Lkw zahlen ab Juli auf B14

„Der Verbraucher wird die Maut spüren“

Schon seit einiger Zeit steht diese Mautsäule am Ortseingang von Reichenschwand. Passiert dieser Laster sie ab Juli, wird das Unternehmen zur Kasse gebeten. | Foto: A. Pitsch2018/06/IMG_3090.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Bereits vor ein paar Monaten sorgten die blauen Säulen für Aufregung: Sind das neue, fest installierte Blitzer an der B 14? Nein, damit kündigte sich die Einführung der Mautpflicht für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auf allen Bundesstraßen ab 1. Juli an. Was bedeutet das für Verkehr und Unternehmer?

„Das ist für uns ein riesiger Kostenfaktor“, sagt Klaus Endres, Geschäftsführer von Getränke Ziegler, ganz unverblümt. Letztlich wird dieser beim Endverbraucher zu spüren sein, denn die Mehrausgaben will das Unternehmen über die Großkunden wieder hereinholen. „Selbst können wir diese nicht tragen.“ Endres ist bewusst, dass das schwer wird, denn „gerade im Lebensmittelbereich will ja keiner noch mehr Geld ausgeben“. Was da an Summe auf den Getränkelieferanten mit seinen 70 Lkws zukommt, das hat Endres ungefähr ermittelt. Exaktere Rechnungen werden aber erst ab Juli möglich sein, denkt er.

Immerhin muss das Unternehmen nicht in Anschaffung oder Umrüstung investieren: „An der technischen Abwicklung ändert sich nichts, sie wird nur ausgeweitet.“ Umfahren der Maut macht für Endres keinen Sinn – Stichworte: Verschleiß und Dieselverbrauch. Überhaupt sieht er die Probleme bei der Belieferung nicht in den schlechten Straßen, für deren Erhalt und Verbesserung die Gebühren hergenommen werden sollen: „Uns machen Staus und Baustellen viel mehr zu schaffen.“

Summe läppert sich
Zwar hat auch Holger Hense von der gleichnamigen Fahrschule Lkw und Bus im Fuhrpark, Gedanken über die Maut muss er sich aber dennoch nicht machen: „Auf Antrag bei Toll Collect sind diese Fahrzeuge bei Fahrschulen für einen bestimmten Zeitraum von der Maut befreit.“ Lediglich bei Schulungen oder im Unterricht muss er sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Großes Bauchdrücken macht Jörg Eichhorn die Maut auf Bundesstraßen jetzt noch nicht: „Das ist ein laues Lüftchen.“ Der Blick des Versandleiters von Dauphin und Mitglieds im IHK-Verkehrsausschuss Nürnberg geht zum 1. Januar 2019. Da wird es in der Mautlandschaft eine saftige Erhöhung der Gebühren um rund zwei Drittel geben.

Aktuell sind 0,135 Euro pro Kilometer für einen 40-Tonner zu zahlen, im kommenden Jahr werden es 0,187 Euro sein, erklärt Eichhorn. Und bei zehn Lkw plus einem Ersatzfahrzeug läppert sich das, ist Eichhorn „die ordentliche Mehrbelastung“ bewusst.

Auch bei Dauphin stellt sich daher die Frage, ob diese an die Kunden weitergegeben wird. „Wenn, dann erst 2019, weil jetzt sind die Preise draußen.“ Routen sollen beim Stuhlhersteller nicht geändert werden. „Wir nutzen die Bundesstraßen ja nur im Ziel- und Quellverkehr“, begründet Eichhorn. Von Ausweichverkehr hält er generell nichts: „Das ist wirtschaftlicher Blödsinn“ – man brauche länger und verbrauche mehr.

Was Eichhorn richtig ärgert, ist das Zustandekommen der Maut. „Euro-6-Fahrzeuge werden wegen der Luftverschmutzung mit dieser Gebühr belegt und wir werden ohne Ausweichmöglichkeit zur Kasse gebeten, denn die Automobilindustrie kann keine Alternativen anbieten.“ Und was ist mit dem Schienenverkehr als Ersatz? Tiefkühlgut, fehlende Anbindungen sind nur zwei seiner Gegenargumente.

Einheitliche Regelung
Ob das Geld, das laut Eichhorn einen „ordentlichen Effekt“ im Bundeshaushalt erzielen wird, wirklich in Straßenbau und Verkehr zurückfließt, das kann er nicht einschätzen. Vielleicht ist es zu viel, vielleicht werden es noch mehr Baustellen werden, grübelt er. Als einzig positiv bewertet er, dass die Regelung auf Autobahnen und Bundesstraßen nun einheitlich ist: „So sind alle gleich schlecht bedient“ – große Firmen wie kleine Handwerker. Und Eichhorn ist überzeugt: „Der Verbraucher wird die Maut 2019 zu spüren bekommen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch