„Die Preise werden explodieren“

Das neue Gold?

Holzhändler und Sägewerke aus der Region wollen sich zum Holzpreis-Hoch gar nicht äußern, Zimmereien nur hinter vorgehaltener Hand. | Foto: Industrieblick/stock.adobe.com2021/05/NL-Holzhandel-Saegewerk-Adobe-Stock-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND – In Deutschland wird das Fichtenholz knapp. Während Waldbesitzer aufatmen, kennen die Preise im Handwerk und am Bau derzeit nur eine Richtung: nach oben.

Es ist der wohl nachhaltigste und derzeit einer der gefragtesten Roh- und Baustoffe der Welt: Holz. Vor allem für Fichte ist die Nachfrage sehr groß, weil die Baubranche nach langen und geraden Stämmen verlangt. Während in den vergangenen Jahren ein Überangebot herrschte, müssen seit einigen Monaten viele Baustellen teilweise wochenlang stillstehen, die Kosten einiger Projekte schnellen in die Höhe.

Grund für diesen übersättigten Markt war, dass in den vergangenen Jahren wegen des Borkenkäfers und Sturmschäden viel Wald gerodet werden musste. Gleichzeitig ist aber die Nachfrage für schadfreies Fichtenholz erheblich gestiegen. Laut des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sei der Preis für Fichtenholz deshalb auf ein Rekord-Tief von 50 bis 60 Euro pro Festmeter gesunken. Für sogenanntes Käferholz konnten die Waldbesitzer sogar nur mit etwa 30 Euro rechnen. Der jetzige Kurs liege bei zirka 80 Euro, eine Annäherung an den Normalpreis von 100 Euro pro Festmeter.

Der Borkenkäfer setzt Fichten gerade in trockenen Sommern zu. In den vergangenen Jahren sind deshalb die Preise für Waldbesitzer in den Keller gegangen. Foto: Christian Geist2021/05/NL-Wald-Fichten-Foerster-Borkenkaefer-1-scaled.jpg

„Waldholz hat wieder einen Wert“

Dabei muss man immer zwischen Rund- und Schnittholzpreis unterscheiden“, erklärt Steffen Taeger, Ansprechpartner für den Landkreis Nürnberger Land des AELF. Unter Rundholz versteht man das unbearbeitete Waldholz. Schnittholz hingegen bezeichnet die erste Stufe der Weiterverarbeitung. Aus der Sicht von Waldbesitzern ist die Preissteigerung in den vergangenen Monaten ein Segen. „In den letzten Jahren mussten wir schauen, dass wir gerade so auf Null herauskommen, jetzt hat Waldholz wieder einen gewissen Wert“, erzählt Taeger.

Vor allem, weil die Wiederaufforstung Geld kostet. Auf den Holzpreis für Handwerker und Kunden, also den Endverbraucher, habe man als Waldbesitzer keinen Einfluss. „Ich konnte in den letzten Jahren aber beobachten, dass Sägewerke Schadholz zu Tiefstpreisen eingekauft haben, aber es zu Normalpreisen wieder verkauft haben.“ Ein Geschäftsgebaren, das vor allem von Zimmereien in der Region bestätigt wird. Seit sich die Preise für Waldbesitzer beinahe normalisiert haben, steige der Preis des verarbeiteten Holzes von Sägewerken drastisch. Dazu wollten sich aber weder die lokalen Sägewerke noch Holzhändler gegenüber der Redaktion äußern.

„Wir können nicht mehr feilschen“

Alle Handwerker, die mit Konstruktionsvollholz arbeiten, sind betroffen“, erklärt die Mitarbeiterin einer Zimmerei aus dem Verbreitungsgebiet, die namentlich nicht genannt werden will. „Das Problem mit den Sägewerken ist, dass wir seit kurzem nicht mehr feilschen können und immer den Auslieferungspreis zahlen müssen.“ Die Abhängigkeit vom täglich schwankenden Auslieferungspreis mache eine Kalkulation nahezu unmöglich.

Außerdem rentiere sich der Export mehr als der Handel auf dem heimischen Markt. Und es sei aussichtslos, einen neuen Lieferanten zu bekommen. Mit der Holzknappheit geht seit Weihnachten eine Preissteigerung von über 100 Prozent einher. Hinzu kommen Lieferverzögerungen von mehreren Wochen. „Wir müssen viele Kunden auf die Warteliste setzen oder teilweise komplett absagen“, erklärt der Geschäftsführer eines weiteren Zimmereibetriebs.

„Export muss eingeschränkt werden“

Neben der vermeintlichen Bereicherung durch die Sägewerke spiele auch der Export in Länder wie China und die USA eine Rolle. Außerdem habe es seit Anfang der Corona-Krise einen weltweiten Bauboom gegeben. Das deutsche Fichtenholz sei auf dem internationalen Markt sehr begehrt. Das liege sowohl am niedrigen Preis als auch an den lockeren Ausfuhrgesetzen. Bei der Lösung dieser Probleme sind sich viele Zimmereien im Nürnberger Land einig. Sie rufen nach der Politik. „Deutschland muss den Export stoppen oder zumindest stark einschränken!“ Noch konnten viele lokale Betriebe ihre Holzlager aufstocken, was die Zukunft jedoch bringt, bleibe ungewiss. „Wir haben uns von der Pandemie im letzten Jahr inspiriert und horten jetzt Holz im Klopapierprinzip“, erklärt die besagte Zimmereimitarbeiterin.

Die Situation sei ein Desaster: „Das Holz ist ja vorhanden und es kann nicht sein, dass wir so viel exportieren, dass wir selbst billig importieren müssen!“ So gehe der nachhaltige Gedanke komplett unter.
Neben Zimmerern sind auch viele andere Handwerksbetriebe von der Krise betroffen. „Zwar haben wir nicht so große Probleme wie Zimmereien, weil wir mit vielen verschiedenen Hölzern arbeiten, aber die Knappheit ist trotzdem spürbar“, sagt Kurt Lengenfelder, Schreiner aus Schwarzenbruck. Seit Mitte 2020 habe sich die Situation angebahnt und jetzt seien die Wartezeiten für die Holzlieferungen sehr lange.

„Die Preise werden explodieren“

Dasselbe beobachtet der Schreiner Manfred Eberhard aus Altdorf: „Bei unserer Schreinerei ist die Lage noch nicht dramatisch, aber die Kunden müssen sich teilweise auf längere Lieferzeiten und explodierende Preise einstellen.“ Zudem komme in Zukunft noch eine weitere Variable hinzu: die Klimaerwärmung.Die Fichte ist kein heimischer Baum, deshalb verträgt sie keine trockenen und heißen Sommer“, erklärt Taeger. Außerdem wirke sich dies auf das Aufkommen des Borkenkäfers aus: „Trockenheit befeuert die Borkenkäferkalamität, was zu einem riesigen Problem werden könnte.

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