Streit um ein vermeintlich ungültiges Zugticket

Der Beförderungsschein A 38

Um Fehler beim Fahrkartenkauf zu vermeiden, ließ Thomas Probst seine Jahreskarte von der VAG ausstellen. Vor Problemen bewahrt hat ihn das jedoch nicht. | Foto: Petra Beerhalter/stock.adobe.com2021/02/Feucht-Bahn-Ticketautomat-scaled.jpg

FEUCHT – Thomas Probst aus Feucht soll wegen eines ungültigen Zugtickets 60 Euro an die Deutsche Bahn zahlen. Doch die VAG, die ihm die Jahreskarte ausgestellt hat, widerspricht der Bahn und sieht kein Fehlverhalten ihres Kunden. Erst die Recherchen des Boten und des VGN bringen schließlich Lichts ins Dunkel und decken den Fehler auf.

Die Geschichte von Thomas Probst weckt unweigerlich Erinnerungen an den Zeichentrickfilm „Asterix erobert Rom“: Eine harmlos anmutende Aufgabe erweist sich dabei nach wenigen Minuten als schier unüberwindbare Hürde. Eigentlich sollen Asterix und sein Gefährte Obelix nur den Passierschein A 38 aus dem „Haus, das Verrückte macht“, abholen. Doch der kurze, bürokratische Gang entwickelt sich schnell zur Odyssee, immer wieder werden die beiden Gallier von einem zum anderen Schalter geschickt. Angestellte am Schalter eins im Erdgeschoss geben Auskünfte, die Sachbearbeiter an Schalter zwei im dritten Stock nicht bestätigen können. Dem für den Passierschein A 38 benötigten blauen Formular folgt ein rosafarbenes, diesem ein gelbes, dem gelben ein grünes, dem grünen ein braunes. Erst durch eine List gelingt es den Beiden schließlich, den Passierschein zu erhalten und ihren Weg nach Rom fortzuführen.

Ganz ähnlich wie die Gallier im Film aus dem Jahr 1976 fühlt sich derzeit auch Thomas Probst aus Feucht. Seit mehreren Wochen befindet er sich im Streit mit der Deutschen Bahn, die eine Fahrpreisnacherhebung über 60 Euro von ihm fordert. Der Grund: Probst soll am 29. Januar um 13.55 Uhr ohne gültigen Fahrschein vom Hauptbahnhof Nürnberg bis zur Haltestelle Feucht Ost gefahren sein. Das allerdings, so bestätigt der Feuchter, tue er bereits seit vielen Jahren. Immer mit den selben Tarifzonen. Ein Fehler beim Kartenkauf seinerseits ist ausgeschlossen, denn die Karte und die dazugehörigen Tarifzonen wählte Probst nicht selbst. Er hat sich die Jahreskarte von der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) ausstellen lassen.

„Es liegt kein Fehler vor“

Nachdem sich Probst nach der Kontrolle durch Angestellte der DB-Sicherheit bei der VAG über die Tarifzonen seiner elektronischen Jahreskarte erkündigte, erhielt er beruhigende Rückmeldung. „Wir haben Ihre Anfrage geprüft. Es liegt kein Fehler unserseits vor, Ihr Vertrag ist mit der Tarifstufe 3 hinterlegt. Die Tarifzonen sind 100/200/505. Ihr Ticket ist mit diesen Daten hinterlegt“, ist in der E-Mail der Verkaufsabteilung der VAG zu lesen. Die Sache scheint damit aus der Welt geschafft. Doch zu seiner großen Verwunderung erhält Probst erneut Post von der Deutschen Bahn. „Wir bedauern sehr, dass Sie in die unangenehme Situation einer Fahrpreisnacherhebung kamen, jedoch ist diese korrekt und berechtigt ausgestellt worden. Der Geltungsbereich Ihrer Fahrkarte wurde nicht eingehalten. Ob Sie aus Unwissenheit oder Absicht ohne gültige Fahrkarte gefahren sind, hat leider keine Auswirkungen auf die Forderung (…). Für die beanstandete Fahrt Nürnberg Hauptbahnhof nach Feucht Ost ist eine Fahrkarte mit der Tarifzone 4 erforderlich. (…) Es liegt in der Verantwortung des Reisenden, auf die Gültigkeit und Richtigkeit zu achten.

