kinos noch.

Sein Regiedebüt und bislang erfolgreichster Film war 2006 die Komödie „Wer früher stirbt ist länger tot“. Mehrere Jahre inszenierte er das Singspiel zur Starkbierprobe am Nockherberg. Weitere große Erfolge als Regisseur blieben bisher aus, bekannt ist „Rosi“ vor allem in Bayern.

Erster internationaler Film

Mit „Trautmann“ soll sich das nun ändern. Der Film, gedreht in Nordirland und Bayern, wird unter anderem in Australien, China, Japan und England zu sehen sein. Im „Mutterland des Fußballs“ hat er sicher die besten Chancen, denn dort dürfte Bernhard „Bert“ Trautmann vielen ein Begriff sein. Die Fans von Manchester City wählten ihn 2007 zum besten Spieler in der Vereinsgeschichte – über 40 Jahre, nachdem er seine Torwart-Handschuhe nach 545 Spielen für den Club an den Nagel gehängt hatte.

Der Deutsche verkörpert im englischen Fußball die Erzählung vom Saulus zum Paulus. Genauer gesagt von „Traut the Kraut“, dem verhassten Wehrmachtssoldaten mit eisernem Kreuz, gegen den tausende demonstrieren, zum Helden zwischen den Pfosten, dem auch die gegnerischen Fans zujubeln.

Genickbruch im Pokalfinale

In die Geschichte eingegangen ist das Pokalfinale von 1956, in dem sich Trautmann bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler das Genick brach. Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt, Trautmann, dem nicht bewusst war, dass er in Lebensgefahr schwebte, hielt durch und ließ kein Tor mehr zu. ManCity gewann mit 3:1, der Deutsche wurde zur Vereinslegende und zum Fußballer des Jahres in England gewählt.

Marcus H. Rosenmüller mit Antje Bezold, der Kinobetreiberin der „Casino Lichtspiele“ in Eschenau. | Foto: Kirchmayer2019/03/Trautmann-Rosenmuller-Bezold-Kino-Eckental-Eschenau-Vorpremiere-kir.jpg

 

Der Film zeichnet die Karriere des gebürtigen Bremers nach, aber Regisseur Rosenmüller wehrt sich dagegen, „Trautmann“ nur als Sportfilm zu betrachten. „Es gibt nichts Spannenderes als ein Live-Fußballspiel, das kann ich nicht toppen“, sagt der 45-Jährige. Wie bei allen guten Sportfilmen sei das, was auf dem Platz passiert, nur „Beiwerk“.

„Versöhnung zweier Nationen“

Rosenmüller geht es um die Rolle des Deutschen in England, der über den Sport die „Versöhnung zweier Nationen“ vorangetrieben hat. Als junger Soldat geriet Trautmann 1945 in englische Gefangenschaft, kam in ein Kriegsgefangenenlager bei Liverpool. Statt nach dem Krieg nach Bremen zurückzukehren, blieb er in England und spielte bei einer Provinzmannschaft, ehe er von Manchester City entdeckt wurde.

Bescheidener Mensch

Rosenmüller hat Trautmann, der 2013 gestorben ist, noch persönlich kennengelernt. Er besuchte ihn in dessen spanischer Wahlheimat bei Valencia und erlebte einen „bescheidenen und sehr freundlichen Menschen“. Trautmann habe sein Leben nicht als Heldengeschichte gesehen, sagt der Regisseur. Dabei habe der Torhüter das Bild auf die Deutschen in England verändert.

Bereits vor zehn Jahren entwickelte „Rosi“ die Idee für die Biografie. Produzent Robert Marciniak sprach ihn auf die Geschichte an, Trautmann war dem Regisseur vorher kein Begriff.

Hauptdarsteller David Kross („Der Vorleser“) war Rosenmüllers erste Wahl. Er sagte sofort zu und blieb dabei, als sich die Dreharbeiten wegen fehlendem Geld immer wieder verzögerten. Der 28-Jährige lernte mit einem Torwart-Trainer monatelang, Bälle zu fangen. Durch Archivmaterial von Trautmann übte er auch dessen Mimik und Gestik.

„Alle Zutaten für einen guten Film“

Rosenmüller schwärmt aber auch von Freya Mavor, die Trautmanns Ehefrau spielt. Der Schottin prophezeit er eine große Karriere. Nicht zuletzt durch die schwierige Liebesgeschichte habe Trautmann „alle Zutaten für einen guten Film“, sagt der Regisseur in Eckental.

Der weitgehend biografische Film berührt und bringt die Zuschauer zum Mitfiebern, als wäre es der Lieblingsverein, der da gerade gegen den Abstieg oder um Titel spielt. Die Mischung aus Sportfilm und Liebesdrama funktioniert auch wegen der überzeugenden Darsteller.

Dass „Trautmann“ erst so spät fertig wird, kann dem Film sogar gut tun. Denn die politische Botschaft, Toleranz statt Spaltung, ist heute wichtiger als 2009. Rosenmüller erzählt, Gary Lewis, der im Film die Rolle des Trainers von ManCity spielt, sei in England auf ihn zugekommen: „Wir müssen diesen Film drehen, gegen den Brexit und gegen Trump.“

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer