Rätsel um Sensationsfund

Der Zug im Nirgendwo

Die beiden Waggons waren Teil eines Feuchter Einfamilienhauses. | Foto: Christian Geist/Archiv2019/10/Feucht-Waggons-Wohnhaus-Baustelle-1.jpg

FEUCHT – Ein Jahr nach ihrem Fund in Feucht sind die beiden Waggons der Deutschen Reichsbahn unauffindbar. 

Vor ziemlich genau einem Jahr sind beim Abbruch eines Wohnhauses am Feuchter Heideweg zwei Zugwaggons zum Vorschein gekommen. Der frühere Hausherr hatte sie nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grundstück abgestellt und nach und nach ein Einfamilienhaus darum geschaffen.

Ein Abbruch-Unternehmer aus der Oberpfalz barg schließlich die beiden Reichsbahn-Wagen mit Baujahr 1901 beziehungsweise 1922. Er wollte sie auf ein Grundstück im Gemeindegebiet von Breitenbrunn schaffen und dort zu einem Büro und einem Wellnessbereich ausbauen. Sagte er damals. Doch in dem von ihm genannten Ort kamen die Waggons nie an.

Erster Halt: Feucht

„Das ist wie ein Lotto-Gewinn. Das gibt es nur einmal im Leben“, meinte der Oberpfälzer im Oktober 2018. Zwar habe er gewusst, dass in dem Haus zwei Waggons verbaut sein sollen. Nur hatte er sich das Szenario weit weniger spektakulär vorgestellt.

Zu Beginn des Abbruchs war das Haus noch gut erkennbar. Foto: Gerold Engel/Archiv2019/10/Feucht-Waggons-Wohnhaus-Baustelle-9.jpg

Er hatte eher eine Unterkonstruktion erwartet, eine Art Bodenplatte, auf der später ein Haus errichtet wurde. Im Keller aber blickte er mit seinem Team nicht etwa auf das Dach der Waggons, sondern auf eine Stahlkonstruktion: der Unterboden. Mit den Rundbogen-Decken im Erdgeschoss setzte sich das Puzzle zusammen. Der Abbruchmeister organisierte Kran und Transporter und schaffte die Wägen fort – in die Gemeinde Breitenbrunn, dachte man damals.

Nächster Halt: Deining

Im Frühjahr dieses Jahres machten die Wagen dann erneut Schlagzeilen. Auf einem Holzlagerplatz in einem Wald bei Deining standen diese nun – behelfsmäßig mit Planen abgedeckt. Dass sich besagter Abbruch-Unternehmer den ganzen Winter nicht um die Waggons gekümmert hatte, lag daran, dass er von Anfang Dezember bis Anfang Mai in Untersuchungshaft gesessen hat.

Ermittelt hat das Landeskriminalamt wegen Waffen- und Drogenhandels. Mit den Waggons habe das Verfahren jedoch überhaupt nichts zu tun: Das betont die zuständige Staatsanwaltschaft. Mehrere Medien hatten die Ermittlungen im Frühjahr in Zusammenhang mit den Weltkriegs-Wagen gebracht.

Letzter Halt?

Von dem Lagerplatz bei Deining sind die Waggons inzwischen verschwunden. In Breitenbrunn aber sind sie nach wie vor nicht gesehen worden. Das berichten Nachbarn des Unternehmers. Der 48-Jährige selbst reagiert weder auf Anrufe noch auf schriftliche Anfragen der Redaktion. So bleibt es sein Geheimnis, auf welches Abstellgleis er die Waggons verfrachtet hat.

Das dürfte zahlreiche Eisenbahn-Freunde und nicht zuletzt das DB Museum in Nürnberg schmerzen. Dessen Leiter Oliver Götze sprach im vergangenen Jahr von einem „historisch hoch bedeutsamen“ Fund und freute sich, dass der Unternehmer die Zugteile erhalten wolle. Sogar eine Zusammenarbeit stand im Raum.

N-Land Christian Geist
Christian Geist