Obwohl ihm die VAG die Richtigkeit seiner Jahreskarte bestätigte, mit deren enthaltenen Tarifzonen Probst von Nürnberg Hauptbahnhof aus nach Feucht Ost fahren darf, blieb die Bahn bei der Forderung von 60 Euro. Geld, das der Feuchter keineswegs bezahlen möchte und sich stattdessen an die Redaktion des Boten wendet. Erste Recherchen verlaufen im Sand. Unter den Ticket-Informationen auf der Homepage der VAG zur genannten Verbindung sind die Tarifzonen 100, 200 und 505 aufgelistet und entsprechen damit dem Ticket von Thomas Probst. Der Preis für ein Einzelticket beträgt 3,44 Euro (Preisstufe 3). Das gleiche Bild bietet sich auf der Homepage der Deutschen Bahn selbst: Eine Fahrt von Nürnberg Hauptbahnhof nach Feucht Ost kostet auch hier 3,44 Euro und entspricht ebenfalls der Preisstufe 3. Wieso also sieht der Kontrolleur der DB-Sicherheit die Karte als ungültig an?

Es folgt ein Anruf bei der Pressestelle des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN). Eine erneute, spontane Überprüfung der Verbindung ergibt nichts Neues. „So wie ich das sehe, hat Herr Probst nichts Falsches getan“, bestätigt ein Sprecher der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des VGN. Auch er kann sich auf die Schnelle nicht erklären, wie es zu der Fahrpreisnacherhebung der Bahn über 60 Euro kommt. Doch er verspricht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Entschuldigung der Deutschen Bahn

Einen Tag später dann die Wende: Die Deutsche Bahn meldet sich mit einer Pressemitteilung bei der Redaktion. „Mehrere Faktoren und Versehen haben in Summe leider dazu geführt, dass die Fahrpreisnacherhebung irrtümlicherweise ausgestellt wurde. So hat das verwendete Prüfgerät, mit dem das eTicket des Fahrgastes kontrolliert wurde, die Gültigkeit des Tickets bedauerlicherweise falsch angezeigt – die konkrete Ursache hierfür werden wir klären“, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn mit und ergänzt: „Selbstverständlich wurde die fälschlicherweise ausgestellte Fahrpreisnacherhebung inzwischen zurückgenommen. Wir als DB möchten, dass sich unsere Reisenden in unseren Zügen wohl fühlen und sicher, schnell und vor allem ohne Probleme ihre Ziele erreichen. Im Fall unseres Fahrgastes Herrn Probst ist uns das nicht gelungen. Dafür bitten wir herzlich um Entschuldigung.

Offen bleibt jedoch, wieso es auch nach der Reklamation des Kunden bei der Fahrpreisnacherhebung geblieben ist. „Leider wurde der Vorgang auch bei der internen Prüfung falsch bewertet und die Forderung zunächst aufrecht erhalten. Das war nicht korrekt – und auch hierfür bitten wir Herrn Probst um Entschuldigung. Dass unser Kunde noch dazu offenbar an weitere Ansprechpartner verwiesen wurde und somit zusätzliche Unannehmlichkeiten hatte, bedauern wir ausdrücklich. Wir werden den Vorfall intern aufarbeiten und Prozesse nachjustieren“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die dreiwöchige Odyssee von Thomas Probst hat somit ein Ende, mit einem Schmunzeln sagt er: „So etwas erlebt man nicht jeden Tag.“ Der Bahn will er trotz des Vorfalls als Kunde übrigens treu bleiben.

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