Tipps zum Brandschutz

„Das ist lebensgefährlich“

Gesunden Menschenverstand walten lassen, rät Kreisbrandrat Norbert Thiel beim Anbringen des Weihnachtsschmucks. | Foto: Jürgen Ruppert2020/12/NL-Norbert-Thiel-Kreisbrandrat.jpeg

nürnberger land. An Weihnachten steigt das Risiko für Wohnungsbrände. Gefahrenquelle Nummer 1 ist dabei nicht der Christbaum.

Ein trockenes Gesteck, Kerzen auf dem Baum, ein zugedeckter Mehrfachstecker: Die Liste der Gefahrenquellen an den Weihnachtsfeiertagen ist lang. Darum gibt Kreisbrandrat Norbert Thiel einige Tipps, wie ein Wohnungsbrand an Weihnachten zu verhindern ist.
Vorneweg beruhigt der erste Feuerwehrmann des Landkreises. Denn während das Brandschutz-Institut der Deutschen Versicherungswirtschaft VDS den Advent in einer aktuellen Pressemitteilung zur „Hochsaison für brennende Häuser“ erklärt und davon spricht, dass ab Mitte Dezember die Zahl vernichtender, oft sogar tödlicher Brände stark an steigt, blickt Thiel auf über 40 Jahre im Feuerwehrdienst zurück und sagt: „Ich habe in der Zeit noch keine fünf Christbäume brennen sehen.“ Eine Hochsaison kann er nicht erkennen, obgleich die Gefahr an Weihnachten in diesem Jahr nochmal größer ist als ohnehin.

Mehr Kleinbrände
Denn je länger sich Menschen zuhause aufhalten, desto eher passiert etwas, formuliert Thiel eine Grundregel.
Deshalb hätten die Feuerwehren des Landkreises in diesem Jahr auch mehr Kleinbrände gezählt, als in den Jahren vor der Pandemie. Vor allem auf dem Herd vergessenes Essen habe immer wieder zu Einsätzen geführt.
Als Hauptgefahrenherd an Heiligabend und den Tagen danach sieht Thiel, wie bereits erwähnt, nicht den Christbaum, sofern man ein paar Grundregeln beachtet. „Eine Lichterkette ist auf jeden Fall sicherer als Kerzen“, sagt Thiel. Es müsse nicht zwangsläufig LED-Technik sein, zu alt sollte die Kette aber nicht sein. Und vor allem darf das Kabel nicht aufgebrochen oder gequetscht sein. Ferner sollte der Baum mindestens einen halben Meter von Vorhängen, Deko und anderen brennbaren Einrichtungsgegenständen entfernt stehen und möglichst frisch geschlagen sein. „Wenn der Baum schon 14 Tage steht, ist er schon stark getrocknet und brennt wesentlich schneller ab.“ Einen Feuerlöscher zwischen Krippe und Kartons zu drapieren, muss laut Thiel nicht gleich sein. Es reicht schon ein Fünf-Liter-Eimer Wasser in der Nähe.


Potentielle Brandherde
Abseits des Baums lauern jedoch weitere potenzielle Brandherde: allen voran Gestecke und Elektroleisten. Für Zweige, Kränze et cetera gelten die gleichen Regeln wie für den Baum. Noch dazu rät Thiel, sich einen Zettel mit der Frage „Kerzen aus?“ an die Zimmertür zu pinnen. Keinesfalls zu Wasser greifen darf man übrigens bei Fettbränden, zum Beispiel bei einem Fondue. „Da Wasser rein zu gießen, ist lebensgefährlich. Das kann sofort explodieren“, warnt der Experte. Stattdessen lasse sich die Flamme mit einem Metalldeckel problemlos ersticken.

Komplexe Elektrik
Etwas komplexer verhält es sich da bei der Elektrik. „Da hängt man fünf Lichterketten auf und fernsehen will man auch noch. Und weils nicht schön aussieht, deckt man den Mehrfachstecker mit einer Decke ab“, beschreibt Thiel, wie man es gerade nicht machen sollte. Stattdessen appelliert er an den gesunden Menschenverstand und rät, Trafos eben nicht zu verdecken und Kabel zu verwenden, die für die benötigte Leistung ausgelegt sind.
Eine defekte oder ungenügende Elektoinstallation kann freilich auch dann zu einem Brand führen, wenn die letzte Kerze längst gelöscht und das Fondue verputzt ist. Deshalb rät Thiel unbedingt zum Anbringen von Rauchwarnmeldern in allen Räumen, die zu Schlaf- und Kinderzimmern führen.

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Unbedingt Feuerwehr anrufen
Bricht Feuer aus, beginnen diese zu piepsen.
Hört man einen Melder in der Nachbarwohnung, sollte man übrigens nicht zögern, die Feuerwehr zu verständigen. Stellt sich das Ganze später als falscher Alarm heraus, „kostet das den Anrufer nichts“, erläutert Thiel.
Ruft man aber nicht an und es handelt sich um einen Ernstfall, „ist das unterlassene Hilfeleistung“.

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