Abschied von Werner Diekstall

Chefarzt hängt seinen Kittel an den Nagel

Beifall für den Chefarzt: Werner Diekstall (Mitte) geht nach fast 30 Jahren am Laufer Krankenhaus in den Ruhestand. Mitarbeiter und Gäste spenden dem ebenso kompetenten wie geschätzten und beliebten Arzt minutenlangen Beifall. | Foto: Fischer2018/12/werner-diekstall-abschied-chefarzt-krankenhaus.jpg

LAUF — Nach 25 Jahren als Chefarzt der Inneren Abteilung im Laufer Krankenhaus geht Werner Diekstall zum Jahresende in den Ruhestand. In einer Feierstunde in der Klinik verabschiedeten Mitarbeiter, Geschäftsführung und die Politik den „hochangesehen und ob seiner Menschlichkeit sehr beliebten Mediziners“, wie alle Redner betonten. Diekstall, der bis zuletzt auch Ärztlicher Direktor des Laufer Krankenhauses war, hätte vor drei Jahren schon in Rente gehen können, verlängerte auf Bitten der Geschäftsführung aber dreimal seinen Vertrag.

„Schlicht und einfach, weil es mir Spaß gemacht hat“, sagte der gewohnt gut gelaunte Arzt geradeheraus. Spaß und Freude habe er vor allem immer im Umgang mit den Patienten empfunden – „ich kümmere mich gern“ – und Spaß habe ihm die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern in der Pflege und mit Arztkollegen gemacht. So sehr, dass es tatsächlich nicht einen Tag in seinen fast 40 Berufsjahren gegeben habe, in denen er nicht gerne ins Krankenhaus gekommen sei. Und dies selbst mitten in der Nacht bei Notfallanrufen.

Eigentlich wollte Diekstall ja kein großes Aufhebens um das Ende seiner Dienstzeit machen, auch eine große Abschiedsparty sei nicht sein Ding. Das Gegenteil aber war dann der Fall. Gerade als Ehrengäste wie Bürgermeister Benedikt Bisping und stellvertretender Landrat Norbert Reh im Krankenhaus ankamen, gerade als sich Krankenschwestern, Pfleger, viele Kollegen und Funktionsträger im Konferenzsaal eingefunden hatten, schlug ein lautstarker Fehlalarm der Brandmeldanlage an. Über zehn Minuten lang tönte es durchs Haus, dass Diekstall in den Ruhestand geht.

Seit 1989 in Lauf

Thomas Grüneberg, Geschäftsführer der Krankenhäuser im Nürnberger Land, blickte in seiner Rede zurück auf die Karriere von Werner Diekstall. Geboren in Oldenburg, studierte er später in Münster Geologie und ab 1973 Medizin. Seine Zeit als Mediziner begann er 1973 in der Unfallchirurgie des Krankenhauses in Bielefeld. Über Stationen in Bad Kissingen und Dortmund fand er den Weg 1989 an das damalige Kreiskrankenhaus in Lauf. Der Spezialist für Innere Medizin wurde schon 1993 Chefarzt der Abteilung und ist seit 2009 auch Ärzlicher Direktor der Krankenhäuser Nürnberger Land.

Seine Verdienste, das habe er in der kurzen Zeit, in der er Diekstall kenne, erfahren, gehen aber weit über die ärztlichen Leistungen hinaus, so Grüneberg. So sei ihm ab 2006 die Zusammenführung des Krankenhauses mit dem Klinikum Nürnberg ein Anliegen gewesen, für das er sich, auch Widerständen zum Trotz, eingesetzt habe. „Weil sie in die Zukunft schauen und vom Nutzen der Zusammenarbeit überzeugt sind“. Die noch größere Kunst von Werner Diekstall aber sei seine Menschlichkeit, seine Persönlichkeit und sein ärztlicher Ethos gewesen. Er beherrsche es, Patienten und Mitarbeitern immer die Gewissheit zu vermitteln, dass er sich wirklich um sie kümmere.

Höchstes Lob von Kollegen

Noch dicker und deutlicher fiel das Lob für den Chef von der Sprecherin der Assistenzärzte am Krankenhaus, Daniela Krasel, aus. Mit Diekstall gehe eine Ära zu Ende. Nach den Abschieden von Gerhard Walz und Lothar Goltz finde nun im Krankenhaus auch ein Generationswechsel statt. Vorbei sei damit leider auch die Zeit einer patientenorientierten Medizin, so auch kritische Töne der Ärztin. Diekstall habe immer die Menschlichkeit zum Maßstab gemacht, habe Maßstäbe im Umgang mit Patienten und Mitarbeitern gesetzt. Krasel versprach aber auch: „Unsere Arbeit in der Klinik wird auch ohne Diekstall gut weiterlaufen, einfach weil wir ein so gutes Vorbild hatten.“

Glücksfall für Lauf

Auch Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping meinte, Diekstall habe die Verbindung von Mensch und Mediziner gelebt, die Laufer und die Landkreisbürger seien ihm zum Dank verpflichtet. Auch weil er sich nicht nur von Anfang an für den Erhalt und den Ausbau des Krankenhauses eingesetzt habe, sondern darüber hinaus bei den Herz- oder Diabetes-Seminaren in die Bevölkerung hinein gewirkt habe. Diekstall sei ein Glücksfall für Lauf gewesen, so Bürgermeister Bisping.

Diekstall selbst ist ein klassischer Internist. Er führte in Lauf sämtliche endoskopische Untersuchungen durch, von der Magen- und Darmspiegelung bis zur Bronchoskopie, der Untersuchung der Lunge, beispielsweise bei einem Tumor. Dazu kamen alle Ultraschalluntersuchungen am Herzen und im Bauchraum. Leider, so der Arzt, habe in den letzten Jahren die Verwaltungsarbeit und die Dokumentation sowie der wirtschaftliche Druck auf die Ärzte in einem unguten Maß zugenommen.

Als Chefarzt hat Diekstall schon vor zwanzig Jahren die Radiologische Praxis Langlouis an das Laufer Krankenhaus geholt und erst kürzlich das für Lauf so wichtige Herzkatheder-Labor verwirklichen können. Und unter Werner Diekstall entstand die geriatrische Abteilung, die Station für Altersmedizin, im Laufer Krankenhaus.

Seinen Nachfolgern, und Ärzten überhaupt, kann und will Diekstall nur ans Herz legen, sich um die Menschen zu kümmern. Und sich bei Beschwerden auch an die eigene Nase zu fassen. „Das ist unsere Aufgabe, da ist nix Heroisches dabei.“ Diekstall hofft nun vor allem, dass das Laufer Krankenhaus erhalten werden kann. Nicht kritisieren jedenfalls könne man die Krankenhausdichte und Versorgung in der Region, so der Chefarzt.

Dr. Wildner als Nachfolger

Nachfolger von Werner Diekstall wird ab Februar der Privatdozent, Notarzt und Gastroenterologe Dr. Dane Wilder aus Erlangen. Er soll in Lauf unter anderem moderne Tumortherapien voranbringen.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer