Spendenaktion für indische Krankenhäuser

„Die haben doch nichts“

In indischen Krankenhäusern muss eine Vielzahl von Covid-Patienten beatmet werden, doch es fehlt immer noch an medizinischem Gerät. Vor allem in den öffentlichen Krankenhäusern, die kostenlose Behandlung für Arme gewährleisten müssen. | Foto: Lakshmiprasad/stock.adobe.com2021/06/NL-Sodhi-scaled.jpg

Hilfe des neuen Altdorfer Vereins „Sauerstoff für Indien“ kommt in sechs Krankenhäusern in Jhansi an. Geschäftsmann Jaspal Sodhi will weitere Oximeter und Beatmungsgeräte im Gesamtwert von 100 000 Euro anschaffen. Neben weiteren Spenden braucht er auch mehr Mitgliedschaften im Verein, um an große Firmen heranzukommen.

Der Altdorfer Geschäftsmann Jaspal Sodhi engagiert sich zusammen mit einer Reihe von Mitstreitern bei der Hilfe für Indien in der Corona-Katastrophe. Sodhi hat den Verein Oxygen Aid for India, Sauerstoff für Indien, gegründet und kann jetzt über erste Erfolge informieren. Die Hilfe aus dem Nürnberger Land kommt in Indien an. „Wir haben insgesamt 600 Puls-Oximeter und sechs Sauerstoffkonzentratoren gespendet“, berichtet Sodhi. Die Geräte sind nach vorher festgelegten Auswahlkriterien an sechs Krankenhäuser geliefert worden.

Der Altdorfer Geschäftsmann Jaspal Sodhi (links) ist der Motor des neuen Vereins „Sauerstoff für Indien“. Foto: privat2021/06/Jaspal_Sodhi.jpg

Der Verein hat dabei beschlossen, dass es sich bei den Kliniken um keine privaten Krankenhäuser handeln durfte und dass eine kostenlose Behandlung der Patienten angeboten wird. „Die privaten Häuser sind reich, die haben sowieso alles“, sagt Sodhi im Telefongespräch mit dem Boten, „aber andere Kliniken haben nichts.“ Hier setzt die Hilfe des Altdorfer Vereins an. In der Universitätsstadt Jhansi in Zentralindien gibt es 20 Krankenhäuser. An sechs ausgewählte Kliniken hat Sodhi Puls-Oximeter und Sauerstoffgeräte verteilt, hat vorher die örtliche Presse über die Aktion informiert und sichergestellt, dass das wertvolle Material nicht in dunklen Kanälen verschwindet. Jetzt trägt der Einsatz der gespendeten Medizintechnik dazu bei, dass sich die Situation in Jhansi stabilisiert.

Fast jeder Zweite arbeitet bei der Bahn

Die 500 000-Einwohner-Metropole ist Sodhis Geburtsstadt, hier leben Familienmitglieder von ihm, die Stadt und ihre Menschen liegen ihm am Herzen. Rund 50 Prozent der Leute arbeiten bei der indischen Bahn. „Das sind größtenteils arme Menschen, die können sich kein Privatkrankenhaus leisten, die müssen in andere Kliniken“, beschreibt der Altdorfer Geschäftsmann die Situation. Deshalb hat er die vom Verein „Sauerstoff für Indien“ gekauften Geräte an Kliniken verteilt, die eine kostenlose Behandlung mittelloser Patienten sicherstellen. Da sind zum einen die Uniklinik Jhansi und das örtliche staatliche Krankenhaus, dann das Bahnkrankenhaus und das Armeekrankenhaus und schließlich das St. Judes German Hospital und das Katholische Frauenkrankenhaus.

Die Chefs am staatlichen Krankenhaus District City Hospital in Jhansi freuen sich über die Gerätespenden aus Deutschland. Foto: privat2021/06/Altdorf-Sodhi1.jpg

Medizinisches Gerät im Wert von fast 20 000 Euro hat der Verein damit zur Verfügung gestellt. Sodhi plant innerhalb der kommenden zwei Wochen den Einkauf weiterer Oximeter und Sauerstoffgeräte im Wert von 4000 Euro. Sein großes Ziel ist eine Spendensumme von 100 000 Euro.
Das zu erreichen ist allerdings ausgesprochen schwierig, solange die Mitgliederzahl des Vereins überschaubar bleibt. Die liegt derzeit bei 181. Wenn Sodhi sich damit an große Firmen wendet und um Spenden bittet, erfährt er schmerzlich, dass Spenden an mildtätige Vereine an die Mitgliederzahl gekoppelt sind.

Je mehr Mitglieder ein Verein hat, desto größer die Spendensumme, die Unternehmen bereitstellen. Deshalb Sodhis Wunsch: einfach Mitglied werden im Verein. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, Infos gibt es unter https://o2aid4india.com und [email protected].

Viele Unterstützer aus Altdorf

Sodhi hat in Altdorf Unterstützer an seiner Seite, darunter den Steuerberater und Stadtrat Werner Merkel, der dafür sorgte, dass vom Finanzamt Nürnberg-Zentral in nur vier Tagen die Gemeinnützigkeit für den neuen Verein bestätigt wurde, so dass Spendern Quittungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit ausgestellt werden können. Auch die Stadtspitze unterstützt Sodhis Verein. „Wir werden für diese Aktion sehr gerne auf allen Kommunikationskanälen der Stadt Altdorf werben und Jaspal Sodhi natürlich mit einer Spende unterstützen“, sagte Bürgermeister Martin Tabor nach der Vereinsgründung Mitte Mai.

Da Sauerstoffgeräte das Wichtigste in der gegenwärtigen Situation sind, wollte Sodhi sie für Indien bestellen, musste aber feststellen, dass der Markt in Deutschland leergefegt ist und die Preise durch die Decke gehen. Auf Umwegen landete er schließlich bei einem chinesischen Hersteller, der ihm 100 Sauerstoff-Konzentratoren zusicherte sowie 1000 Puls-Oximeter zur Messung der Sauerstoff-Sättigung im Blut. Er selbst hat bereits fünf Geräte gespendet, die bereits in den oben genannten Krankenhäusern in Jhansi im Einsatz sind. Auch Merkel hat gleich als erster im Verein die Kosten für ein weiteres Beatmungsgerät und ein Sauerstoffmessgerät übernommen. Und Bürgermeister Tabor unterstützt die gute Sache mit einem Sauerstoff-Konzentrator und zehn Oximetern.

Infostand am Altdorfer Marktplatz

Sodhi will auch weiterhin nicht tatenlos zusehen, wenn die Menschen in seinem Heimatland hilflos sind. Der Geschäftsführer und Inhaber der Firma Luxglas Technology bleibt zuversichtlich, dass das große Ziel, 100 Sauerstoffgeräte und 1000 Puls-Oximeter anzuschaffen, erreicht werden kann. Dazu steht er in ständigem Kontakt mit Firmen aus der Region und außerhalb Bayerns. Heute ist er von 7 bis 12 Uhr mit einem Infostand am Altdorfer Marktplatz präsent und wirbt zusammen mit Mitstreitern um Mitgliedschaften im neuen Verein.

Während sich Sodhis Verein auf die Anschaffung medizinischen Geräts konzentriert, arbeitet der Leinburger Pater Praveen, der seit sechs Jahren in Mittelfranken ist, in Indien mit einem Orden zusammen, den Heralds of Good News, die dafür sorgen, dass von der finanziellen Hilfe aus Deutschland direkt vor Ort Lebensmittel und Medizin beschafft werden. Pater Praveen und seine Mitstreiter haben bislang rund 10 000 Euro nach Indien überweisen können.

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