Altdorf macht weniger Schulden als gedacht, aber:

Die Spielräume werden enger

Blick ins Innere der neuen Mehrzweckhalle an der Grundschule: Die Arbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Die Gesamtbaukosten belaufen sich inzwischen auf rund 12 Millionen Euro. | Foto: Stadt Altdorf2021/02/Altdorf-Mehrzweckhalle.jpg

ALTDORF – Die finanzielle Situation Altdorfs ist zwar weniger dramatisch, als noch im vergangenen Jahr befürchtet, allerdings sind die Bedingungen für die Finanzplaner bei sinkenden Rücklagen und steigenden Schulden alles andere als rosig. Den Haushalt erläutern Bürgermeister Tabor und Kämmerer Reichelt.

Gegen die Stimmen der CSU hat der Altdorfer Stadtrat den Haushalt für 2021 beschlossen. Das Zahlenwerk hat ein Gesamtvolumen von 49,9 Millionen Euro, 34,286 Millionen im Verwaltungs– und 15,605 Millionen Euro im Vermögenshaushalt. Bürgermeister Martin Tabor und Kämmerer Werner Reichelt haben die Zahlen erläutert. „Aufbruch – die Schulden im Blick behalten“ hat Tabor das Zahlenwerk überschrieben. Auch vor dem Hintergrund, welche Schreckensszenarien sich noch im vergangenen Jahr abzeichneten.

Da stand der Horror von fast 30 Millionen Euro Schulden für Altdorf im Jahr 2024 im Raum, eine Belastung, die der Stadt jeglichen Aufbruch, jegliche Entwicklung unendlich schwer gemacht hätte. Im vergangenen Jahr wurde der Haushalt deshalb auch nur unter Vorbehalt von der Aufsichtsbehörde genehmigt, die Stadt musste darüber hinaus die Grundsteuer erhöhen. Zwischenzeitlich stellt sich die Situation ganz anders dar. Bis 2024 steigen die Altdorfer Schulden zwar immer noch, bei weitem aber nicht so extrem, wie noch 2020 prognostiziert. Jetzt rechnet man noch mit 13 Millionen Schulden in 2024, dabei sieht es bei der Entwicklung der Rücklagen auch deutlich besser aus, als 2020 erwartet.

„Haushalt als Märchenbuch“

Der alte Stadtrat hat den Haushalt immer als Märchenbuch behandelt“, stellt Tabor fest. Hinein geschrieben hätte man alles mögliche, „aber viele Maßnahmen wurden dann nicht durchgeführt.“ Jetzt sollen nur noch Projekte im Haushalt aufgenommen werden, die auch eine Chance auf Realisierung haben. Bei allen Vorhaben müsse die Stadt fragen, ob sie umsetzbar seien. Realistisch und ehrlich müsse man dabei sein, sagt Tabor. Dabei will er alle Fraktionen ins Boot holen und hat deshalb erstmals im vergangenen Herbst eine überparteiliche Haushaltsklausur angesetzt, zusammen mit Kämmerer Werner Reichelt. Klarheit und Verbindlichkeit sollten den neuen Haushalt für 2021 prägen, so das Ziel. „Und das ist gelungen“, konstatiert der Bürgermeister im Stadtrat.

Dabei sieht es alles andere als rosig aus, die Rücklagen sinken und die Schulden steigen. Was angesichts der zu schulternden Großprojekte nicht verwundert: Auf 12 Millionen Euro sind inzwischen die Kosten für die neue Dreifachturnhalle an der Grundschule gestiegen, mit jeweils 2,5 Millionen Euro belasten der AWO-Hort, die Abwasserschiene Nord und der soziale Wohnungsbau die Altdorfer Stadtkasse und zwei Millionen stehen noch für den Kulturtreff zu Buche. Mittelfristig wird Altdorf Geld brauchen für die Sanierung maroder Straßen, für die Kanalisation, für Um- und Neubauten am Bauhof und irgendwann für ein neues Feuerwehrhaus.

Mit 2,5 Millionen Euro schlägt der Neubau der AWO Kindertagesstätte
in der Weißturmgasse (rechts) zu Buche. Foto: Alex Blinten
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13 Millionen Schulden bis 2024

Die Verschuldung in Höhe von 13 Millionen Euro bis 2024 sieht Tabor deshalb als „Konjunkturprogramm“ für Altdorf. Für die Fertigstellung der Mehrzweckhalle und die Generalsanierung des Bauhofs fallen allein jeweils eine Million Euro an, weitere 200 000 Euro für die Planung des Rascher Kindergartens. Der Spielraum allerdings ist gering. Was auch damit zusammen hängt, dass die Entwicklung der Steuereinnahmen unsicher bleibt. Der Haushalt jedenfalls ist für Tabor ein „Auftragsbuch“ für die Verwaltung, mit dem der Stadtrat die Stadtentwicklung festschreibt.

Bis Ende dieses Jahres werden die Altdorfer Schulden auf 10 Millionen Euro gestiegen sein, erläutert Kämmerer Reichelt, das bedeutet eine Neuverschuldung in Höhe von 5 Millionen Euro. Aus den Rücklagen entnehmen die Altdorfer heuer 3 Millionen Euro. Erfreulich für die Altdorfer Finanzplaner ist die Entwicklung der Gewerbesteuern, für die man im Frühjahr 2020, zu Beginn der Corona-Krise, pessimistische Voraussagen traf. „Das Ergebnis fiel aber deutlich besser aus“, betont Reichelt.

Positive Nachrichten

Bei den Einnahmen gibt es nun 4,4 Millionen Euro mehr in der Kasse als im vergangenen Jahr angenommen. Und noch zwei positive Nachrichten von Reichelt: Für das Personal gibt die Stadt 845 000 Euro weniger aus als 2020 veranschlagt. Und aus den Rücklagen entnimmt man heuer nicht – wie noch im vergangenen Jahr vorgesehen – 7,5 sondern lediglich 1,5 Millionen Euro.

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