Wildscheuchen auf Wiesen

Erste Mahd als Todesfalle

Nein, das ist kein Müll: Mit Wildscheuchen aus Plastiktüten will Jäger Helmuth Zaus Rehe und deren Kitze aus zu mähenden Wiesen vertreiben und den Nachwuchs so vor Tod oder Verletzung schützen. | Foto: privat2019/05/DSCI0014.jpeg

REICHENSCHWAND – Schneller als das Mähwerk sein: So lautet die Herausforderung derzeit für Landwirte, Jäger und Tierfreunde. Weiße Plastiktüten spielen bei diesem Wettstreit mit der Zeit auch eine Rolle.

Wenn Jäger Helmuth Zaus darüber spricht, wie sich Kitze aus zu mähenden Wiesen retten lassen, dann hört man sein „Herz des Tierschützers“ regelrecht pochen. Denn gerade jetzt befindet sich der Rehnachwuchs in Lebensgefahr. „Im Mai und Juni wird erstmals geerntet und der Mai ist für die Rehe der Gebärmonat schlechthin“, erklärt er.

Gerne verstecken die Mütter ihre Kinder dann im hohen Gras – wo sie niemand sieht, auch der Fahrer eines Traktors nicht. Um die Tiere aus den Wiesen zu vertreiben, die kurz vor der Mahd stehen, verteilt Zaus Stecken mit weißen Plastiktüten dran über die betreffende Fläche. „Nicht dass ein Wanderer denkt, da lädt jemand seinen Müll ab, das sammle ich wieder ein.“

Kurze Wirkung

Das Ziel dieser Wildscheuchen, wie er es nennt: die Rehe unter anderem mit dem Geraschel für ein bis zwei Tage von der Wiese zu vertreiben. „Länger hält die Wirkung nicht an, denn dann setzt der Gewöhnungseffekt ein.“

Damit dieser Fall nicht eintritt, geben die Bauern dem jeweiligen Jagdpächter Bescheid, wann sie mähen wollen. „Die Zusammenarbeit klappt gut“, betont er. Dann kann Zaus loslegen. Er als Rentner sei da flexibel, Auswärtige oder Arbeitnehmer hätten es da schon schwerer.

Kann dabei moderne Technologie helfen? „Die digitale Welt ist ja mittlerweile überall“, sagt Zaus zu einer Entwicklung von Bayerischem Jagdverband und geo-Konzept: Mit einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, können große Flächen in kurzer Zeit überflogen und -prüft werden, erläutert Zaus.

Hügel oder Tier?

Der Copter zeigt laut Beschreibung warme Punkte an – entweder auf Sicht oder sogar per Koordinaten. Damit dieses System aber funktioniert, muss der Flug am besten kurz nach Sonnenaufgang erfolgen – „wenn es draußen noch frisch ist“. Wenn die Sonne den Boden erst einmal erwärmt hat, können sonst auch Maulwurfshügel, Kahlstellen oder andere dunkle Objekte auf dem Bildschirm erscheinen.

„Und wer rettet dann die Kitze?“, fragt sich Zaus. Sie mit der Drohne aufzuspüren, das reiche ja nicht. Wird auf Sicht geflogen, müsste eine zweite Person dabei sein, die parallel das Tier rettet. Zaus kennt im Landkreis bislang keinen Jägerkollegen, der mit dem Copter arbeitet.

„Früher sind wir mit dem Hund rausgegangen. Der hat die Kitze gewittert und wir haben sie mit einem Korb aus dem Feld getragen“, erzählt Zaus. Die Zeit habe natürlich heute keiner mehr. Er setzt daher weiterhin auf seine Wildscheuchen – „mit mehr und weniger Erfolg“, wie er selbst weiß.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch