Besuch aus Afrika

Ein Blick nach Kenia

Pfarrerin Agnes Kagio Chomba berichtet von Projekten für Frauen in Kenia, Pfarrer Christoph von Seggern übersetzt ins Deutsche. | Foto: M. Münster2019/04/P1060930.jpeg

HERSBRUCK – Passender hätte der Rahmen in Hersbruck nicht sein können: Der Pangani-Freundeskreis setzt sich seit längerem für die Belange der Frauen in Kenia ein. Jetzt sprach die kenianische Pfarrerin Agnes Kagio Chomba im „Pangani“-Raum des Selnecker-Hauses.

Dass sie den Weg nach Hersbruck fand, war der Förrenbacher Pfarrerin Lydia Kossatz zu verdanken. Sie ist als Referentin für die Erwachsenenbildung im Dekanat zuständig. Spannende Schilderungen vom alltäglichen Leben eines Mädchens, unterstützt von etlichen Bildern, sorgten für aufmerksame Zuhörer. Es ging um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein. Themen, die auch im modernen Europa noch nicht seit Jahrhunderten selbstverständlich sind.

Die zwei Pfarrstellen, für die Agnes Chomba zuständig ist, sind geprägt von althergebrachten Traditionen. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Farmer. Auch sie selbst betreibt nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft. Sie erzählte, dass sie zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, hat, beide studieren. Das sei natürlich keine Selbstverständlichkeit in der Region ihrer Pfarrstellen.

Heirat vor Schule

Eines ihrer Beispiele: „In einem Dorf werden in zwei Familien zeitnah Kinder geboren, ein Junge und ein Mädchen. Die Eltern versprechen sich die Heirat der beiden Kinder. Im Alter von zirka sechs Jahren wird das kleine Mädchen in die Familie des zukünftigen Ehemannes gebracht. Mit zirka 13 werden die beiden verheiratet.“ Schulausbildung? Unmöglich.

Dementsprechend sind die Frauen auf die Versorgung durch die Männer in jeder Lebenslage angewiesen, betonte Chomba. Beschneidungen der Frauen im Alter von zirka sechs Jahren gehörten zum Alltag. Seit 2010 gibt es ein Gesetz, in dem das Verbot für Beschneidung und frühe Heirat verankert ist. Außerdem wird der Schulbesuch gefordert und gefördert. Strenge Strafen seien die Folge bei Zuwiderhandlung, versicherte die Pfarrerin.

Um 12 Uhr daheim

In Kenia leben über 50 Millionen Menschen, etwa die Hälfte davon sind Frauen. Für die Chancengleichheit setzten sich seit Jahren Kirchen und kirchliche Organisationen ein. Seit einigen Jahren gelingt die Zusammenarbeit mit der Regierung immer besser. Strenge Regeln für die Frauen gibt es jedoch nach wie vor. Seminar- oder Gottesdienstbesuche werden den Frauen nur genehmigt, wenn sie pünktlich um 12 Uhr zum Melken der Kühe wieder zu Hause sind. Die Kirche und die Pfarrer mussten darauf Rücksicht nehmen.

Unterrichtsangebote für die Erwachsenen bietet die Kirche seit einiger Zeit an. Hier können die Frauen Lesen und Schreiben lernen. Die Kinder werden inzwischen alle an staatlichen Schulen unterrichtet. „So langsam werden die kenianischen Frauen selbstbewusster und selbstständiger“, berichtete Chomba. Etliche haben sich inzwischen schon eigene Tiere angeschafft oder können durch ihre Arbeit für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Frauen überlegen

Während dieser Schilderungen war es in den Zuhörerreihen recht still. Auf die Frage der kenianischen Pfarrerin „Was tun deutsche Frauen für ihre Gleichberechtigung?“ gab es erst eine kurze Zeit des Überlegens.

Anschließend tauchten jedoch etliche Fragen aus dem Publikum auf. „Akzeptieren denn die kenianischen Männer diese Neuerungen?“ Laut Chomba sähen sie die sogar als vorteilhaft an. „Inzwischen gibt es sogar weibliche Angehörige im Parlament, auch Pastorinnen waren vor einigen Jahren noch undenkbar.“

Die Zuhörer glaubten es kaum, dass eine solche Umstrukturierung innerhalb von nur acht Jahren geschehen konnte. Chomba gab zu bedenken, dass es hauptsächlich in diesen drei Stämmen, mit denen sie durch ihre Pfarrstelle konfrontiert wurde, so extreme Traditionen gab. In anderen Regionen waren nur geringe Umstellungen nötig. Denn in Kenia gibt es 42 ethnische Gruppen und ebenso viele Sprachen. Dazu kommen noch die Amtssprachen Suaheli und Englisch.

N-Land Marita Münster
Marita Münster